Vom Händel-Fieber und der Heldin Maria gepackt

Begeisterter Beifall für Eröffnungskonzert der Göttinger Händel-Festspiele in der Einbecker Münsterkirche

Ein mitreißendes Programm, das zu Recht langen Beifall fand: In der Einbecker Münsterkirche St. Alexandri sind am Donnerstagabend die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2015 eröffnet worden. Das Konzert-Thema »Maria!« fügte sich ins Festival Motto »Heldinnen! « ein, und das Publikum erlebte neben Werken von Georg Friedrich Händel auch Kompositionen von Francesco Durante und Emanuele d’Astorga, dargeboten vom Ghislieri Choir & Consort sowie María Espada, Sopran, und Solisten aus dem Chor. Die Leitung hatte Giulio Prandi.

Einbeck. Die Händel-Festspiele und Einbeck seien seit längerem verbunden, führte Intendant Tobias Wolff in der sehr gut besuchten Münsterkirche aus, unter anderem durch den Sponsor KWS und die Unterstützung durch die AKB-Stiftung. Neben deren Vertretern konnte er auch Hans-Christian Biallas, als Präsident der Klosterkammer Hannover Hausherr der Münsterkirche, und viele Mitglieder der »Händel-Familie« willkommen heißen. Besonders freute er sich, dass der künstlerische Leiter Laurence Cummings, einer der weltweit gefragtesten Händel-Spezialisten, nach nahezu 24-stündiger Probenarbeit ebenfalls dabei sei.

»Heldinnen« stehen im Mittelpunkt des Festspielprogramms, starke Frauen – wie auch die Gottesmutter Maria. Ihr widmete sich das Einbecker Konzert mit den »Senkrechtstartern der Alten Musik«, wie Tobias Wolff ankündigte. Die beiden Marien-Werke des Abends komponierte Händel in Italien – jung und feurig seien sie, und es sei verständlich, wenn man damit vom Händel-Fieber gepackt werde.

»Meine Seele erhebt den Herrn« heißt es in der Luther-Übersetzung von Francesco Durantes (1684 bis 1755) »Magnificat« B-Dur. In sieben Sätzen für Chor beziehungsweise Tenor-Bass-Duett spannt das Werk einen textlichen und inhaltlichen Bogen von Gotteslob und Hoffnung. Getragen sang der Chor von Barmherzigkeit, lebhaft und feierlich von der Ehre Gottes, des Sohnes und des Heiligen Geistes. »Donna, che in ciel«, »Herrin, du strahlst im Himmel«, damit hat Georg Friedrich Händel(1685 bis 1759) ein eindrucksvolles Marienlob verfasst. »So lasse uns dich würdig loben, Herrin im Himmel voll Macht!« heißt es weiter und »Du bist das schön, klare Gestirne. ... Durch dich erfreuet geht, wer bereuet, sicher und unbeschwerert seine Bahn.« Sopranistin María Espada interpretierte dieses Werk, 1708 erstmals aufgeführt, mit viel Leidenschaft und einer wundervollen Stimme. »Maria, du Heil und Hoffnung der Welt in Nöten«, mit diesem Lobpreis und dem Wunsch »Und Fried und Freude schenke hienieden uns, du, Maria« erhoben Solistin und Chor die Gottesmutter in die Reihe der Heldinnen.

Hier schloss das nächste Werk inhaltlich nahtlos an: Als »des Himmels Königin« würdigt Händels italienische Kantate »Ah! che troppo ineguali« Maria: »Lass deine Gunst auf der Erde erstrahlen.«

»Stabat Mater dolorosa juxta crucem lacrimosa«, »Christi Mutter stand mit Schmerzen bei dem Kreuz und weint von Herzen«, das mittelalterliche Gedicht besingt die Mutter Jesu in ihrem Schmerz um den Gekreuzigten. Zahlreiche Komponisten haben den Text auf unterschiedliche Weise interpretiert. Zur Festspieleröffnung wurde das Werk von Emanuele d’Astorga (1680 bis 1757) gespielt. In neun Sätzen stehen Chor und Solisten im Dialog miteinander, beschreiben das Leid um den Sohn und die Hoffnung, aus seinem Sterben ewiges Leben zu ziehen. Die Solisten harmonierten in Duett und Terzett auf eindrucksvolle Weise, wurden eins mit dem Text, der im Programm in einer Übersetzung nachzulesen war – endend mit einem aus vollem Herzen empfundenen »Amen«. Nach langem und begeistertem Beifall überraschten die Musiker schließlich mit einer »venezianischen« Zugabe. Einfühlsam gelang es Solistin María Espada, die Vielschichtigkeit der »Heldin« Maria herauszuarbeiten. Ihre Freude, aber auch ihr Leid trug sie auf Tönen ins Kirchenschiff. »Ghislieri Choir & Consort« unter der Leitung von Giulio Prandi, studierter Dirigent, Sänger und Mathematiker, gilt als eines der anerkanntesten italienischen Alte-Musik-Ensembles – zu Recht, wie der begeisterte Beifall des Publikums in Einbeck bestätigte. In den zwölf Jahren seines Bestehens hat das Ensemble auf zahlreichen Festivals gespielt und sich der Wiederbelebung – und Entdeckung – der Musik des 18. Jahrhunderts gewidmet. Solisten aus den Reihen des Chores waren Marta Fumagalli, Alt, Luca Cervoni, Tenor, und Marco Bussi, Bass. Auch sie wurden vom Publikum gefeiert.

NDR Kultur hat das Konzert in Einbeck aufgezeichnet. Der Mitschnitt wird am 31. Mai ab 22 Uhr im Radio zu hören sein. Die Händel-Festspiele dauern noch bis zum 25. Mai; Informationen über das vielfältige Programm gibt es unter www.haendel-festspiele.de.ek

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