Neue Nachbarn auf »Mondfahrt«

Etwa 140 Flüchtlinge und Helfer bei Generalprobe des Rollschuhvereins

Eine besondere Generalprobe für das Stück »Peterchens Mondfahrt« der Rollschuh­abteilung des RSV Einbeck: Der Eingangsbereich der Turnhalle war bereits vor der Aufführung rappelvoll. Neben den 105 aktiven Läufern und dem Helferteam des RSV waren etwa 140 geladene Gäste zugegen – für eine Probe äußerst ungewöhnlich. Nach dem Märchenstück auf Rollen gab es für Gäste und Mitwirkende Imbiss und Ge­dankenaustausch im Foyer der Sporthalle.

Einbeck. »Wir haben die Flüchtlinge eingeladen, um eine Gelegenheit schaffen, sich zu treffen und einander auch ohne Sprache zu verstehen« sagt Anette Klocke, Schriftführerin des RSV. Die Sportwartin des Vereins, Annette Ziegenhagen-Gielnik, hatte die Idee, die Einladung auszusprechen, und die Vereinsmitglieder seien sofort dabei gewesen. Die positive Stimmung, die schon vor der Aufführung zu spüren war, bestätigte, dass die Idee eine gute war.

Im Eingangsbereich der Halle waren Tische aufgebaut, auf denen Getränke und Fingerfood bereitgestellt wurden. »Viele Flüchtlinge haben vorher traditionelle Gerichte aus ihrer Heimat gekocht«, sagt Zsuzsanna Bényei-Büttner, Koordinatorin des Diakonischen Werkes Leine-Solling. Es sei ihnen ein Anliegen gewesen, selbst etwas zurückzugeben, auch wenn sie nicht über viele Mittel verfügten. »Wir haben das gemeinsam hinbekommen«, freut sich die Koordinatorin. Die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer hätten einen großen Anteil am Gelingen des Ausflugs. »Sie haben die Flüchtlinge zur Turnhalle gefahren, bei der Organisation geholfen und das Stück wurde obendrein in Russisch, Farsi und Arabisch übersetzt«, erläutert sie – eine gute Vorbereitung, so könnten die Besucher der Generalprobe gleich etwas Deutsch lernen.

Die Gäste, unter anderem aus Eritrea, Syrien, Afghanistan oder dem Libanon, seien zunächst sehr aufgeregt gewesen. »Besonders für die Kleinen ist das hier sehr spannend«, berichtet Bényei-Büttner. »Sie sind alle schon mit aufgehellten Gesichtern hereingekommen«, ergänzt Klocke. Nun würden sie etwas Schönes unternehmen können – wie mit Freunden. »Manche von ihnen habe ich noch nie lachen sehen – jetzt strahlen sie«, so Bényei-Büttner, »das ist auch eine Form von Respekt, die sie uns gegenüber ausdrücken.« Sie seien locker, weil sie sich hier wohlfühlten. Dies sei nach einer langen, strapaziösen Flucht nicht selbstverständlich. »Das Leid, das viele von ihnen erlebt haben, können wir uns gar nicht vorstellen«, so die Mitarbeiterin der Diakonie.

Da täte es ihr leid, dass sie sich nicht um alle kümmern könne. Die kontroversen Diskussionen, die zur aktuellen Flüchtlingssituation in den Medien geführt werden, empfindet sie überwiegend als un­angebracht. Sie habe die Erfahrung gesammelt, dass beinahe jeder der von ihr betreuten Flüchtlinge dankbar sei und sich äußerste Mühe gebe, sich an die Regeln in Deutschland zu halten. Dass es unter diesen Umständen auch den einen oder anderen gebe, der still zu Hause sitze und nicht hinaus möchte, verstehe sie aber auch. »Wenn man überlegt, was diese Menschen durchgemacht haben, ist ihr Verhalten nachvollziehbar«, sagt sie. »Dazu verstehen viele eine wichtige Sache nicht«, erläutert Anette Klocke: »Integration heißt nicht 100-prozentige Anpassung.«

Abschließend hat der gemütliche Abend aber eins gezeigt: Die Grundlage für ein gemeinsames Verständnis ist die Begegnung. Der RSV hat mit der offenen Generalprobe ein lohnendes Beispiel gesetzt.kw



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