Bei Firmen nachgefragt

Stimmungsbild von »katastrophal« und Existenzangst bis »ganz normal«

Freitagvormittag noch bei der Arbeit, nachmittags kam der Landkreisbeschluss: Georgia Amanatidou (links), hier mit Mitarbeiterin ­Brigitte Rose.

Region. »Klar ist, dass eigentlich nichts klar ist«, stellte Monika Everlien von der Firma Tannen Everlien aus Wenzen seufzend fest und sprach damit aus, was sicher viele denken. Die Einbecker Morgenpost befragte von Donnerstag bis Sonnabend einige Firmen und Handwerker, die noch arbeiten können und konnten, zur
Situation. In Wenzen konnten Privatkunden bis Freitag noch etwas für die Frühlingsbepflanzung kaufen.

»Die Menschen wollen es wenigstens ein bisschen schön haben.« Aufträge waren auch noch da, Blumenschmuck für Trauerfeiern wurde noch angefertigt. Doch auch hier hatte ein Lieferant bereits signalisiert, man müsse nehmen, was da sei. Abstand halten – kein Problem. Das Gelände sei groß genug, berichtete Everlien. Doch seit Sonnabend ist nach den neuen Maßnahmen auch hier geschlossen.

Hygiene und Abstand werden eingehalten

Abstand halten, das ist auch für Maurermeister Jörg Tiede selbstverständlich. Alle befragten Firmen befolgen die Hygieneregeln und haben die Mitarbeiter entsprechend ein- und hingewiesen und auch – wie zum Beispiel Firma Tiemann – Aushänge gemacht. Kundenkontakt solle nach Möglichkeit vermieden werden, berichtet auch Malermeister Joachim Dörge, ebenso Tischlermeister Andreas Neugebauer. Alfred Steinhoff vom Garten- und Landschaftsbau Markoldendorf hat zudem Schilder aufgestellt, die Unbefugten den Zutritt verbieten.

»Alles normal«
Bei Maurermeister Jörg Tiede sind die Auftragsbücher voll bis zum Sommer. »Alles normal«, erklärt er, desgleichen Björn Bokelmann, Chef der Heizungs- und Sanitärfirma aus Salzderhelden: Privatkundenaufträge seien vorhanden, die Situation wie in jedem Frühjahr.

Notdienst für defekte Haushaltsgeräte

»Läuft alles wie bisher« ist auch die Aussage von GaLa-Chef Alfred Steinhoff. Industrie- und Privat-Kundenaufträge werden weiter ausgeführt. Er ergänzt aber: »Doch Gedanken machen sich alle.« Die Mitarbeiter seien weiter auf allen Neubau- und Umbau-Baustellen im Einsatz, berichtet Alexander Johanns, Geschäftsführer von Elektro Johanns aus Salzderhelden, von Normalität. Dort sind auch keine Kunden vor Ort. Das Ladengeschäft ist geschlossen. Ein Notdienst, etwa für Waschmaschinen, wurde über die Firmenrufnummer eingerichtet.

Entwicklung abwarten

»Im Prinzip weiterarbeiten wie bisher«, meint auch Malermeister Dörge. »Wir müssen schauen, wie sich das Ganze entwickelt«, erklärt er, desgleichen auch Tischler und Geschäftsführer Kai Tiemann.

Man sei doch sehr verunsichert in der augenblicklichen Situation, erklärt der stellvertretende Obermeister Dörge noch. Seine Firma hat auch Aufträge aus anderen Bundesländern. Ob die ausgeführt werden können, weiß er nicht.

Kai ­Tiemann berichtet, dass natürlich Aufträge vorhanden seien. Die Privatkundschaft sei etwas zurückhaltender. Im Neubausektor merke man noch nichts von einem veränderten Verhalten.

Fehlende Bestattungsutensilien zu teuren Preisen

Seit Freitagmittag »führen wir nur noch Notreparaturen bei Kunden durch«, berichtet Tischler Andreas Neugebauer. »Bei fast allen Industriebetrieben dürfen die Betriebsgelände nicht mehr betreten werden.« Als Bestattungsunternehmer nennt er die Dinge beim Namen und beklagt den Mangel an Desinfektions- und notwendigen Standardmitteln für Bestattungen. »Die fehlenden Mittel werden von manchen Händlern zu überhöhten Preisen angeboten, hier sollte der Staat diese Mittel beschlagnahmen!«, zeigt er sich erbost.

»Katastrophal« sei die Situation, stellt Georgia Amanatidou vom Friseursalon »Georgia Hair and More« fest. Freitagvormittag hatte sie noch geöffnet. Freitagnachmittag veröffentlichte der Landkreis Northeim den Beschluss zur Schließung. Die Existenzangst sei da, erklärt die Chefin. Wie alle anderen Selbstständigen hofft auch sie, dass sie alle Mitarbeiter halten kann und diese Situation bald vorbei ist.

Andreas Neugebauer formuliert den für alle in dieser Zeit zutreffenden Satz: »Lassen Sie uns hoffen, dass wir gesund bleiben und durchkommen.«des

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