»Sie schenken unseren Kindern Glück«

Glückstour der Schornsteinfeger stoppte in Einbeck | Engagement für krebskranke Kinder

Die Teilnehmer der Glückstour wurden von zahlreichen Kollegen und vielen Menschen in der Einbecker Innenstadt empfangen. Die radelnden Schornsteinfeger unterstützen jährlich bei ihrer Fahrt Institutionen und Vereine, die sich für krebskranke Kinder einsetzen.

Einbeck. »Schornsteinfeger bringen Glück«, heißt es sprichwörtlich, dies traf jetzt auch in Einbeck zu. Empfangen von rund 40 Kollegen aus den Landkreisen Northeim und Einbeck trafen die Teilnehmer der Glückstour auf dem Marktplatz in Einbeck ein: Sie bedachten das Schutzengel-Projekt von Hansi Neumann, die Lebenshilfe Einbeck, die Initiative Eltern krebskranker Kinder des Johannes-Wesling-Klinikums Minden, den ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Minden-Lübbecke und Alexander von Eye aus Petershagen, der Rundflüge für krebskranke Kinder anbietet, mit jeweils 3.000 Euro.

Schornsteinfegermeister Ralf Heibrok, Initiator der Hilfsaktion und im Vorstand der Glückstour, erklärte, dass seit der ersten Austragung der Aktion 2006 das öffentliche Interesse – auch dank des unermüdlichen Engagements der Beteiligten – stetig wuchs. Nicht jedem Menschen gehe es gut, »mit kleinen Dingen könne man aber viel erreichen«, so Heibrok, vor allem, wenn sich immer mehr Personen anschließen. Inzwischen sei die Tour die größte private Hilfsaktion in Deutschland. Zwei Millionen Spenden kamen schon zusammen, allein 2018 waren es 208.000 Euro. In diesem Jahr bringen die radelnden Schornsteinfeger 73 Institutionen, Einrichtungen oder Gruppierungen Glück und unterstützen sie mit jeweils 3.000 Euro.

Mehr als 30 Schornsteinfeger treten auf der Glückstour jährlich für den guten Zweck an, insbesondere für die Hilfe für krebskranke Kinder. Start war dieses Mal in Rheinland-Pfalz. Danach führte die Strecke über rund 1.000 Kilometer durch sechs Bundesländer an die Ostsee bis nach Rostock. Dort werden die Teilnehmer, wie in jedem Jahr von unzähligen Kollegen anlässlich des Bundesverbandstags empfangen und gefeiert.

Immer mehr Firmen, Handwerksinnungen, Institutionen, aber auch Privatpersonen unterstützen mit Zuwendungen die Fahrt. Die Spendengelder werden an den jeweiligen Etappenzielen wie in Einbeck direkt an die Initiativen und Vereine übergeben, die sich um krebskranke Kinder und deren Angehörige kümmern, betonte Heibrok. Helfend unterwegs sei man aber nicht nur während der Tour, sondern unterstütze das ganze Jahr über Familien, die in Not geraten. Bei Wind und Wetter legen die »Glücksboten« mehr als 1.000 Kilometer zurück, fahren auf eigene Kosten und zahlen auch noch jeweils ein Startgeld von 500 Euro in den Spendentopf ein.

Bekleidung und Taschen in passenden Größen und ausreichender Zahl werden von Sponsoren wie Raab und Kutzner & Weber bestellt, damit die Glücksfeger einheitlich gekleidet fahren. Hilfe erhalten sie bei den jeweiligen Etappen von Kollegen vor Ort. Für die Schornsteinfegerinnung Südniedersachsen übernahm Schornsteinfegermeister Marco Strohmeier aus Holtershausen die Organisation. Zudem sorgte die Firmengruppe Raab, Kutzner & Weber NET, aus Maisach, Neuwied und Luckenau sowie Vereta aus Einbeck für Verpflegung. Geschäftsführer Rolf Wagenfeld und Michael Heraeus unterstützen das Projekt schon lange, so Heibrok, und versuchen seit vielen Jahren es nach Einbeck zu holen. Wegen der großen Gastfreundlichkeit und des herzlichen Empfangs versprach der Initiator, im kommenden Jahr zum Wiedersehenstreffen erneut in die Bier- und Fachwerkstadt zu kommen.

Für ihn sei es eine »Herzensangelegenheit«, die Glückstour zu unterstützen, sagte Heraeus. Die radelnden Schornsteinfeger sammeln jedes Jahr viel Geld für krebskranke Kinder, das verdiene größten Respekt und Anerkennung, aber auch Hilfe von engagierten Personen. Bei zahlreichen Menschen stehe der eigene Vorteil im Vordergrund, das könne er nicht verstehen. Ehrenamtlicher Einsatz wie das der Schornsteinfeger sei hoch wertzuschätzen und präge die Gesellschaft immens. Mit Freude hieß er die »Glücksfeger« mit Albert Thormann, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Einbeck, willkommen. Dieser betonte, dass man für große Gastfreundlichkeit bekannt sei und fünf Partnerstädte habe. Unzählige Gäste kommen gern in die lebens- und liebenswerte Stadt. Er freute sich, dass die Schornsteinfeger dieses Mal besonders viel Glück brachten und fünf Institutionen mit jeweils 3.000 Euro unterstützen.
Während Schornsteinfeger Lothar Kleine bei der Veranstaltung viel Geld mit seinem Zylinder für das Projekt sammelte, sprach Olaf Meiners mit den Spendenempfängern.

Hansi Neumann dankte für die große Zuwendung. Seit 25 Jahren unterstützt er diejenigen, die Hilfe benötigen, Kinder, Jugendliche und Kranke. Der Schwerpunkt der Arbeit von »Hansis Schutzengelprojekt« liegt beim Kinderhospiz »Löwenherz« in Syke. 1993 fing er mit seinem Sohn Christoph Schrader an zu sammeln.

Bei »Ein Herz für Kinder« engagierte man sich, wollte unter anderem den Notleidenden des Irak-Krieges helfen. Später stand die Unterstützung der Tsunami-Opfer in Südostasien im Fokus oder die Hilfe für Flutopfer in Deutschland. Aber auch Einrichtungen im Stadtgebiet profitierten von Hilfsbereitschaft und Ideenreichtum. Seit 2011 stehen krebskranke Kinder im Mittelpunkt von »Hansis Schutzengelprojekt«.

Neumann mahnte, dass die Krankheit jeden Menschen angehe, alle Betroffenen brauchen Unterstützung und Hilfe. Er wünschte, dass  Schutzengel die Schornsteinfeger bei ihrem außergewöhnlichen Projekte stets begleiten. Unterstützung erhielt er von dem Landtagsabgeordneten Christian Grascha, der begeistert von der Glückstour und dem Engagement für krebskranke Kinder war.

Seit 55 Jahren gibt es die Lebenshilfe in Einbeck, erklärte Vorsitzender Andreas Huchthausen. 1964 wurde sie von betroffenen Eltern und engagierten Bürgern gegründet. Ständig habe sie sich vergrößert, mehr als 350 Kinder besuchen sie momentan. Er zollte den Glücksboten Respekt für ihren Einsatz und dankte für die große Unterstützung. Das Geld wolle man für ein Außenspielgerät einsetzen, kündigte Abteilungsleiterin Anne Trybuhl an. Anreize zu setzen, sei immer wichtig – mit dem geplanten Kletterhaus können man dies gut. Gemeinsam freuten sie sich über die hohe Zuwendung.

Die Initiative Eltern krebskranker Kinder des Johannes-Wesling-Klinikums in Minden stellte Eva Prasuhn vor. Der Verein wurde am 13. November 1987 von neun betroffenen Eltern und Ärzten gegründet. Individuell werden  krebskranke Kinder und ihre Familien unterstützt. Der Verein sorgt für psychologische Betreuung, wenn die emotionale Belastung zu groß werde. Zudem leiste er unter anderem finanzielle Hilfe, wenn ein krebskrankes Kind im Rahmen der Behandlung an einen anderen Ort verlegt werden muss und die Eltern eine Unterkunft benötigen, um bei ihrem Sohn oder ihrer Tochter sein zu können. Der Verein helfe schnell und unbürokratisch und, wenn es sein muss, rund um die Uhr, betonte Prasuhn. Die Zuwendung der Glücksboten will man zielgerichtet einsetzen, kündigte sie an. »Sie schenken unseren Kindern Glück«, bedankte sie sich bei den Schornsteinfegern.

Vom ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Minden-Lübbecke waren Hiltrud Wiese und Oliver Wehner angetan von der hohen Zuwendung. Gemeinsam widmet man sich der Begleitung und Unterstützung von Familien und deren Kindern, die eine verkürzte Lebenserwartung haben. Nicht nur in Minden, sondern auch in Städten der Umgebung setzt sich der Dienst jeweils individuell ein. Da er sich überwiegend durch Spenden finanziert, waren Wiese und Wehner dankbar über die finanzielle Unterstützung.

Pilot Alexander von Eye aus Petershagen bietet für krebskranke Kinder Flüge über deren Heimatregion an. Hoch über dem Erdboden können die Jungen und Mädchen fantastische Ausblicke genießen und dabei ihrem harten Alltag für eine gewisse Zeit entkommen. Der Flug bereite den Kindern viel Spaß, und er gebe ihnen Kraft und Lebensfreude.

Von der Kreisgruppe Northeim der Schornsteinfeger übergab im Namen seiner Kollegen Kreisobmann Rüdiger Betker wie auch Frank Stenzel aus Holzminden sowie Bernd Müller vom RSC Einbeck einen Scheck an Ralf Heibrok, da sie gern das besondere Projekt unterstützen.

Der Einbecker Radfahrverein und mehrere Schornsteinfeger um Marco Strohmeier begleiteten die Glücksbringer auf dem Fahrrad in die Einbecker Innenstadt und wünschten ihnen zum Abschluss noch viel Erfolg und zahlreiche Spenden für ihre besondere Glückstour.mru

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