Verdienstkreuz für Ingeborg Cramm

»Was Sie auszeichnet, ist nicht nur die Fülle des Wirkens, sondern die Haltung, mit der Sie es tun«

»Mit Freude und Anerkennung« verlieh Landrätin Astrid Klinkert-Kittel Ingeborg Cramm Urkunde und Auszeichnung des Verdienstkreuzes am Bande des Niedersächsischen Verdienstordens.

Rotenkirchen. Ins Kreishaus Northeim hätte sie nur fünf Personen mitbringen können. So entschloss sich Ingeborg Cramm mit Unterstützung ihrer Familie, diesen besonderen Tag der Ehrung im Park der Domäne Rotenkirchen, die Sohn und Schwiegertochter Stefan und Maren Cramm bewirtschaften – inklusive zahlreicher Mehlschwalbennester – zu gestalten.

»In so einem wunderbaren Ambiente unter freiem Himmel habe ich auch noch keine Orden verliehen«, freute sich Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, die die Anwesenden begrüßte, darunter auch René Kopka, MdL, und Ehefrau. Die Gäste saßen in einer Parkidylle unter hohen Bäumen, an einem Teich, an fünf gedeckten Tischen mit Blumen.

Ein Lebenswerk sollte gewürdigt werden: Ingeborg Cramm setze sich seit mehr als 30 Jahren für das Leben auf dem Land ein, nicht nur als Agraringenieurin, sondern ehrenamtlich als Brückenbauerin zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft, Tradition und Aufbruch, erklärte Astrid Klinkert-Kittel in ihrer Laudatio. Im Landfrauenverein Einbeck, im Kreisverband des Altkreises und im fusionierten Verband »haben Sie gewirkt, gestaltet, motiviert.« Acht Jahre stand sie an der Spitze des Kreisverbandes. Ihr besonders wichtig hierbei: die Einbeziehung junger Frauen in die Vorstandsarbeit.

Begeisterung bei Kindern für Landwirtschaft wecken, Jugendliche an die Praxis heranführen, Verbraucher informieren: Mit Projekten wie »Landwirtschaft für kleine Hände« und »Junge Erwachsene lernen Produktionszweige kennen« habe sie sich engagiert. Außerdem setze sie sich als ehrenamtliche Landwirtschaftsrichterin, als Mitglied der Albrecht-Thaer-Gesellschaft (Anmerkung: Mediziner und Agrarreformer), als Mitwirkende im Landesfrauenrat Niedersachsen »für wichtige Anliegen ein, für Gleichstellung, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe« ein, ebenso für Geflüchtete in der Region.
Ingeborg Cramms Einsatz beginne vor der eigenen Haustür. So engagierte sie sich über zehn Jahre in Immensen: als Ortsratsmitglied, als Stellvertreterin und später als Ortsbürgermeisterin. Das örtliche Gemeinschaftsleben war ihr wichtig. So wurde sie Mitbegünderin des Vereins Dorfleben und beteiligte sich am Neubau des Glockenturms sowie an der Fertigstellung der Dorfchronik.

Und »Was Sie auszeichnet, ist nicht allein die Fülle Ihres Wirkens, sondern die Haltung, mit der Sie es tun: offen, verbindlich, zupackend. Sie machen Mut, sich einzubringen, Sie geben Orientierung, ohne sich in den Vordergrund zu stellen«, stellte die Landrätin zum Abschluss fest. Sie dankte im Namen des Landkreises »für Ihre Energie und Beharrlichkeit« und überreichte mit »Freude und Anerkennung« die von Ministerpräsident Olaf Lies am 22. Mai – er war gerade im Amt –, unterzeichnete Urkunde des Verdienstkreuzes am Bande des Niedersächsischen Verdienstordes. Sie steckte Ingeborg Cramm dann auch die Auszeichnung an.
Anschließend gratulierte Elisabeth Brunkhorst, Präsidentin des Niedersächsischen LandFrauenverbandes: Heute sei dies eine Ehrung für »dein unermüdliches En­gagement« und der Dank »all jener, für die du dich eingesetzt hast.« »Inge ist eine Frau des Handelns.« Sie stehe für Verantwortung. »Inge ist prädestiniert, weil sie Durchsetzungsvermögen und Durchhaltevermögen« habe. So wusste man stets: »Bei Inge ist das gut angebracht.« Auch Brunkhorst hob nochmals die besondere Fähigkeit des Brückenbauens von Cramm hervor.

Antje Sölter, Einbecks stellvertretende Bürgermei­sterin, überbrachte Glückwünsche im Namen der Stadt, des Rats und der Verwaltung.
In ihrer Dankesrede erklärte Ingeborg Cramm, dass sie jene Weggefährt/innen eingeladen habe, die sie maßgeblich durch Mitarbeit unterstützten und die alle ein Ehrenamt verantworteten.

So waren gekommen: die Bezirksvorsitzende des Niedersächsischen LandFrauenverbandes Sabine Erle, vom ehemaligen Kreisvorstand Susanne Schoppe und Cäcilia Hannemann, von den Einbecker Landfrauen Anne Pigge, dann Heike Eisenacher, mit der sie die Fusion der Landfrauenverbände Einbeck und Northeim voranbrachte, mit Beratung durch Ingelore Borth von der Landwirtschaftskammer, die durch den »Tunnel der Förderanträge« half. Von der Geschäftsstelle des Niedersächsischen Landesfrauenrats waren Francesca Ferrari und Heidi Misbach der Einladung gefolgt, außerdem Vertreterinnen des Niedersächsischen Landesfrauenrats mit der Vorsitzenden Dr. Barbara Hartung.

»Aus meiner politischen Phase« hatte Cramm Maren Root eingeladen, heute Ein­becker Stadtratsmitglied, aus ihrer Schul­elternzeit Heidrun Haak, mit der sie den ­anonymisierten Schreibwettbewerb an der Goetheschule initiierte sowie die frühere ­Museumsleiterin Dr. Elke Heege, mit der sie vorhandenes Chronik-Material von Immensen bearbeitete und publizierte sowie 2016 einen Gesprächskreis mit geflüchteten Frauen führte.

Einen sehr großen Dank richtete sie an ihren Ehemann Andreas, ihre Kinder und Schwiegerkinder, Stefan und Maren Cramm sowie Marlene Cramm und Konrad Herbort. Ihren vier Enkeln übertrug sie dann die Aufgabe das Büfett zu eröffnen, das in einem kleinen Pavillon wartete.
Doch zuvor folgten noch zahlreiche Glückwünsche und Fotos.

Für den musikalischen Rahmen sorgte das Greener Akkordeonorchest mit Rainer Seidel, Heike Breckle, Katrin Kanther, Malte Splittgerber und Leiterin Sonja Tonn sowie Schlagzeuger Ralf Numrich.des