Städte müssen lebenswert bleiben

Attraktivität und Lebenswert soll trotz strukturellem Wandel verbessert werden

Mit dem demografischen Wandel und den einhergehenden Konsequenzen für die Standortfaktoren befassten sich jetzt die Teilnehmer eines Workshops, zu dem Michael Neugebauer, Karen Pollak und Viola von Cramon von den Grünen interessierte Bürger in das Alte Rathaus in Einbeck eingeladen hatten. Einige Personen waren dem Aufruf gefolgt, um sich zu infor­mieren, wie Innenstädte und Dorfkerne angesichts der demografischen Herausforderungen für Familien und Investoren attraktiv und lebenswert bleiben können sowie welche Strategien Entscheidungsträger und Investoren für (Fachwerk-)Städte in Südniedersachsen vor dem Hintergrund des strukturellen Wandels und den Anforderungen des Denkmalschutzes benötigen.

Einbeck. Zu Beginn der Veranstaltung erklärte Baudirektor Gerald Strohmeier bei einer Stadtführung, wie wichtig es sei, sich mit dem demografischen Wandel zu beschäftigen, aber auch mit dem Erhalt und der Pflege der 2.200 Bau- und Kulturdenkmäler der Stadt Einbeck. Anhand der Baulücke in der Langen Brücke, des Möncheplatzes und der Tiedexer Straße verdeutlichte er, dass es essenziell sei, Vorhandenes  zu stärken, Problemsituationen, wie bei der Baulücke, durch gemeinsame Anstrengungen von Politik, Verwaltung, Bürgern und Investoren schnell zu beheben und auch mal neue innovative Wege zu gehen. 9,25 Hektar der Innenstadt seien in das Förderprogramm des städtebaulichen Denkmalschutzes aufgenommen worden, so dass in den kommenden Jahren energetische Sanierungen und Investitionen im innerstädtischen Bereich gefördert werden, um mit den individuellen Erscheinungsbildern in den Quartieren Touristen anzuziehen.

Es soll auch die Attraktivität der Stadt und der Lebenswert für die Bevölkerung eine Steigerung erfahren, wie auch die örtliche mittelständische Wirtschaft durch Beteiligung an dem Programm gestärkt werden. Es gebe in Einbeck und in der Region viel Potenzial, wie unter anderem das Naturschutzgebiet des Polders oder den Solling, so Strohmeier, doch müssen auch im Wandel der Gesellschaft soziale, kulturelle und medizinische Möglichkeiten in der Fläche unbedingt erhalten bleiben.Bei anstehenden Entscheidungen, die auch die zukünftigen Entwicklungen berücksichtigen, sollten möglichst die Einwohner miteinbezogen werden. Dies solle auch bei der Entwicklung eines Nutzungskonzeptes für den Möncheplatz, dem »Tor zur Innenstadt«, geschehen, der umstrukturiert werden müsse, wobei aber zum Beispiel das Parkplatzangebot zum Erhalt der individuellen Mobilität wichtig sei. Anhand des Hauses Tiedexer Straße 19, das 2005 renoviert wurde, demonstrierte der Baudirektor, wie ein mittelalterliches Haus entsprechend modernen Anforderungen saniert werden könne, um attraktive Wohnflächen zu bekommen, in denen die Bürger nahe der Innenstadt gern leben und wohnen.

Filiz Polat, Mitglied des niedersächsischen Landtags und Sprecherin der Grünen für Denkmalpflege, informierte, welche Instrumente das Land Niedersachsen für den Strukturwandel in Bezug auf Demografie und Denkmalschutz bietet, während Dr. Babette Scurrell, Stiftung Bauhaus Dessau, sich mit den Chancen des demografischen Wandels im ländlichen Raum befasste. Seit vielen Jahren kümmert sie sich um die Schrumpfung des ländlichen Raumes und den Konsequenzen für die Infrastruktur. Weiter berichtete sie von ihren Erfahrungen aus anderen Regionen mit schwacher Wirtschaftskraft wie zum Beispiel Sachsen-Anhalt. Es gebe fast überall zahlreiche Möglichkeiten, so Scurell, auch Regionen, die weite Flächen umfassen, zu stärken, doch müsse die jeweilige Situation erkannt und begriffen werden, um gezielte Änderungsstrategien vornehmen zu können.

»Duderstadt 2020« und die Aktivierung der Bürgergesellschaft als wichtigen Faktor zur Gestaltung des demografischen Wandels stellte Professor Dr. Ulrich Harteisen von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), Fakultät Ressourcenmanagement, vor. Um den Lebensraum in Duderstadt und der Region zu erhalten, hatten die Verantwortlichen der Stadt die Hochschule kontaktiert, die ein bürgernahes Konzept erstellt hat. Ansässige bekannte Investoren zu haben, die sich für das Projekt interessierten und sich für »ihre« Stadt einsetzen wollen, helfe in vielen Beziehungen, um die Entwicklung wie in Duderstadt und den »Lebensraum Altstadt« sowie den »Wohntraum Fachwerk« voranzutreiben, so Harteisen, könne aber auch durch eintretende Dominanz zu einem Hemmschuh werden.

Zum Abschluss wünschten sich Viola von Cramon und Michael Neugebauer, dass die interessanten Anregungen des Workshops aufgenommen werden, um die Region zu stärken. Politik, Verwaltung, Unternehmen und Bürger sollten zusammen Kräfte bündeln, Akteure mit Fachwissen einbinden sowie Initiativen zur Attraktivitätssteigerung gründen, damit die Menschen in »ihren« Städten weiter gern leben und dies auch noch in 20 oder 30 Jahren.mru

KSW Technik mit Neustart

»Mode ist mehr, als sich anzuziehen«