Solidarität und Mitmenschlichkeit

Rund 100 Helfer bereit, anderen unter die Arme zu greifen | Lieferservice der Einbecker Tafel

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Kirchenkreissozialarbeiter Marco Spindler und Thomas Döhrel, Verantwortlicher der Einbecker Tafel, am Sonnabend­vormittag bei der Lagebesprechung, bei der natürlich auch großer Abstand gehalten wurde: Es geht um Hilfsprojekte.

Einbeck. Die Kommunikation scheint in Einbeck und den Ortschaften gut zu funktionieren, und so laufen auch die Hilfsprojekte, die in Zeiten der Corona-Krise angelaufen sind, rund. »Helfende Hände« bündelt das Engagement freiwilliger, gesunder Menschen, die bereit sind, Kranken oder Schwächeren zu helfen.
Rund 100 Menschen haben ihre Hilfe angeboten, berichtet Kirchenkreissozialarbeiter Marco Spindler in einer Lagebesprechung mit Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Thomas Döhrel, Verantwortlicher für die Einbecker Tafel. Dieses Zeichen der Solidarität und Mitmenschlichkeit sei »einfach großartig«, meinen die Drei.

Die Freiwilligen stehen in den Startlöchern und warten auf Einsätze. Viele pflegebedürftige Menschen werden bereits von Pflegediensten und einem professionellen Einkaufsservice versorgt. Die Kosten dafür trägt die Pflegeversicherung.

Patenschaften laufen

»Helfende Hände« konzentriert sich primär auf chronisch Kranke und Alte, die keinen Pflegegrad haben und deshalb unversorgt sind. Die Bedarfsentwicklung sei momentan noch nicht vorhersehbar, sagt Spindler, einige Personen hätten sich aber bereits gemeldet. Die ersten Patenschaften laufen bereits.
Wenn bei den »Helfenden Händen« eine Anfrage eingeht, erfolgt zunächst eine telefonische Rücksprache, um den Hilfebedarf zu klären und das Einverständnis einzuholen, die Kontaktdaten an einen Helfer weiterzuleiten. In der Datenbank wird dann nach einer registrierten Person gesucht, die möglichst in der Nähe der hilfebedürftigen Person wohnt. Ein Mitarbeiter der Diakonie stellt den Kontakt her. Die nachfragende Person wird telefonisch darüber informiert, wer als Helfer eingeteilt wurde. Durch diesen Anruf wird der Helfer verifiziert. Da mittlerweile viele Trickdiebe die Notlage von bedürftigen Personen ausnutzen, sei dieser Schritt unerlässlich, sagt Spindler. Der Helfer ruft dann die hilfebedürftige Person an und klärt Einkaufsdetails, Übergabemodalitäten, Intervalle oder weitere Dienste.

Voraussetzung für den Botendienst ist die Gesundheit, der Helfer muss zudem jünger als 60 Jahre sein. Natürlich sind die vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Hygieneregeln einzuhalten. Durch die Hilfsbereitschaft der Einbecker sei man gut vorbereitet – auch, wenn die »Helfenden Hände« weitere Anfragen erreichen, und davon ist auszugehen.

Lieferservice der Tafel

Derzeit noch geschlossen ist die Ausgabestelle der Einbecker Tafel bis zum 16. April. Die Verantwortlichen haben sich aber entschlossen, ab Anfang April einen Lieferservice einzurichten. Möglich ist das allerdings nur für die in diesem Jahr registrierten Tafelkunden, eine Neu-Registrierung ist zurzeit nicht möglich. 106 Bedarfsgemeinschaften werden von der Tafel versorgt. Wer den Lieferservice in Anspruch nehmen möchte, muss sich bis Freitag, 27. März, melden unter info@einbecker-tafel.de, unter Telefon 916444 oder unter helfendehaende@einbeck.de. Hier müssen Name und Wohnanschrift angegeben werden.

Dr. Michalek: »Wichtig ist, dass wir anfangen«

Die Auslieferung erfolgt zwischen Donnerstagmittag und Sonnabendmittag. Die Sortierer bereiten die Kisten vor, die Fahrer werden klingeln und die Lebensmittel vor die Tür stellen.

Wie gut das System funktionieren wird, weiß keiner genau, schließlich ist es noch nicht getestet. Aber Spindler und Döhrel sind sich sicher, dass die Praxis es schon »rundschleifen« werde. »Wichtig ist, dass wir einfach anfangen«, unterstreicht Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Die Solidarität, die in dieser Zeit zutage trete, sei lobenswert, meint die Bürgermeisterin. In den Ortschaften laufe die Nachbarschaftshilfe gut, in der Stadt gebe es »Helfende Hände« und im Bereich Kreiensen habe Roland Hei-mann bereits erste Hilfsmaßnahmen vermittelt, in Dassel stellen die Kirchengemeinden einen Botendienst auf die Beine. Denkbar sei in diesen Zeiten auch eine Kooperation zwischen verschiedenen Betrieben – freigestellte Mitarbeiter könnten beispielsweise helfen, Regale aufzufüllen, hieß es.

Kirchenkreissozialarbeiter Marco Spindler: »Was der Sozialstaat leistet, ist großartig«

Beim Diakonischen Werk steigt der Beratungsbedarf. Kurzarbeit und damit fehlende Einnahmen stellen die Menschen vor finanzielle Probleme. »Was der Sozialstaat leistet, ist enorm«, sagt Spindler – sei es im Bereich des Gesundheitssystems oder beim Kinderzuschlag.

Gesunde helfen freiwillig Kranken, Stärkere übernehmen Verantwortung für Schwächere – das wünscht sich Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek für Einbeck. Wer Hilfe benötigt oder das Gefühl hat, dass der Nachbar Hilfestellung benötigt, erreicht das Projekt helfende Hände unter www.diakoniestiftung-einbeck.de, Telefon 05561/1004, die Stadt Einbeck unter 916444 zu den üblichen Geschäftszeiten oder helfendehaende@einbeck.de.sts

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