Gesellschaft scheint zu verrohen

Polizeiliche Kriminalstatistik 2016: Sichere Gegend | Aber: Zahl der Wohnungseinbrüche ist angestiegen

Einbeck/Northeim. »Die Gegend ist sicher«, stellte Polizeidirektor Hans Walter Rusteberg bei der Erläuterung der Kriminalstatistik 2016 fest. Dennoch: Die Gesamtzahl der Straftaten ist angestiegen und die Aufklärungsquote leicht gesunken. Im Bereich der Polizeiinspektion (PI) Northeim-Osterode gab es 5.731 Straftaten pro 100.000 Einwohner, landesweit waren es 7.090 Straftaten.

368 Polizeivollzugsbeamte gibt es in der PI Northeim-Osterode, im vergangenen Jahr mussten sie sich um 11.965 Straftaten kümmern (2015: 11.591). Im Landkreis Northeim stieg die Zahl der Delikte von 7.589 auf 7.791. Einbeck liegt mit 1.855 Delikten an zweiter Stelle hinter Northeim mit 2.387; in Dassel wurden 416 Straftaten registriert. Die Aufklärungsquote sank von 67,23 Prozent auf 66,69 Prozent.

Landesweit liegt die Aufklärungsquote bei 61,29 Prozent Zurückgegangen um 194 auf 2.666 Taten ist der Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte. Mit 745 Rauschgiftdelikten (51 weniger) mussten sich die die Beamten beschäftigen. Um 183 auf 1.822 Taten gestiegen sind Rohheitsdelikte, wobei ein Anstieg nicht bei den schweren, sondern bei den fahrlässigen und einfachen Körperverletzungen (1.254) zu verzeichnen war.

Das führt Oliver Tschirner, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, auf eine »Verrohung der Gesellschaft« zurück. Denn auch die Gewalt gegen Polizeibeamte hat zugenommen: Im vergangenen Jahr gab es 40 Fälle, 2015 waren es nur 33. Es habe verletzte Polizeibeamte gegeben, so Rusteberg, »Beißen, treten, kratzen« komme durchaus vor.

Einen Anstieg der Fallzahlen verzeichnete die Polizei auch im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, beispielsweise bei der Kinderpornografie (54). 49mal wurde sexueller Missbrauch angezeigt, 46mal Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung unter Gewaltanwendung.

Ende des vergangenen Jahres trat allerdings eine Gesetzesreform in Kraft, wonach nun auch sexuelle Belästigung strafbar wird, ohne, dass das Opfer aktive Gegenwehr betreiben muss. Gesunken ist die Zahl der einfachen Diebstahlsdelikte auf 2.112, angestiegen ist allerdings die Zahl des Diebstahls unter erschwerten Umständen auf 1.610 Fälle. Wurden 2015 noch 50 Autos entwendet, waren es im vergangenen Jahr 59. 19 Audi (A4 und A6) und neun VW (darunter die Modelle T4 und T5) waren bei den Langfingern besonders beliebt.

»Gelegenheitstäter können heutzutage keine Autos mehr entwenden«, stellte Tschirner klar. Hier seien professionelle Täter am Werk. Sorgen bereitet der Polizei auch die gestiegene Zahl der Wohnungseinbrüche, die auf das Kontor von überörtlichen Tätern gehen. Im Bereich der PI kam es zu 307 Wohnungseinbrüchen.

Darunter waren 125 Tageswohnungseinbrüche, was ebenfalls einen Anstieg bedeutet. Zudem konnte die Polizei eine vermehrte Anzahl von versuchten Wohnungseinbrüchen registrieren. Rusteberg und Tschirner appellierten an die Wohnungseigentümer, ihre Häuser zu sichern.

»Je länger es dauert, desto eher lässt der Täter davon ab«, erklärten sie. Das für diesen Bereich zuständige Präventionsteam halte wertvolle Tipps zum Eigentumsschutz bereit. Wohnungseinbrüche und Diebstahl, aber auch Cyber-Kriminalität sind dann auch die Schwerpunkte im Bereich der PI: Cyber-Kriminalität, weiß Tschirner, wird nur in neun Prozent angezeigt. 2.073 Betrugsfälle gab es, in 620 Fällen war das Internet das Tatmittel.

Keinerlei Probleme gebe es bei »Delikten im Flüchtlingskontext«, konnte Rusteberg vermelden. Das hänge sicherlich mit der sehr dezentralen Unterbringung zusammen und damit, dass der Zuzug praktisch gestoppt sei. Dass es auch die sogenannten »Reichsbürger« im Bereich der PI gebe, konnte Rusteberg bestätigen: »Wir wissen davon.« Bereits 2015 gab es im Rahmen einer Feuerstättenschau im Bereich Osterode Ärger mit zwei »Reichsbürgern« - dabei wurden zwei Polizeibeamte verletzt.

Die Zahl der »Reichsbürger« soll sich im Gebiet der PI auf 30 bis 40 belaufen. Herausragendes Delikt war im vergangenen August das Tötungsdelikt in Hardegsen, bei dem eine 23-jährige Frau niedergeschlagen wurde. Sie verstarb später im Krankenhaus. Der mutmaßliche Tatverdächtige steht seit dem 9. Februar vor Gericht - ihm zur Seite stehen sollen in dem Indizienprozess drei Verteidiger, darunter ein Jurist und Fernsehdarsteller.

Aufgeklärt werden konnte auch eine Einbruchs- und Raubserie im Bereich Osterode: Vier Männern im Alter von 18, 32, 36 und 55 Jahren wird zur Last gelegt, in etwa einem halben Jahr zahlreiche Einbrüche, unter anderem in ein Fleischereifach-, ein Schreibwarengeschäft, eine Bäckereifiliale und eine Apotheke sowie eine Gaststätte, begangen zu haben. Auf ihr Konto sollen auch zwei Raubüberfälle in Osterode gehen. Im Garten eines Tatbeteiligten gefunden wurden vergrabene, aufgebrochene Tresore, die aus den Einbrüchen stammen sollen.sts



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