Mutige und spannende Projekte rund ums Buch

In Einbeck | Lesungen ab August, Slam und Feridun Zaimoglu im September

Im Mittelpunkt des Literaturfestes Niedersachsen steht diesmal das Thema »Mut«, der Einbecker Schwerpunkt wird das Buch »Die Geschichte der Frau« von Feridun Zaimoglu sein. Daraus lesen Uta Jaschke, Heinrich Sprink, Frank Bertram und Simone Engelhardt (von links) sowie Ingeborg Cramm (Fünfte von rechts). Auf ein vielseitiges Fest, das vielen Einbeckern Lust aufs Lesen macht, freuen sich (von rechts) die Intendantin des Literaturfestes, Susanne Mamzed, Ulf Hasse, Regionaldirektor der VGH Göttingen, Antje Bach, Leiterin der Stadtbibliothek Einbeck, Kirsten Karg von der VGH- Stiftung und Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Einbeck. »Mut« lautet das Thema des Literaturfestes Niedersachsen vom 5. bis 22. September. »Unsere Stadt liest ein Buch« heißt es dabei bereits ab Ende August in Einbeck. Im Mittelpunkt einer Veranstaltungsreihe steht das Buch »Die Geschichte der Frau« von Feridun Zaimoglu. Der Autor selbst wird damit auch zu Gast sein.

Seit 2010 macht das Literaturfest erstmals wieder in Einbeck Station. Man wisse, dass man hier für besondere Konzepte zu haben sei, sagten Intendantin Susanne Mamzed, Kirsten Karg von der VGH-Stiftung und Ulf Hasse, Regionaldirektor der VGH Göttingen, zu Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Bibliotheksleiterin Antje Bach. Sie unterstütze die Bibliothek und das Lesen sehr, betonte die Bürgermeisterin. Und es sei ihr wichtig, Menschen an Bücher heranzuführen. Bücher, Lesen, Wissensquartier, damit beschäftige man sich im Moment in Einbeck sehr stark. Sie findet es großartig, dass die Bibliothek im Wandel und offen für unterschiedliche Zielgruppen sei.

»Unsere Stadt liest ein Buch«, das passe ganz hervorragend zu Einbeck, stellte Antje Bach fest. Man habe bekannte Persönlichkeiten gewinnen können, die einzelne Kapitel vortragen würden. Sie haben sich Abschnitte ausgesucht und auch die entsprechenden Orte gefunden: Ingeborg Cramm, Vorsitzende des Landfrauenvereins, ist am 22. August, ab 18.30 Uhr zu Gast im Stadtmuseum. Am 29. August liest Simone Engelhardt, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Einbeck, ab 19.30 Uhr auf dem Roten Sofa im Neuen Rathaus. Frank Bertram, freier Journalist und Vorsitzender der Alten Synagoge, wird in der Baustraße 15a am 2. September, ab 19.30 Uhr lesen. Heinrich Sprink, Buchhändler aus Dassel, ist am 5. September, ab 19.30 Uhr in der Bibliothek zu Gast. Der Lesekreis der Stadtbibliothek befasst sich mit Buchhändlerin Julia Kloss sowie Uta Jaschke am 10. September, ab 19.30 Uhr mit dem Buch.

Es werden jeweils kurze Passagen gelesen, danach sollen die Teilnehmer miteinander in den Dialog darüber eintreten, was sie berührt hat; das wird vermutlich umso mehr der Fall sein, je mehr Besucher das Buch gelesen haben, das 2019 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war.

Dazu heißt es auf der Internetseite des Autors: »Es lässt zehn außerordentliche Frauen zur Sprache kommen vom Zeitalter der Heroen bis in die Gegenwart. Es sind Menschen, deren Sicht auf die Dinge nicht überliefert wurde. Weil Männer geboten, die Wahrheit tilgten und die Lüge zur Sage verdichteten. Diesen Frauen war es vorbehalten, schweigend unsichtbar zu bleiben oder dekorativ im Bild zu stehen. Doch nun sprechen sie – klar und laut, wie eine abgefeuerte Kugel. Feridun Zaimoglu zeigt sich in seinem neuen Roman erneut als ein Meister der Vielstimmigkeit. Was ihm dabei gelingt, ist ein regelrechtes Wunder. Die Figuren dieses Buches klingen nicht nur lebendig – sie werden es: von Antigone über Judith bis Valerie Solanas. Kraftvoll, poetisch und subversiv. Kein Friedensangebot. Keine Schmeichelei. Tabula Rasa!«

»Lesen Sie hier«, mit diesem Aufkleber versehen, wird das Buch an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet ausliegen, in Cafés, in der Bibliothek, in öffentlichen Einrichtungen, in Arztpraxen – an Orten, an denen man warten muss oder möchte beziehungsweise Muße hat, ein bisschen zu lesen. Einen ganzen Stapel hat die VGH-Stiftung zur Verfügung gestellt. Wer sie öffentlich auslegen möchte oder weitere Ideen hat, kann sich an die Stadtbibliothek wenden.

Am Freitag, 13. September, beginnt um 20 Uhr eine Frauenpower-Slamrevue in der Stadtbibliothek. Die Slammerinnen Rebecca Heim, Marie Radkiewicz und Tanasgol Sabbagh bringen spritzig-scharfzüngige Texte mit, jeweils sieben Minuten lang und natürlich mit dem Thema »mutige Frauen«. Moderiert wird der Abend von Sebastian Hahn.

Feridun Zaimoglu wird am Donnerstag, 19. September, ab 20 Uhr mit Julia Leeb diskutieren. Sie ist eine mutige Frau, hat sich vor allem als Kriegsfotografin einen Namen gemacht. Die Moderation hat Joachim Dicks. Dabei wird es sowohl um Zaimoglus Buch gehen, aber auch um couragierte Frauen von heute: Julia Leeb ist im Buch »200 Frauen – was uns bewegt« portraitiert.

Einbeck sei der südlichste Stützpunkt des diesjährigen Literaturfestes, erläuterte Kirsten Karg. Sie freue sich sehr, zum vierten Mal mit dem Literaturfest hier zu ein. Das Fest findet bereits zum 14. Mai statt; 27 Veranstaltungen im ganzen Land sind geplant, die die Lust am Lesen wecken sollen – an ungewöhnlichen Orten und mit verschiedenen Formaten. Vor Ort gebe es ein großes Engagement, wofür sie sehr dankbar sei. In Einbeck, verriet sie, sei gleich »Begeisterung aufgebrandet«. Und man brauche starke Partner vor Ort. Sie habe gejubelt, als sie die Nachricht erhalten habe, dass Einbeck wieder dabei sei, berichtete Antje Bach.

Mit dem Julius-Club, den die VGH unterstütze, fange das Lesen an, führte Ulf Hasse aus. Neue und andere Wege seien hilfreich, und eine möglichst niedrige Hemmschwelle. Einbeck sei ein guter Ort für ein solches Vorhaben, wobei das Publikum längst nicht nur auf die jeweiligen Orte beschränkt bleibe, sondern ein »Literaturfest-Tourismus« funktioniere.

Mut, so Susanne Mamzed, sei ein hochinteressantes Thema, für das es unterschiedliche Definitionen gebe. Es brauchte schon immer Mut, um herausragende Kunst zu schaffen. Das Literaturfest greife verschiedene Varianten von Mut auf. Es gehöre Mut dazu, abenteuerlustig zu sein, aber auch, eine Beziehung zu beenden. Das Buch sei das Richtige, wenn es um den Mut von Frauen gehe: Zaimoglu habe stummen Frauen aus verschiedenen Zeiten ein Wort gegeben. Jede Geschichte sei in sich geschlossen, und für jede habe er dabei eine spezielle Sprache gewählt und so auch Bilder aus einer fernen Vergangenheit gezeichnet. Das setze einem manchmal zu, und das müsse man aushalten können.

»Unsere Stadt liest ein Buch« ist in vier niedersächsischen Städten unterwegs: Neben Einbeck auch in Melle, Meppen und Worpswede. 1998 ist die Bewegung in Seattle ins Leben gerufen worden mit dem Ziel, wildfremde Menschen ins Lesefieber zu versetzen. 2002 wurde erstmals in Deutschland, in Hamburg, Köln und Potsdam, gelesen. In jedem Ort geschehe etwas anderes, unterschiedlich sei der Schwung, der von den öffentlich verteilten Büchern ausgehe. Dieses Format bedient das Literaturfest in diesem Jahr zum ersten Mal. »Wir sind neugierig, wie es aufgenommen wird«, so die Planerinnen. »Sie werden träumen von dem Buch«, versprach Heinrich Sprink. »Das wird nichts, was man so schnell vergisst«, ergänzte Susanne Mamzed.

Karten für den Poetry Slam am 13. September und den Lese- und Diskussionsabend am  19. September gibt es über das Reservix-Portal im Ladengeschäft der Einbecker Morgenpost und in der Tourist-Information im Eickeschen Haus. Die Lesungen einzelner Kapitel kann man bei freiem Eintritt genießen.ek

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Nichts für Feingeister

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