Nutzung und Attraktivität steigern

Über Mobilität und Strukturveränderungen sprach Gerd Aschoff

Bei der SPD-Abteilung Kernstadt sprach Gerd Aschoff über Mobilitätsmöglichkeiten für den ländlichen Raum. Rolf Hojnatzki bedankte sich bei ihm dafür mit einem Präsent.

Einbeck. Was man leisten kann, um die Mobilität in der Region zu verbessern, damit befasste sich bei der Jahreshauptversammlung der SPD, Abteilung Kernstadt, Gerd Aschoff, Vorsitzender von PRO BAHN Südniedersachsen. Viele gute Ideen wie Deutschland-Takt, EcoBus oder 5-Euro-Ticket existieren, die Umsetzung sei aber nicht einfach. Die momentane Situation in der Gesellschaft mit zunehmendem Interesse für Klimapolitik sollte man nutzen, um mehr Menschen für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), aber auch für längere Touren mit der Bahn zu gewinnen.

Zu Beginn der Jahreshauptversammlung begrüßte Beisitzer Rolf Hojnatzki die Anwesenden. Dem Finanzverantwortlichen Hans Radke bescheinigten die Revisoren Alexander Kloss, Martin Wehner und Helmut Ostermann gute Arbeit. Der Vorstand erhielt Entlastung. Hojnatzki wies auf das Grünkohlessen am 30. November im Gasthaus »Zur Traube« in Holtensen hin.

Aschoff, der auch Pressesprecher der SPD-Kreistagsfraktion im Landkreis Göttingen ist, erklärte, dass er den Fahrgastverband PRO BAHN seit 1985 begleite. Es war eine interessante, aber auch kontroverse Zeit mit zahlreichen Veränderungen. Mit regionalen Verkehrsmitteln und Bahn sei man vor Ort recht gut versorgt. Das Angebot sollten mehr nutzen.

Manche meinen, dass die Bahn zu teuer sei, das stimme nicht. Er selber nutze gern das Kleingruppenticket, um unter anderem die Region günstig zu erkunden. Zudem existieren auch gute Sparpreise für Fernreisen. Für 80 Euro fuhren er und seine Frau kürzlich von Göttingen nach München und zurück mit dem ICE.

Grundlegende Strukturveränderungen brauchen lange Zeit. In den 1980er Jahren wurden viele Strecken geschlossen. Nach jahrelangen Diskussionen fallen bald statt 19 Prozent für Bahntickets nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer an, die Fahrkarten werden günstiger. Wichtig sei, so Aschoff, dass den öffentlichen Verkehrsmitteln wieder ein größerer Stellenwert zukomme.

Nach der erfolgreichen Reaktivierung der Strecke von Einbeck nach Salzderhelden folgte jetzt die von Bad Bentheim nach Neuhaus. Langfristig kann man sie nutzen, für 20 Jahre wurde sie bestellt. Reaktivierungen seien immer etwas Besonderes, dass es zudem eine Kapazitätssteigerung für Güter- und Personenverkehr auf der Leinestrecke von Göttingen über Hannover nach Uelzen gab, merkte kaum jemand.

Chancen und Möglichkeiten im ÖPNV will man verbessern, so Aschoff. Wichtig sei ein bedarfsgerechtes Angebot für den ländlichen Raum, jedoch wurde dafür das »Ei des Kolumbus« noch nicht gefunden. Eingehen müsse man auf die örtlichen Gegebenheiten, aber auch auf verständliche Tarifsysteme, Nutzungsverhalten oder Anschlussverbindungen. Pilotprojekte mit dem ECO-Bus gab es unter anderem in Bad Gandersheim, schwierig war die Vernetzung ans ÖPNV-System. Bürgerbusse wie in Bodenfelde können eine Möglichkeit sein, die individuelle Versorgung zu verbessern.

Wenn man etwas ausbauen oder neu installieren möchte, dauere es viele Jahre. Zudem wehren sich oft Anrainer oder Bürgerinitiativen dagegen – teilweise auch zu Recht. Viele Menschen wollen ÖPNV, aber ohne persönliche Einschränkungen. Daher sei auf Akzeptanzregelungen mit sinnvollen Kompromissen zu setzen.

Der Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (VSN) besteht aus 16 Verkehrsunternehmen, erklärte Aschoff, dem Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN), dem Landkreis Holzminden und der Stadt Göttingen. Für aufeinander abgestimmte Bus- und Bahnverbindungen und einheitliche Tarife setzt er sich ein. Im Gespräch seien momentan Ticketvereinfachungen wie unter anderem die Einführung eines Sozialtarifs, die eines 5- oder 8-Euro-Tickets, eines Jugendfreizeittickets oder des Kindertarifs. Intensive Beratungen finden im VSN und verschiedenen Gremium dazu statt – auch zur Vereinfachung des Tarif-Dschungels. Gemeinsam arbeitet man an guten Lösungsmöglichkeiten. Geplanter Start ist am 1. August 2020.

Kommen soll auch der Deutschland-Takt mit besserer Mobilitiät für alle Fahrgäste, bei dem Züge alle 30 oder 60 Minuten in jede Richtung fahren – immer zu den selben Minuten. Seit mehreren Jahren werde sich damit beschäftigt, bis 2030 soll er verwirklicht werden. Die Idee sei nicht schlecht, so Aschoff, der Zeitrahmen aber ambitioniert. An Knotenbahnhöfen wie Kreiensen sollen Reisende direkte Anschlüsse an den Fernverkehr haben. Ob es dann noch durchgehende Regionalzüge von Göttingen nach Einbeck-Mitte oder nach Bad Harzburg gebe, sei noch unklar. Intensiv müsse man sich weiter mit dem Thema beschäftigen.

Weiter monierte Aschoff die Automaten-Zoos mehrerer Betreiber an Bahnhöfen mit verschiedenen Ticketsystemen. Zudem warb er für die stärkere Nutzung von Bahn und Bus. Wie in Einbeck, dank der Reaktivierung der Zugverbindung, habe man gute Möglichkeiten im Nah- und Fernverkehr – diese gelte es auch
anzunehmen.

Viele interessierte Fragen der SPD-Mitglieder schlossen sich noch an. Rolf Hojantzki bedankte sich bei Aschoff mit einem Präsent für die kompetenten Auskünfte.mru

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