Neue Nutzung, aber auf historische Wurzeln verweisen

SPD-Projektsommer zu Gast beim Förderverein Alte Synagoge | Denkmalgerechte Sanierung | Begegnungsstätte

Einbeck. Das Haus Baustraße 15a wurde um 1800 als typische Landsynagoge errichtet, zur Zeit des sogenannten Schutzjudentums bewusst in Hinterhoflage beziehungsweise in zweiter Reihe. Die Synagoge wurde genutzt, bis 1896 die sogenannte Neue Synagoge in der Bismarckstraße in Einbeck eingeweiht wurde. Der Standort Baustraße wurde entwidmet und verkauft und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem Wohnhaus umgebaut. Damit sei, bedauerte der Fördervereinsvorsitzende, leider auch das Wissen um die Synagoge verschwunden.Das Haus verfügte über zwei Wohnungen, unter anderem wurde 1906 ein halbes Stockwerk aufgesetzt, um mehr Platz zu bekommen. Die Lage und das vergessene Wissen führten aber dazu, dass das Haus die Ereignisse im November 1938 unbeschadet überstanden hat.

Bis in die 1990er Jahre blieb der Standort Baustraße tatsächlich unbekannt. Erst im Rahmen einer Bauaufnahme in Einbeck, bei der kartiert und aufgezeichnet wurde, erkannten Fachleute anhand der Fachwerkskonstruktion, dass es sich nicht immer um ein Wohnhaus gehandelt haben könne - der Baustil sprach für die klassische Landsynagoge, was sich bei weiteren Untersuchungen auch als richtig erwies.

Der Förderverein wurde 2004 gegründet, derzeit hat er 55 Mitglieder. Er verfolgt das Ziel einer denkmalgerechten Sanierung, die 2006 begonnen wurde, zunächst mit der kompletten Entkernung. Das Haus soll in seinen ursprünglichen Bauzustand gebracht werden. Das Dach wurde heruntergezogen, das aufgesetzte halbe Stockwerk wieder entfernt. Das jüngsten Projekt war im Mai der Einbau der Fenster. Für die dafür erforderlichen 15.000 Euro hätten sich mehrere Spender gefunden, hieß es. Der nächste Bauabschnitt wird die Installation der Infrastruktur sein, Elektro, Wasser und Heizung. »Damit kommen wir bestimmt wieder in einen niedrigen sechsstelligen Bereich«, vermutete der Vorsitzende. Der weitere Innenausbau, ein Zugang zum Dachboden, die Gestaltung des Fußbodens, Außenputz, Türen und als letzter Abschnitt der  Einbau einer Frauenempore - das künftige Arbeitsprogramm ist umfangreich.

Die Sanierung, das machte Frank Bertram deutlich, verfolge nicht das Ziel, das Haus wieder als Synagoge zu nutzen; im Moment gebe es in Einbeck zudem keine jüdische Gemeinde, für die das in Frage komme. Vielmehr soll ein Ort der Begegnung und des offenen Dialogs entstehen für Veranstaltungen aller Art. Lesungen für Schüler sind ebenso möglich wie Diskussionen, die den Austausch zwischen Kulturen und Religionen fördern und durchaus auch unbequeme Standpunkte einnehmen.

Zur Einrichtung der Synagoge, sagte er auf Nachfrage, gebe es keine konkreten Hinweise, weder Baupläne noch Fotos. Allenfalls eine Beschreibung aus dem Ende des 19. Jahrhunderts erschienenen ersten Reiseführer für Einbeck lasse Rückschlüsse darauf zu, wo sich beispielsweise der Thoraschrank befunden habe und wo das Predigt-Ambo stand. »Mehr wissen wir leider nicht.« Das Inventar sei beim Umzug in die Synagoge in die Bismarckstraße mitgenommen und im November 1938 beim Brand vernichtet worden. Die Geschichte des Baus solle erkennbar bleiben, ergänzte Dr. Elke Heege, frühere Vorsitzende des Fördervereins. »Kenner werden es merken.« Vorgesehen sei auch eine Tafel, aus der die Geschichte hervorgehe. Der Wunsch sei es, dass das Haus sich einmal selbst trage - und dass es nicht wieder in Vergessenheit gerate. Er sei zufrieden, dass das Gebäude inzwischen »unter Dach und Fach« sei, hob der Vorsitzende hervor. Schon in der Sanierungsphase werde es intensiv genutzt, etwa zu Gedenkveranstaltungen zum 9. November – diesmal wird es allerdings aus Platzgründen in der Neustädter Kirche ein Konzert mit der Gruppe »Klezmers Techter« geben –, oder zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933.

Ein kleines Nebengebäude, das sich nördlich anschließt, wird Haustechnik, Toiletten, einen Abstellraum und eine kleine Teeküche aufnehmen. So kann die gesamte Fläche des Saales von rund 80 Quadratmetern mit einer Höhe von 4,60 Metern genutzt werden.

Die Finanzierung sei noch nicht gesichert, räumte der Vorsitzende ein, Geld beschaffe der Verein ausschließlich über Spenden beziehungsweise über Patenschaften. Das Gelände befinde sich aber im Fördergebiet Städtebaulicher Denkmalschutz, und das wolle man nutzen. Vom Geld hängt auch der weitere Baufortschritt ab. »Die Sanierung wird noch ein paar Jährchen dauern«, weiß der Vorstand. Bei den Arbeiten greife man, wo immer das möglich sei, auf heimische Handwerker zurück. Wer das Gebäude kennenlernen möchte, hat dazu beim Tag des offenen Denkmals am 8. September Gelegenheit: Die Alte Synagoge ist erneut daran beteiligt. Der SPD-Projektsommer wird am heutigen Diens­tag fortgesetzt mit einem Besuch beim Fischereiverein. Treffen ist um 18 Uhr auf dem Ver­einsgelände an der ehemaligen Knochenmühle. Dorthin gelangt man über die Schlachthofstraße.ek



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