Die Erinnerung wachhalten

Eindrückliche Ausstellung über Überlebende des Holocaust im Alten Rathaus eröffnet

Personalisiert und damit emotional vermittelt die jetzt im Alten Rathaus eröffnete Ausstellung »Zeitzeugenpatenschaften« das wohl dunkelste Kapitel deutscher Geschichte: Überlebende des Holocaust berichten in Videointerviews sowie in verschiedenen Text-Bildtafeln von Ghettos und Konzentrationslagern im Nationalsozialismus. Die Ausstellung zeigt Verfolgungshintergründe mit verschiedenen Schwerpunkten, die Porträtierten waren zur Zeit des Zweiten Weltkriegs selbst Kinder und junge Erwachsene.

Einbeck. Erarbeitet wurde die Ausstellung von jungen Leuten in Dessau (AJZ) und vom Verein »Kultur im Esel« mit Unterstützung des Lokalen Aktionsplanes im Landkreis Northeim »Demokratie leben« und der Kreisjugendpflege Northeim nach Einbeck geholt. Das AJZ Dessau beherbergt ein Archiv, in dem die Zeugnisse von 127 Überlebenden, die von der nationalsozialistischen Terror- und Vernichtungspolitik betroffen waren, bewahrt werden. Sieben dieser Lebensgeschichten wurden für die Ausstellung ausgewählt.

Jörg Bachmann vom Verein »Kultur im Esel« organisiert seit einigen Jahren Bildungsfahrten nach Auschwitz. Ziel ist es, die Erinnerung daran wachzuhalten und daraus zu lernen. Die Ausstellung »Zeitzeugenpatenschaften« rege dazu an, zuzuhören, welche Auswirkungen der Holocaust habe, stellte er fest und dankte besonders den Sponsoren, die die Ausstellung möglich gemacht haben.

Die stellvertretende Landrätin Gudrun Borchers bekräftigte, dass dieses Kapitel deutscher Geschichte lebendig bleiben müsse, damit es sich niemals wiederhole. Die Ausstellung zeige, wie der Holocaust in ein Leben hinein-und nachwirke. Den Willen, dass es niemals eine Wiederholung dieses dunklen Kapitels geben dürfe, zeige sich in der Ausgestaltung des demokratischen Staates. Demokratie lebe davon, dass alle für sie einstehen, betonte die stellvertretende Landrätin. Die Erinnerung müsse wachgehalten und an die nächste Generation weitergegeben werden.

Einbecks stellvertretender Bürgermeister Albert Thormann hob ebenfalls die Verantwortung jedes Einzelnen heraus. Jeder könne etwas dazu beitragen, dass die Erde keine Hölle sei. Auch nach über sieben Jahrzehnten seien Fragen offen, die geklärt werden müssten. »Die Erinnerung darf nie enden«, sagte er. Denn Freiheit und Menschenrechte seien ein kostbares Gut, das es zu bewahren gelte. In Einbeck wird mit einer Gedenktafel am Rathaus an die verfolgten jüdischen Mitbürger erinnert, und es gibt den Förderverein »Alte Synagoge«, der das Gebäude wieder instand setzt und zu einem Ort der Begegnung machen will. »Jeder ist mit verantwortlich für das, was geschieht, und für das, was unterbleibt.«

Silke Doepner vom Lokalen Aktionsplan Northeim »Demokratie leben« machte klar, dass Fremdenfeindlichkeit und Rassismus heute wieder salonfähig seien. Werte wie das Grundgesetz oder die Pressefreiheit würden in Frage gestellt. »Die Demokratie steht unter großem Druck«, musste sie feststellen. Die Entscheidung, die NPD?als verfassungsfeindlich einzustufen, aber nicht zu verbieten, setze die Zivilgesellschaft unter Druck: Jeder sei aufgefordert, sich zu positionieren, wenn Flüchtlingsheime brennen oder wenn Rechtsextremisten aufmarschieren.

Jana Müller vom AJZ erinnerte daran, dass Dessau der Hauptproduktionsstandort von Zyklon B war und dass heute dort Ausländer im zivilen Leben und im Polizeigewahrsam ums Leben gekommen sind. Die Ausstellung mache deutlich, dass das Vermächtnis der Zeitzeugen nicht vergessen werden dürfe: In den eindrücklichen Videointerwievs wird deutlich, wie der Widerstand war, wie der Terror begann, wie das Leben im Ghetto war und wie man nach dem Grauen weiterleben musste.

Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung durch das Klezmer-Duo »Yakomo«.

Zu sehen ist die Ausstellung »Zeitzeugenpatenschaften« bis zum 31. März. Schulklassen oder AGs sind neben der Öffentlichkeit eingeladen, die Ausstellung zu besuchen. Es besteht die Möglichkeit einer Führung – Anmeldungen dazu sind unter 82562 oder info@kultur-im-esel.de möglich. Der Ausstellungsbesuch ist kostenlos. Geöffnet ist das Alte Rathaus Montag bis Mittwoch von 8.30 bis 16 Uhr, Donnerstag von 8.30 bis 18 Uhr sowie Freitag von 8.30 bis 12 Uhr.sts



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