Vielfältiger Einsatz über Jahrzehnte

Ortsverband des Technischen Hilfswerks: Sonnabend 70-Jahr-Feier

Einbeck. 70 Jahre besteht das Technische Hilfswerk (THW) in Einbeck. Das wird am kommenden Sonnabend, 27. August, auf dem Gelände des Ortsverbandes am Tiedexer Tor 6b gefeiert: Von 10 bis 17 Uhr gibt es Aktionen für Kinder und Erwachsene, eine Essensmeile und eine Fahrzeug- und Technikschau. Der Ortsverband hat dazu in den vergangenen Wochen intensive Vorbereitungen getroffen.

Eine Schubkarre, ein Brecheisen und ein paar Schaufeln waren die Erstausstattung des THW in Einbeck, das 1950 in einem alten Geräteschuppen der Feuerwehr gegründet wurde. Seither hat sich viel verändert – was, das werden die Besucher erfahren.

Über die Jahrzehnte hat sich das THW weiterentwickelt und zahlreiche Aufgaben im Katastropheschutz übernommen. Bei vielfältigen Einsätzen war und ist die Hilfe gefragt, sowohl vor Ort als auch deutschlandweit und international. Ob Ölschadensbekämpfung, Orkanschäden, Flutkatastrophen, Großeinsätze bei Feuern oder Zugunglücken: Die Helfer sind zur Stelle, bringen Technik mit und Knowhow ein. Dazu zählten beispielsweise Sturmeinsätze in den 70er Jahren oder der Brand der Heide 1975, der Großbrand der Rhumemühle 1985 in Northeim, ein 21-stündiger Öleinsatz in Mackensen 1988, die Abstützung mehrerer Häuser bei einem Erdrutsch in Lauenberg 1989, das Mitwirken beim Grenzabbau, die Hilfe beim Zugunglück im November 1992 im Northeimer Bahnhof oder die Bereitstellung von Infrastruktur beim Oder-Hochwasser 1997. Als es Einbeck und Dassel 1998 mit dem Hochwasser schwer getroffen hat, war auch hier ein tagelanger Einsatz erforderlich. Zum Elbe-Hochwasser sind die freiwilligen Helfer 2002, 2006 und 2013 ausgerückt. 2015 haben sie an einer EU-Übung zum Hochwasserschutz teilgenommen. 2020 war Unterstützung bei der Brandserie in Einbeck notwendig: Das Technische Hilfswerk lieferte Löschwasser und Logistik. Prägend im vergangenen Jahr war der Einsatz nach dem Ahr-Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz: Vier Wochen waren Kräfte vor Ort mit unterschiedlichen Aufgaben betraut.

Auch die Ausstattung hat sich mit den Jahren verbessert, sowohl die Technik als auch die Fahrzeuge wurde an die gestiegenen Anforderungen angepasst, denn die Liste ist gerade in den vergangenen Jahren immer länger geworden. Hochwasser, Starkregen, Großbrände, Öleinsätze, aber auch der Bau von Flüchtlingsunterkünften wie 2015 in Dassel oder des Impfzentrums 2020 in Northeim sowie aktuell die Begutachtung von Unterkünften für Geflüchtete aus der Ukraine gehören zum Spektrum. Dazu kommen regelmäßige große Übungen, um stets auf dem neuesten Stand zu sein. Im laufenden Jahr hat der Ortsverband schon 54 Einsätze mit rund 1.500 Einsatzstunden abgeleistet.

Aktuell wird der Ortsverband von der Ortsbeauftragten Nina Zettel geleitet. Stellvertreter ist Marc Summer. Vor Ort gibt es Gruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten: eine Bergungsgruppe, eine Fachgruppe Schwere Bergung, eine Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung. Was es damit auf sich hat, können die Besucher am Sonnabend direkt erleben. Führungs- und Fachkräfte moderieren fortlaufend das Geschehen, und die Gruppen stellen sich vor. So wird die Bergungsgruppe beispielsweise mit dem hydraulischen Spreizer, der Betonkettensäge, dem Plasmaschneider und Abstützungsmaterialien arbeiten. Die Helfer der Notinstandsetzung und -versorgung werden Pumpen vorführen und die Campausstattung mit Doppelstockbetten zeigen. Die Jugendgruppe macht verschiedene kreative Angebote; unter anderem gibt es ein Deichspiel, an dem mit kleinen Sandsäcken gearbeitet wird. In einer Zeitreise kann man 70 Jahre THW im Rückblick mit Bildern und Videos erleben, unter anderem von mehrtägigen Übungen oder spektakulären Sprengungen. Einsatzkleidung früher, heute und in Zukunft wird gezeigt, und so viele Eindrücke wollen verarbeitet werden – am besten beim gemütlichen Imbiss an der Essensmeile à la Katastrophenschutz mit Pulled Pork Burger, Pizza aus der Ape des DRK, Pommes und Bratwurst.

Die Zufahrt zum Gelände am Tiedexer Tor wird geschmückt, Blickfang wird ein historischer DKW aus dem Ortsverband Clausthal-Zellerfeld ein.
Knapp ein Jahr, berichten Nina Zettel und Maximilian Radke, Fachberater und zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, hat sich der Ortsverband auf das Jubiläum vorbereitet; seit mehreren Tagen bauen die Helfer auf, was sie zeigen wollen, unter anderem ein Sprengwerk, bei dem zwei Wände gegeneinander abgestützt werden. Auf einem Tonnensteg kann man das Krumme Wasser überqueren, das direkt am Gelände entlang fließt. Unterstützung für die Veranstaltung, die bis 17 Uhr dauert, gibt es vom Ortsverband Osterode, von der Kreisfeuerwehr und von den Johannitern.

Das THW möchte mit dem Tag nicht nur Zuschauer begeistern, sondern vielleicht auch weitere Freiwillige gewinnen: »Hier findet sich ein passendes Betätigungsfeld für ganz unterschiedliche Interessen«, sind Nina Zettel und ihr Vorstandsteam sicher.ek