Cannabiskonsum im Jugendalter

Prävention, Information und Senisibilisierung sind wichtige Aspekte

Northeim. Auf Einladung des im Landkreis Northeim tätigen Netzwerks »Jugendschutz – und Du?«, bestehend aus dem erzieherischen Kinder- und Jugendschutz, dem Präventionsteam der Polizeiinspektion Northeim und der Lukas-Werk Gesundheitsdienste GmbH als Suchtberatungsstelle, präsentierte Diplom-Psychologin Birgit Spohr im Rahmen einer Online-Veranstaltung rund 35 Teilnehmern einen Vortrag. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Cannabiskonsum im Jugendalter sowie Beratung und Therapie von Betroffenen und Eltern. Aktuell ist sie am Projekt »FRIDA – Frühintervention bei Drogenmissbrauch in der Adoleszenz« beteiligt, das Fachkräfte im Bereich Elternberatung schult.

In ihrem informativen und durch vielfältige praktische Beispiele lebendigen und eindrücklichen Vortrag stellte Spohr zunächst fest, dass sich das Konsumverhalten Jugendlicher in den vergangenen Jahren verändert hat. Alkoholkonsum nehme tendenziell eher ab, während Cannabis exponentiell zunehme. Legale sowie illegale Drogen stellten nicht nur aus Sicht der Expertin ein gesundheitliches Problem dar. Sie nahm zwischendurch immer wieder Bezug zum ausrichtenden Netzwerk. So äußerte sich Lisa König vom Lukas-Werk, dass der Konsum besonders bei jungen Klienten Auswirkungen auf die Entwicklung nehmen kann.

Nach Aussagen von Spohr führe speziell im Jugendalter ein anhaltender riskanter Konsum zu Verzögerungen, begünstige psychische Erkrankungen und trage häufig zu einem Verlust der Tagesstruktur bei. Besonderheiten in der Zeit einer Pandemie benannte Spohr ebenfalls. Durch fehlende soziale Kontakte und kaum stattfindende Freizeitaktivitäten sei das Risiko eines regelmäßigen Konsums erhöht. Es müsse bei Gesprächen über den Konsum von Cannabis im Jugendalter immer zwischen Anzeichen für einen riskanten Umgang und jugendtypischen Probierkonsum unterschieden werden. Die »Peergroup« habe in diesem Alter einen hohen Stellenwert und somit großen Einfluss. Spohr ging zudem kurz auf die rechtlichen Rahmenbedingungen ein, unter anderem auf die Problematik bezüglich einer Zulassung zur Führerscheinprüfung.

Polizeihauptkommissar Thomas Sindram vom Präventionsteam bekräftigte die Aussage der Referentin, dass ein Jugendlicher dem zuständigen Straßenverkehrsamt gemeldet werde, wenn er mit Cannabis Auffälligkeiten zeige. Dort gibt es die Möglichkeit der Entscheidung, dass vor Erteilung einer Fahrerlaubnis Abstinenznachweise (MPU – medizinisch-psychologische Untersuchung) zu erbringen und eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) zu durchlaufen sind, die mit hohem Kostenaufwand in Verbindung stehen.

Die Rolle der Eltern bei dem Thema war ein weiterer wichtiger Punkt. Spohr ging auf die Notwendigkeit klarer Regeln und Grenzen ein. Die Schwierigkeit bestehe häufig darin, dass Eltern sich auf die Ebene eines Freundes stellen, statt die Aufgaben von Erziehungsberechtigten wahrzunehmen. Beispielsweise könne und solle ein Elternteil auch bei eigenem Nikotinkonsum seinem minderjährigen Kind den Konsum von Zigaretten verbieten.

Die Referentin appellierte, dass Eltern ihren Kindern verdeutlichen müssen, dass es aufgrund der herrschenden Altersunterschiede auch gesetzliche Differenzen gebe. So sei zum Beispiel laut Jugendschutzgesetz der Konsum von Shisha-Tabak erst ab 18 Jahren gestattet; der Besitz von illegalen Drogen hingegen mit keinem Lebensalter zu rechtfertigen. Spohr verwies eindringlich auf die erzieherischen Fürsorgepflichten. Ferner galt der Appell, dass Erziehung etwas mit dem eigenen Vorleben zu tun habe. Es sei wichtig, mit den Jugendlichen im Gespräch zu bleiben und über Risiken und Folgen aufzuklären. Prävention, Information und Sensibilisierung bilden die Grundlage im Umgang mit diesem Thema. Hierfür kann das Präventionsnetzwerk »Jugendschutz – und DU?« im Landkreis Northeim jederzeit kontaktiert werden, hieß es zum Abschluss.oh

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