Die Natur zeichnet Märchenwald mit »Orden« aus

Einbeck. Zwei Ordensbänder in einer Nacht: Eine der wärmsten Nächte (um 22 Uhr noch 26 Grad) hat zwei Nachtfaltern/Eulenfaltern wohl sehr gefallen, und sie haben sich aus ihren heimlichen Wald-Verstecken gewagt. Sie sind für einen Moment kurz vor Mitternacht in der Nähe eines Lichtturms gelandet, den der Biologe Dr. Reiner Theunert am Märchenwald aufgestellt hatte, um neue Arten zu erfassen.

Das Rote Ordensband (Catocala nupta) erreicht eine Flügelspannweite von 85 Millimetern. Wenn der Schmetterling seine aufgeklappten Unterflügel präsentiert, ist die Namensgebung schnell zu verstehen. Seine Flugzeit reicht von Juli bis Oktober. Zwar gehört dieses Ordensband noch zu den häufigeren Ordensbändern, allerdings gehen die Bestände regional zum Teil stark zurück.

Im Jahr 2015 war er zum »Schmetterling des Jahres« gewählt worden. Weiden- und Pappelblätter benötigen die Raupen zur Entwicklung. Feuchte Laub- und Mischwälder wie der Märchenwald sind die Heimat dieser großen, prächtigen Nachtfalter. Wenn die Flügel im Ruhezustand sind, kann man sie nur schwer an einem Baumstamm sitzend ausmachen. Von Natur aus leben diese Falter von Baumsäften und faulenden Früchten.

Mit zerquetschtem Obst und einem Schuss Hochprozentigem lassen sich die Roten Ordensband-Falter manchmal nachts anlocken. Nach der Bundesartenschutz-Verordnung gehört das Rote Ordensband zu den besonders geschützten Schmetterlingen. Das Blaue Ordensband (Catocala Fraxini) ist mit bis zu 110 Millimeter Flügelspannweite noch größer als das Rote Ordensband.

Der Falter fliegt zur gleichen Zeit und bildet nur eine Generation aus. Die Raupen benötigen Pappel- und Weidenarten aber auch Eschen (fraxini), Eichen, Birken und Buchen als Fresspflanzen. Verwilderte feuchte Mischwälder (Märchenwald) bieten Lebensraum für diese Art. In Niedersachsen ist der Falter allerdings vom Aussterben bedroht. Für Theunert war diese Lebend-Begegnung die erste in seinem langen Berufsleben als Biologe und Schmetterlings-Experte.

Ein Erlebnis ist solch eine warme Nacht mitten im Wald bei einer Lichtquelle allemal. Man weiß nie, welche Insekten sich dort einfinden. Man muss dem Summen von Mücken standhalten und ertragen, dass sich ein Falter schon mal im Nacken oder Ärmel verirren kann. Manche Schönheiten der Natur zeigen sich nur nachts.hst

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