Thema sexueller Missbrauch aus der Tabu-Zone holen

FIPS lädt am 22. September zum Präventionstag ein / Polizei und Theaterpädagoge dabei / Verein wäre für Spenden sehr dankbar

Es ist durchaus der »böse Fremde«, häufiger aber jemand aus dem sozialen Umfeld: Sexueller Missbrauch von Kindern ist das Thema des diesjährigen Einbecker Präventionstages, zu dem der Verein für Integration, Prävention und Sozialarbeit (FIPS) am Mittwoch, 22. September, einlädt. Beginn ist um 19 Uhr in der Grundschule am Teichenweg. Vertreter der Polizei werden berichten und Fragen beantworten, und auch der Theaterpädagoge Dirk Bayer, der in Einbeck bereits Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen durchgeführt hat, wird dabei sein.

Einbeck. Es gebe ungezählte Fälle versteckten und verschwiegenen sexuellen Missbrauchs an Mädchen und Jungen, und die Täter seien zumeist keine Fremden, berichtet der FIPS-Vorstand fest: Etwa ein Viertel aller Missbrauchsfälle ereigne sich im Bekannten- oder Verwandtenkreis der Kinder. »Das Thema ist bittere Realität, auch in Einbeck«, so Vorstandsmitglied Peter Traupe, und auch wenn nur wenig darüber an die Öffentlichkeit gelange, so dürfe man es nicht verdrängen. Was den Opfern angetan werde, häufig nicht nur einmal, sondern über viele Jahre hinweg, sei für sie nur schwer oder gar nicht zu verarbeiten, auch nicht mit Hilfe guter Psychologen.

FIPS hat auf Anregung einiger Schulen erneut den Bamberger Theaterpädagogen Dirk Bayer mit seinem Stück »Hau ab!« nach Einbeck geholt. Sein interaktives Stück, ausgezeichnet mit dem Präventionspreis der fränkischen Polizei, behandelt sexuellen Missbrauch. Er stellt das Vergehen durch den »bösen Fremden« dar, aber auch die Grenzüberschreitungen innerhalb der Familie. Mit seinen Szenen will er den Kindern konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigen können und deutlich machen, wie sie sich wehren und »Nein« sagen können und wo sie Hilfe bekommen. Das Thema soll enttabuisiert werden, die Kinder sollen stark gemacht werden. Die Schulveranstaltungen laufen am 23. und 24.  September.

Am Abend zuvor wird Dirk Bayer gemeinsam mit dem Präventionsteam und dem Fachkommissariat Jugend der Polizeiinspektion Northeim/Osterode – Thomas Sindram und Gabriele Semmelroggen – und Teilnehmern des Einbecker Präventionstages über das Thema diskutieren. Die Vertreter der Polizei werden Erkenntnisse aus der polizeilichen Tätigkeit über sexuellen Missbrauch von Kindern vortragen sowie Fragen zum Erkennen und zum Umgang durch pädagogisches Fachpersonal beantworten. Eingeladen sind dazu alle interessierten Einwohner, aber auch Fachpublikum wie Erzieher und Lehrer. Beginn ist am Mittwoch, 22. September, um 19 Uhr in der Grundschule am Teichenweg in Einbeck. Dirk Bayer wird dabei auch Szenen aus seinem Stück vorstellen.

In diesem Zusammenhang weist FIPS auf die vor einigen Jahren geschaffenen »Rettungsinseln« hin: »Sucht euch Rettungsinseln« hatte Bayer den Kindern geraten, und der Präventionsförderverein hatte daraufhin zahlreiche Partner gewonnen. Die »Rettungsinseln« müssen nicht immer Anlaufstellen für den schlimmsten aller Fälle sein, sondern hier können sich Kinder auch Hilfe holen, wenn sie beispielsweise vom Regen überrascht werden und zuhause anrufen wollen oder wenn sie sich verletzt haben und ein Pflaster brauchen. »Das ist eine gute Idee – leider lässt sie inzwischen etwas nach, viele haben die leuchtend gelben Plakate schon wieder abgenommen«, bedauert Ursula Haid. »Dabei ist es nach wie vor so, dass Kinder mal schnelle Hilfe gebrauchen können.«

Der Vorstand von FIPS organisiert die Veranstaltungen und Projekte im Ehrenamt, die Schulen steuern einen Eigenanteil zum Theaterstück bei, aber ein verhältnismäßig kleiner Verein wie dieser kann solche Vorhaben nicht unbegrenzt allein stemmen. »Deshalb sind wir für jede Spende dankbar«, betonen die Vorstandsmitglieder. Das Geld fließt in Vorhaben in Einbeck, von denen in erster Linie Kinder, Jugendliche und Familien profitieren. So wurden an die jungen Besucher von »Hau ab« Lineale verteilt mit der Telefonnummer des Kinderschutzbundes: ein Stück praktischer Hilfe, das den Kindern zeigt, an wen sie sich bei Problemen oder in Notsituationen rasch und unkompliziert wenden können.ek

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