Mit einem Studienprojekt auf die Rennstrecke

Blue-Flash-Team der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst präsentiert spektakulären »E_HAWK18«

Unmittelbar nach seinem »Roll-out« wurde der Elektro-Rennwagen intensiv bestaunt. Hinter seinem rasanten Äußeren verbirgt sich beeindruckende Technik – alles geschaffen von einem studentischen Team der HAWK.

Einbeck. Dass junge Leute sich für Rennsport begeistern, ist nichts Ungewöhnliches. Wenn sie sich den Rennwagen, mit dem sie in internationalen Wettbewerben an den Start gehen, selbst bauen, leisten sie etwas Besonderes. Und wenn sie dabei sogar auf Elektromobilität setzen, dann ist das ein Meilenstein. Ihren »E_HAWK18« haben Studierende der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) aus Göttingen jetzt in einem spektakulären »Roll-out« präsentiert – im Einbecker PS.SPEICHER, dessen aktuelle Sonderausstellung »Unter Strom« das Thema hervorragend begleitete.

Das etwa 40-köpfige Studenten-Team »Blue Flash« hat innerhalb von acht Monaten einen Flitzer geschaffen, der jetzt wirkungsvoll ins Rampenlicht gerückt wurde. Höhere Betriebsspannung, aerodynamische Optimierung, Gewichtsersparnis, wo immer es ging (acht Kilo weniger als das Vorjahresmodell): Damit will das Team Vorreiter in der sogenannten low-voltage-Technik bleiben. Ziel ist eine Top-Ten-Platzierung in der formula student Germany, einem internationalen Konstruktionswettbewerb, der seit 1998 ausgetragen wird und in dem sich 500 Teams aus aller Welt messen.

Die Geschichte der E-Mobilität sei nicht neu, stellte Lothar Meyer-Mertel, Geschäftsführer des PS.SPEICHERs, fest. Sie sei seit mehr als 100 Jahren Thema, ohne dass sich seither viel getan habe. Die Studierenden bewegten sich in den Fußstapfen der Pioniere von damals, und sie füllten diese sehr gut aus: »Diesmal wird’s wirklich klappen«, so seine Prognose zur Zukunft der Elektromobilität.

HAWK-Präsident Dr. Marc Hudy lobte die Studierenden, die sich so stark engagierten. Was sie getan hätten, sei ganz typisch für diese Hochschule: Sie arbeiteten interdisziplinär, setzten auf regionale Vernetzung und hätten am Projekt geübt, gelernt und studiert –­­­ das sei Praxisbezug. Für den Start ins Berufsleben sei das ein echter Gewinn. Auch die Hochschule profitiere davon, denn es gebe kaum etwas PR-Wirksameres als Rennautos.

Als größter Blue-Flash-Fan bekannte sich Professor Dr. Christopher Frey, Dekan der Göttinger HAWK-Fakultät Naturwissenschaften und Technik. »Ich erlebe Sie heute als Ingenieure«, würdigte er die Studierenden. Menschen würden gern lernen – bis sie auf die Hochschule kämen. Freude, Leidenschaft und Enthusiasmus habe sich dieses Team aber bewahrt, freute er sich.

Worauf es bei dem Rennwagen ankommt, erläuterte Projektleiter Moritz Pieper. So sehe die technische Abnahme sechs Prüfungen vor: Das Fahrzeug müsse nach bestimmten Regeln gefertigt sein. Der Akku sei ein zentrales und sicherheitskritisches Merkmal. Vier dynamische Disziplinen und eine Sonderwertung sowie drei statische Disziplinen – Konstruktion, Kostenübersicht und Strategie – fließen ebenfalls in die Bewertung ein. Die Königsdisziplin sei aber ein Rennen über 22 Kilometer. In Silverstone sei das Team 2015 noch ohne Auto angetreten. 2017 in Italien wurde Blue Flash sogar Sieger, und jetzt sei man auf die neue Saison gespannt. Ein leistungsfähiges Fahrzeugkonzept und ein sicherer, zuverlässiger, leichter und innovativer Wagen gehe an den Start. Der E_HAWK18 sei mehr als ein Rennwagen, denn viele Studieninhalte konnten bei der Entwicklung vertieft und angewendet werden; zugleich wurden wertvolle Praxiserfahrungen gesammelt.

»Warum machen wir das?« Dr. Sven Ehrich, Leiter Forschung und Entwicklung beim Sponsor Otto Bock, betonte, betriebswirtschaftliches Denken sei nicht alles: Geld geben und Leistung bekommen, so einfach sei es hier nicht. Man habe ein cooles Produkt, auf das man stolz sein könne, und gute Leute, die andere begeisterten. Man sei Teil von etwas Großem, und die Studierenden hätten andere mit ihrer Leidenschaft angesteckt: »Wir lieben das Projekt«.ek

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