Die Zeit des Wirkens von Paula Tobias

Erste Landärztin im Braunschweiger Land praktizierte in Kreiensen / Verschönerung von Stromverteilerkästen

Am, mit dem Bild von Paula Tobias, gestalteten Stromverteilerkasten in der Wilhelmstraße (von links): Museumsleiterin Dr. Elke Heege, Gleichstellungsbeauftragte Simone Engelhardt, Kreiensens Ortsheimatpfleger Jochen Prochnow, Frauke Steinhoff (Firma Druck Kurier), Manfred Thiele (Bürgerinitiative Sch(l)aufenster, Kreiensens Ortsbürgermeister Axel Ambrosy und Peter Zieseniß (Malerfachbetrieb).

Kreiensen. Von 1912 bis 1917 praktizierte mit Paula Tobias die erste Landärztin im Braunschweiger Land in Kreiensen. Und das als junge Frau, 26 Jahre, gerade fertig mit dem Studium in Berlin, München, Heidelberg als eine der ersten Frauen, die Medizin studierten. Gerade verheiratet, wählten sie und ihr Mann, Dr. med. Tobias, Kreiensen. Als allererste weibliche Ärztin hatte sie sich hier zu bewähren, in einer Männerdomäne. Mühelos gelang ihr das, einer forsch-beherzt blickenden Frau. Unter anderem führte sie ein Lazarett, bildete Pflegerinnen aus und die von ihr eingerichtete Mütterberatung unterstützte Frauen bei der Säuglingspflege.

Ihr weiterer Weg führte im Jahre 1928 nach Bevern. Dort betrieb sie gemeinsam mit ihrem Mann eine Gemeinschaftspraxis.

Im Rahmen der frauenORTE in Niedersachsen, einer Initiative des Landesfrauenrates, die Frauenpersönlichkeiten lebendig werden lässt, wurde 2017 in Bevern der »34. frauenORTE Niedersachsen«-Standort eröffnet, der das Leben der deutsch-jüdischen Ärztin Dr. Paula Tobias (1886-1970) zum Thema macht. Ein zweiter Standort des frauenORTS Paula Tobias wurde kurz danach in Delligsen eröffnet, wo sie ebenfalls praktizierte.

Im Dezember 2018 wurde dann Kreiensen ein weiterer Nebenstandort. Das Ganze verbunden mit einer Ausstellung im Rathaus Kreiensen (EM berichtete).
In Bevern gibt es einen Ortsrundgang wo das Leben von Paula Tobias durch den Ort zum Schloss und Wohnhaus anschaulich wird.

Im Frühjahr 2020 kam Einbecks Gleichstellungsbeauftragte Simone Engelhardt, die sich intensiv in die Ausstellung in Kreiensen eingebunden hatte, auf die Idee auch hier einen Ortsrundgang an den Stationen der Ärztin einzurichten. Eingebunden wurden die Leiterin des Stadtmuseums Einbeck Dr. Elke Heege und Kreiensens Ortsheimatpfleger Jochen Prochnow und der Ortsrat Kreiensen.

Dann ging es um die Realisierung. Umfangreiche Überlegungen hatten zu einer Aktion in Einbeck geführt, die sich als Sch(l)aufenster einen Namen gemacht hat. Es handelt sich um eine Bürgerinitiative Sch(l)aufenster, die sich zur Aufgabe gemacht hat, unter anderem leerstehende Geschäften zu gestalten, um so das Stadtbild zu verschönern.

Daneben nahm man auch teilweise unansehnliche Stromverteilerkästen ins Blickfeld. Die waren dann auch zielführend für einen Rundgang durch Kreiensen. In Zusammenarbeit mit der Initiative Sch(l)aufenster, und Manfred Thiele aus Amelsen, wurden Überlegungen zur Gestaltung von vier Verteilerkästen angestellt. Die sollten mit historischen Fotos gestaltet werden.

Dazu war der große Fundus von geschichtlichen Fotos aus der Zeit des Wirkens von Paula Tobias von Ortsheimatpflegers Jochen Prochnow die ideale Grundlage. Die Bilder wurden von Jochen Prochnow, Dr. Elke Heege und Simone Engelhardt ausgewählt.
Eine konzertierte Aktion führte nun von kurzem zur Realisierung. Die Stadtwerke Einbeck reinigten kostenlos die Verteilerkästen und sorgten für einen Farbanstrich. Das Bekleben mit den Bildern nahm Manfred Thiele vor. Finanziert wurden die Bilder zur Hälfte aus Mitteln der Gleichstellungsbeauftragten und dem Museum. Jochen Prochnow stellte drei Bilder zur Verfügung. Das Bild von Paula Tobias steuerte der frauenORT Paula Tobias Bevern bei. Die Malerarbeiten wurden durch den Maler-Fachbetrieb Peter Zieseniß vorgenommen und der Druck der Bilder durch die Firma Druck Kurier Wellersen.

Das Andenken an Paula Tobias soll noch durch die Anbringung einer Tafel am Haus Akazienweg 2 erfolgen, wo die Ärztin praktizierte. Die Finanzierung erfolgte durch den Ortsrat Kreiensen.

Die vier gestalteten Stromverteilerkästen zeigen ein Haus im Jahre 1913, das für Bahnbeamte gebaut wurde (Standort Eicke-Ecke), den Gasthof Weißes Roß (Standort Wilhelmstraße 41), das Bild von Paula Tobias (Standort Wilhelmstraße 33) und den Ortsteil Brunstein Anfang des 20. Jahrhunderts (Standort Zufahrt zum Brunstein.ic

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