Neuen Möglichkeiten für Langzeitarbeitslose

Teilhabechancengesetz in Kraft getreten | Jobcenter will Voraussetzungen bei Arbeitgebern bekannt machen

Stefan Schäfer, Axel Pfeiffer, Simone Korf und Maik Heise (von links) vom Jobcenter sind derzeit dabei, das neue Teilhabechancengesetz bei Arbeitgeber bekannter zu machen. Damit bieten sich nämlich vielfältige Möglichkeiten, Langzeitarbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen.

Einbeck/Northeim. Langzeitarbeitslose nachhaltig in den allgemeinen Arbeitsmarkt einzugliedern, das ist das Ziel des Teilhabechancengesetzes, das als Teil des Koalitionsvertrages von der Bundesregierung gegen Langzeitarbeitslosigkeit auf den Weg gebracht wurde. Für einen Zeitraum von vier Jahren sollten vier Milliarden Euro zur Verfügung. Da die Maßnahmen erst 2019 gestartet sind, bleiben jetzt noch drei Jahre Zeit - bei gleicher Summe.

Für die Nutzung dieser Möglichkeiten Möglichkeiten wirbt das Jobcenter im Landkreis Northeim: »Das Geld ist da, die Umsetzung ist einfach«, hier sehe man gute Chancen für Langzeitarbeitslose und Betriebe, so Stefan Schäfer, Geschäftsführer des Jobcenters.

Trotz guter Arbeitsmarktlage gelinge es Langzeitarbeitslosen kaum, einen Arbeitsplatz zu bekommen, stellt die Arbeitsagentur fest. Viele wollten gern wieder arbeiten, sie zeigten Motivation und Engagement, sie brauchten allerdings eine Chance, ins Berufsleben zurückkehren zu können und den Sprung in die Erwerbstätigkeit tatsächlich zu schaffen - an einem geeigneten Arbeitsplatz und, wenn erforderlich, Unterstützung nach der Beschäftigungsaufnahme.

Zielgruppe sind zum einen Langzeitarbeitslose, die seit mindestens zwei Jahren beim Jobcenter als arbeitslos gemeldet sind. Während des ersten Jahres der Beschäftigung erhält der Arbeitgeber eine Lohnkostenzuschuss in Höhe von 75 Prozent, für das zweite Jahr sind es 50 Prozent des Arbeitsentgelts.

Es besteht anschließend keine Pflicht zur Nachbeschäftigung. Das Verfahren, verspricht das Jobcenter, sei unbürokratisch - deshalb wolle man Arbeitgeber motivieren, hier einzusteigen. Wer mindestens sechs Jahre arbeitslos war, dessen Beschäftigung kann sogar über fünf Jahre gefördert werden: mit jeweils 100 Prozent in den ersten zwei Jahren anschließend mit 90, 80 und 70 Prozent.

Teil des Pakets ist es auch, Weiterbildungskosten mit bis zu 100 Prozent zu bezuschussen. Ein Coaching ist möglich, bei dem Arbeitnehmern in den unter schiedlichsten Fragen geholfen wird. Im Landkreis gebe es etwa 1.300 Langzeitarbeitslose, berichtet Stefan Schäfer; als langzeitarbeitslos gilt, wer mindestens ein Jahr ohne Beschäftigung ist.

Formal sei das ein großes Potenzial. In der Praxis gehe es darum, die passenden Betriebe für die passenden Bewerber zu finden - nicht jeder eigne sich für jedes Angebot. Das Team des Jobcenters - Maik Heise als Teamleiter Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit, Axel Pfeiffer, Teamleiter Markt und Integration in der Geschäftsstelle Einbeck, und Simone Korf, Arbeitsvermittlerin Arbeitgeberservice - ist derzeit dabei, die Arbeitgeber über die neuen Möglichkeiten zu informieren.

Die Bürgermeister der Kommunen im Landkreis wurden schon besucht, weil das Thema auch für die öffentliche Hand als Arbeitgeber aus einer sozialen Verpflichtung heraus interessant sein dürfte. Kontakt wurde zudem zu den Wirtschaftsförderern, beispielsweise beim Landkreis oder bei der Stadt Einbeck, aufgenommen. Beim Gildentag am 26. Januar in der Northeimer Stadthalle wird der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Northeim mit einem Stand vor Ort sein.

»Die Handwerksbetriebe wollen wir gezielt ansprechen«, kündigt Maik Heise an. Zwar könnten sie nicht erwarten, dass sie über dieses Programm gleich die gesuchten Facharbeiter bekämen; es sei aber möglich, weniger qualifizierte Stellen zu besetzen und so den Fachkräften Freiraum zu verschaffen.

In Sachen Werbung für das Teilhabechancengsetz sind die Mitarbeiter derzeit viel unterwegs: Auch beim Unternehmerfrühstück wird sich das Jobcenter mit diesen Neuerungen vorstellen. Wichtig ist Stefan Schäfer der Hinweis, dass die Fördermöglichkeiten für große und kleine Unternehmen gelten. Er würde sich freuen, wenn die Betriebe sie besser kennenlernen und anwenden würden: »Das sind zwei tolle Produkte, und es steht genügend Geld dafür bereit.«

Es könne nur Gewinner geben. Wieder eine Arbeit zu haben, das bewirke Positives bei den Menschen. Dabei seien die gesetzlichen Vorgaben facettenreich, sie berücksichtigten, dass nicht jeder alles könne. Der Arbeitslose stehe im Vordergrund. Sehr positiv sei auch, dass es die Begrenzungen früherer Maßnahmen hier nicht gebe. »Unser Job ist nun, herauszufinden, wer zusammen passt. Das hilft den Menschen, aber auch der Region - eine Win-Win-Situation«, betont er.ek

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