Weniger Barrieren beim Einkauf in Einbeck

»Einbeck Marketing«, Seniorenrat und Handelsverband werben für Zertifikat »Generationenfreundliches Einkaufen«

Eltern mit Kinderwagen, Menschen im Rollstuhl oder Senioren – Einkaufen sollte für jeden bequem und barrierearm möglich sein. Das ist allerdings häufig nicht der Fall. »Einbeck Marketing« hat deshalb zusammen mit dem Einbecker Seniorenrat Einzelhändler über das Thema »Generationenfreundliches Einkaufen« informiert. Ge­meinsam mit Hans-Joachim Rambow, Geschäftsführer des Handelsverbandes Niedersachsen-Bremen, ging es um die Möglichkeiten, das Qualitätszeichen für generationenfreundliches Einkaufen zu erreichen.

Einbeck. Die vier Stufen zum Geschäft, der fehlende Handlauf, keine Sitzmöglichkeiten – nicht immer sind es große Hindernisse, die das Einkaufen beschwerlicher machen, als es notwendig wäre. »Der Einbecker Seniorenrat hat uns auf die Schiene gebracht«, berichtete Frank Hagemann, Geschäfts­führer von »Einbeck Marketing«, über das generationenfreundliche Einkaufen. Das Thema sei spannend und gar nicht weit weg, gehe es doch nicht nur darum, wie Ältere in den Geschäften zurecht kämen, sondern wie sich überhaupt Generationen begeistern ließen. »Einbeck Marketing« ha­be sich viel Mühe gemacht, stellte Hans-Joachim Rambow fest. Das generationenfreundliche Einkaufen sei aus einer Initiative des Landes­seniorenrates und des Sozialministeriums entstanden.

Be­teiligt seien der Einzelhandelsverband und »Linga«, die Landesinitiative Niedersachsen generationengerechter Alltag. »Wir wollen dem demografischen Wandel entgegen treten«, betonte der Geschäftsführer. Aber dabei setzte man nicht nur auf Senioren, sondern verfolge einen umfassenden Ansatz. Die bisherigen Erfahrungen zeigten, dass das eine Thematik für alle sei und dass man generationenfreundlich(er) werden könne, ohne ganz viel Geld in die Hand zu nehmen.

Stufen, wie sie in vielen Geschäften in der Innenstadt vorhanden seien, könne man nicht ohne weiteres abbauen. Gerade in einer Stadt mit der Substanz von Einbeck gebe es viele solcher Hindernisse, aber man könne sie überbrücken beziehungsweise Hilfestellung geben, sie zu überwinden. Schon innerhalb einer Woche, so die Erfahrung, lasse sich schon viel tun. »Manchmal hilft schon eine Klingel.« Mit einfachen Mitteln könne man erreichen, dass es Kunden demnächst einfacher hätten. Ein Ziel sei es, gerade Klein- und Mittelbetrieben Perspektiven aufzuzeigen. Mit dem Qualitätszeichen, das sie nach erfolgreich bestandener Überprüfung erhalten, könnten die Geschäfte gezielt werben. Die Prüfung diene aber nicht nur dazu, die notwendigen Kriterien nachzuweisen beziehungsweise abzuhaken, sondern sie zeige auch, wo es im Geschäft noch Nachholbedarf gehe. »Man muss vor dem Qualitätszeichen keine Angst haben«, betonte Rambow. Wer es geschafft habe, bekomme es verliehen, dafür könne man sich im ersten Aufschlag gut eine öffentlichkeitswirksame Aktion vorstellen, und wer es nicht geschafft habe, über den wahre man Stillschweigen, und er bekomme eine neue Chance. »Melden Sie sich an, lassen Sie die Senioren durch Ihre Häuser gehen«, animierte er zum Mitmachen. Es wäre schön, wenn möglichst viele Beteiligte sich schon jetzt zum Mitmachen bereiterklären würden.

Man werde nicht gleich alles erfüllen können, was die Prüfer anhand ihrer Punktliste an Vorschlägen mitgeben würden, hieß es in der Diskussion. Gerade in Niedersachsen sei das Interesse an dem Qualitätssiegel sehr groß: bundesweit gebe es inzwischen rund 7.000 Betriebe, die entsprechend geprüft sei, allein in Niedersachsen seien es 1.200 Händler. In Südniedersachsen sei das Angebot dabei noch »relativ schmal«. Sie könnten eine Speerspitze sein, ermunterte er die Einbecker. Bekannter seien das Logo und seine Inhalte schon in den Bereichen Braunschweig, Goslar und Seesen.

Das generationenfreundliche Einkaufen sei weniger eine Frage von technischen Voraussetzungen als auch davon, ob ein Händler »mit dem Herzen dabei« sei. Gerade das persönliche Engagement könne ein Geschäft stark nach vorn bringen, führte er an Beispielen aus. Am Ende, hob Rambow hervor, gehe es um die Stadt: Wenn 70 Prozent der Geschäfte ein Qualitätszeichen vorweisen könnten, gelte das für Einbeck insgesamt als generationenfreundliche Stadt. »Aber dazu müssen noch ein paar Brettchen gebohrt werden.« »Das ist schon länger ein Thema für uns«, bekräftigte der Vorsitzende des Einbecker Seniorenrates, Hein-Peter Balshüsemann. Die Initiative sei von Ilka Dirnberger, Mitglied im Einbecker Seniorenrat und Vorsitzende des Landesseniorenrates, gekommen. Ansprechen wolle man nicht nur die Filialisten, sondern gerade auch die inhabergeführten Unternehmen. Mit »Einbeck Marketing« habe man einen Ansprechpartner, mit dem man das Ziel vor Ort erreichen könne.

»Einbeck Marketing« sei auf der Seite des Handels, »Sie stehen nicht allein«, bestätigte Frank Hagemann. Wichtige Ansprechpartnerin sei Janina Regenhardt, Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung, sie schreibe ihre Bachelor-Arbeit zu diesem Thema.

Wer mitmachen möchte, sollte den Anmeldebogen bei »Einbeck Marketing« abgegeben. Anschließend kommen die Prüfer, die der Einbecker Seniorenrat stellt, mit dem Fragebogen zu 58 Kriterien, um ihn vor Ort abzuarbeiten. Untersucht werden beispielsweise die Erreichbarkeit des Geschäfts, die Laden- und die Sortimentsgestaltung, und der Service, und es besteht die Möglichkeit, Sonderpunkte zu bekommen. Die Zertifizierung von inhabergeführten Fachgeschäften bis zu einer Verkaufsfläche von 500 Quadratmetern erfolgt kostenlos. Die Auswertung nimmt die »Linga« in Braunschweig vor. Anschließend gibt es ein »Bestanden« – oder eben nicht. Wer knapp nicht bestanden habe, für gebe es die Möglichkeit zum Nachbessern, hieß es. Hier würden im Gespräch sicher Lösungen gefunden. Geplant ist, Anmeldungen bis September anzunehmen. Die Überprüfung folgt im September/Oktober. Die Zertifizierung könnte frühestens im November vorgenommen werden. Dass das Programm Erfolg habe, da war Ilka Dirnberger ganz sicher: »Ältere gehen gezielt in die zertifizierten Geschäfte«, wusste sie zu berichten.ek

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