Umzug der Tapetenfabrik Deutschland im Mai

Einbeck. In der Zeit von 1932 bis 1935 nahm der Hobbyfilmer und -Fotograf Karl Brünig mit seiner Kamera an vielen Einbecker Veranstaltungen teil. Das heutige Foto zeigt einen Teil des Umzuges zum 1. Mai 1934 oder 1935. Karl Brünig war zu dieser Zeit bei der Tapetenfabrik Deutschland beschäftigt. Er fotografierte die Abteilung seiner Firma, als sie durch die Hullerser Straße marschierte.

Der 1. Mai wurde erstmals im Jahr 1919 von der Weimarer Nationalversammlung als gesetzlicher Feiertag festgelegt. Als Feiertag wurde der 1. Mai erst 14 Jahre später wieder begangen: 1933 erhoben die Nationalsozialisten den 1. Mai zum »Feiertag der nationalen Arbeit«. Zwei Wochen vor der Mai-Veranstaltung 1935 musste der jüdische Mitbürger Adolf Jordan seine Geschäfte in Einbeck schließen (Kohlenhandlung in der Bismarckstraße 4 und Tabakwaren-geschäft am Neuen Markt 6). Das Foto zeigt die Delegation der Tapetenfabrik. Im Hintergrund erkennt man das Gefängnis – hinter den Bäumen links oben verbirgt sich die alte Neustädter Kirche. Das Haus auf der rechten Bildseite und die Einfahrt sind nicht mehr vorhanden. An ihrer Stelle steht heute ein Anbau der JVA Rosdorf, Abteilung Einbeck. Welche Gruppen sich der Abteilung der Tapetenfabrik anschließen, ließ sich noch nicht klären. Die zweispännige Kutsche zieht einen Umzugswagen. Was der Wagen darstellt – auch das bleibt vorerst im Dunkeln. Dem Wagen folgt eine große Menschenmenge, die sich bis zum Bild-Ende links an der Löwenkreuzung hinzieht.

Dort befinden sich viele Menschen, die dem Umzug zuschauen. Die Rückseite der Fotografie ist beschriftet: »Mai Umzug 1935 – Tapetenfabrik Deutschland«. Die Fotos sind allerdings nachträglich beschriftet worden. Es existieren Fotos mit der Beschriftung »Mai Umzug 1934«, »Mai Umzug 1935« und »Mai Feier 1934 u. 1935«. Eine genaue Datierung kann also nur durch Vergleichfotos vorgenommen werden. Dem Autor liegt eine fast identische Aufnahme des Einbeckers Willi Ahrens vor, die allerdings dem Nachbarschaftsfest 1936 zugeordnet wird. Der Autor wird die vorliegenden Bilder im Laufe der Woche vergleichen und versuchen, anhand der zuschauenden Personen, Gegenstände und anderer Bildinhalte, den Aufnahmezeitpunkt einzugrenzen.

Das Foto ist 76 oder 77 Jahre alt – noch lebende Personen, die an der Veranstaltung teilgenommen haben und sich noch daran erinnern können, müssten jetzt um die 90 Jahre alt sein. Vielleicht gibt es noch den einen oder anderen älteren Einbecker, der sich noch an diesen Umzug erinnern kann … wk

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