Mehr als eine Übergangslösung finden

Behindertengerechte öffentliche Toilette am Bahnhof Kreiensen: Behindertenbeauftragte bleibt hartnäckig

Viele Aspekte bedacht auf der Suche nach einer guten Lösung: Die Behindertenbeauftragte der Stadt Einbeck, Renate Leuschner, hat sich zur Bahnhofstoilette Kreiensen in den vergangenen Jahren intensiv ins Thema eingefuchst.

Kreiensen. Das Thema ist und bleibt ihr ein wichtiges Anliegen: eine öffentliche behindertengerechte Toilette am Bahnhof Kreiensen. Seit Jahren befasst sich die Behindertenbeauftragte der Stadt Einbeck, Renate Leuschner, damit, wobei sie immer auch Unterstützung aus dem Einbecker Seniorenrat bekommen hat. Jetzt sieht es so aus, als könnte tatsächlich Bewegung in die Sache kommen, denn 25.000 Euro stehen im Haushalt 2021 bereit.

Allerdings: Die dabei angedachte Übergangslösung in Form eines Toilettenwagens bewertet die Behindertenbeauftragte kritisch. Mit einer höheren Investition könnte man dagegen etwas Dauerhaftes, Solides anschaffen anstelle eines solchen Provisoriums. Ebenfalls ungünstig findet sie den möglichen Standort in der Bahnhofstraße: zu weit weg vom Bahnhof. Wer sich bei einem dringenden Bedürfnis erst auf die Suche und auf den Weg machen müsse, dem tue man damit keinen Gefallen.

Ein Unding ist es für Renate Leuschner, dass ein Bahnhof wie Kreiensen mit – in normalen Zeiten – rund 3.000 bis 3.500 Fahrgästen pro Tag kein öffentliches und behindertengerechtes WC bieten kann.

Seit zwei Jahren beschäftigt sie sich mit dem Thema. Immer wieder ist dabei von anderen Zuständigkeiten die Rede. Der Ortsrat Kreiensen, die Behindertenbeauftragte und der Einbecker Seniorenrat haben das Problem vor genau zwei Jahren erstmals betrachtet. Verschiedene Ideen sind seither angesprochen und wieder verworfen worden, und immer wieder gab es neue Informationen: So ist das Vorhalten öffentlicher Toiletten beispielsweise nicht Sache des Eisenbahnrechts. Andererseits hat die Bahn unterdessen ihre Bereitschaft erklärt, den Bau einer Toilette im ehemaligen Aufsichtspavillon zu unterstützen. Dafür gab es sogar schon Kostenschätzungen. Der ist allerdings inzwischen an eine Taxizentrale vermietet. Ein weiterer Vorschlag, der auch von der Politik beraten wurde, zielte darauf ab, die ehemaligen Toiletten im Durchgangstunnel zwischen »Braunschweiger« und »Hannoverscher« Seite des Kreienser Bahnhofs zu reaktivieren. Das sei, so die Behindertenbeauftragte, keine taugliche Idee: Zum einen sei der Zugang zu dunkel, zum anderen wäre ein erheblicher Aufwand erforderlich, um die alte WC-Anlage dort wieder entsprechend herzurichten und nutzen zu können.

Die Corona-Pandemie hat sich unterdessen auch auf dieses Thema negativ ausgewirkt, weil nach Angaben der Stadtverwaltung weitere Gespräche mit der Bahn nicht stattfinden konnten oder verschoben werden mussten.

Ihr Schreiben an alle Ratsmitglieder sei leider ohne Resonanz geblieben, bedauert Renate Leuschner.

Auf Antrag der SPD-Fraktion im Rat sind aber 25.000 Euro für die Toilette im Haushalt 2021 eingestellt worden. Die Rede war dabei von einer Übergangslösung, beispielsweise einem Toilettenwagen mit Standort in der Bahnhofstraße. Ob diese Summe nun wirklich einer Lösung dient, wie von der SPD beworben, oder ein Posten für die Bewirtschaftung einer festen Toilette, wie von einem Ratsmitglied in einer Mail an die Behindertenbeauftragte dargestellt – sie weiß es nicht. Dass sie dabei völlig unerwähnt bleibt, findet sie dagegen bedauerlich.

Dabei ist sie mit ihren Planungen schon einen Schritt weiter. Bei einem Anbieter mobiler Toilettenanlagen hat sie sich über Möglichkeiten informiert, die eine solche Lösung bieten würde: Ab etwa 65.000 Euro wäre so etwas zu haben, und auch einen Standort dafür hat sie sich schon angesehen. Neben dem ehemaligen Aufsichts-pavillon würde eine ausreichend große Freifläche zur Verfügung stehen.

»Die Stadtverwaltung verschiebt die Lösung der Toilettenfrage aus unerfindlichen Gründen« , kritisiert Renate Leuschner, dass sich da immer noch nichts tut. Sie erinnert an die wenig rühmliche Lösung mit dem Dixi-Klo auf dem Hallenplan; so etwas dürfe es auf dem Kreienser Bahnhof nicht geben. Es sei ihr unverständlich, dass das Grundbedürfnis, eine Toilette aufsuchen zu könne, so vielen Fahrgästen verwehrt werde. Das sei kein positives Signal in Richtung der Touristen, die man ja nach Corona gern wieder in Einbeck begrüßen würde, und da helfe es auch nicht, dass inzwischen Mammutprojekte diskutiert, geplant und wieder verworfen würden.ek