Sich Zeit nehmen, in die künstlerische Welt von Adolf Leschonski einzutauchen

Einbeck. Eine Ausstellung mit Werken des Dasseler Künstlers Adolf Leschonski ist jetzt im Museum »Grafschaft Dassel« eröffnet worden. »Im Gleichmaß der Dinge« lautet der Titel der Schau, die bis kurz vor Weihnachten zu sehen ist. In seiner Begrüßung blickte der Vorsitzende des Vereins »Museum Grafschaft Dassel«, Professor Ludger Kappen, auf die Resonanz großer Museen in Berlin. Wenn man sehe, was dort geboten werde, wünsche man sich auch in Dassel mehr Platz, damit Kunst wirken könne - vor allem aber viele Besucher: »Von hier bis zur Paul-Gerhardt-Schule müssten die Wartenden stehen, in Dreierreihen«, sagte er augenzwinkernd.

Eine Einführung in die Ausstellung gab Rolf-Dieter Spann. Er ging auf Adolf Leschonskis »Gleichmaß« ein. Alle Bilder hätten etwas mit dem Leben und den Erfahrungen des Künstlers zu tun, sie griffen aber auch darüber hinaus und lenkten den Blick auf spirituelle Ebenen. Sie schafften Ein- und Ausblicke, ließen Hoffnung zu und könnten Trost geben, ohne tendenziell religiösen Anspruch zu haben. Adolf Leschonski wurde 1956 in Sievershausen geboren, seiner Heimatregion ist er treu geblieben. Nach der Schule wollte er einen kreativen Beruf ergreifen, doch da der Zugang zu einem künstlerischen Beruf nicht einfach war, wurde er Maler und Lackierer. In seiner Freizeit entwickelte er seine Fähigkeiten autodidaktisch weiter. Bevorzugte Technik ist die Ölmalerei, und so sind im Dasseler Museum nun auch vorwiegend Ölbilder zu sehen, entweder auf Leinen oder - als Material mit beeindruckenden Effekten - auf Jute.

Seine eigene Bildsprache formte er in den 80er und 90er Jahren. Darin verknüpft er Elemente aus dem Symbolismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts und des Surrealismus vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Eine Idee fixiert er nicht begrifflich, und er spricht sie nicht direkt aus. Vielmehr sind die Welt und ihre Aspekte Symbole einer tieferen Wirklichkeit, seine Kunst sieht er als Mittlerin zwischen diesen Ebenen. Die Arbeiten verweisen auch dadurch auf den Surrealismus, dass sie traumhaft im Sinne von unwirklich wirken. Verschiedene Bildelemente werden als Chiffren für Empfindungen genutzt. Der Künstler versteht es, Vorder- und Hintergrund geheimnisvoll wechseln zu lassen als Ebenen, die das Sein ausmachen. Beim aufmerksamen Betrachten finde man viele Offenbarungen, versprach Spann.

Er lud dazu ein, auf die Reise zu gehen, in die Welt des Künstlers einzutauchen und sich auf die Begegnung mit ihm und seinem Werk einzulassen. Man sollte, so Leschonskis Wunsch, die Bilder ihre Geschichten erzählen lassen. Dazu müsse man sich Zeit nehmen, um im Hier und Jetzt etwas zu finden, und dazu lade ein Museum, dessen wichtiges Element die Zeit sei, besonders ein. Kunst habe weniger mit machen als mit finden zu tun, erinnerte er an Andy Warhol. Leschonskis Lieblingsbild in der Ausstellung, die während der Öffnungszeiten des Museums sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen ist, ist »In eisigen Höhen«, Öl auf Jute.oh