»Das Milchfass ist übergelaufen«

Landfrauen setzen bei der Erntedankaktion am 1. Oktober auf dem Marktplatz auch auf Informationen

Region. Für köstliche Marmeladen, Suppen oder Kuchen sind die Landfrauen bekannt. Bei der diesjährigen Aktion zum Erntedankfest, die unter dem Motto »Gesunde Lebensmittel zu gesunden Preisen« steht, wollen sie die Situation der Landwirtschaft besonders in den Fokus rücken. Und so hoffen sie, dass viele Bürger am Sonnabend, 1. Oktober, zwischen
8 und 13 Uhr ihren Stand vor der Marktkirche besuchen. Neben Informationen gibt es dort Kaffee, Kuchen und Suppen und Tiere zum Anfassen.

Die Landfrauen haben einen engen Bezug zur Landwirtschaft. Die Nahrungsmittelzubereitung und die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte stellten anfangs die Basis der Organisation dar. Der technische Fortschritt undder Wunsch nach geregelter und sicher entlohnter Arbeit aber hat innerhalb einer Generation die Dörfer verändert.

Die Politik, stellte Ingeborg Cramm, Kreisvorsitzende der Landfrauenvereine im Altkreis Einbeck fest, sehe das größte Wählerpotenzial bei denen, die die Bauern mit unhaltbaren Vorwürfen konfrontieren würden. Die Landfrauen stellen sich der Diskussion, vermitteln in Schulen und Kindergärten die verschiedensten landwirtschaftlichen Produktionsmöglichkeiten.

Eine weitere Aufgabe ist die Verarbeitung von Erzeugnissen zu hochwertigen Mahlzeiten. »Die geringe Wertschätzung unserer landwirtschaftlichen Produkte und das schwindende Wissen der Weiterverarbeitung des Rohstoffs zu gesunden Mahlzeiten stört uns.« Ebenso unverständlich seien die Preise für Grundnahrungsmittel wie Getreideprodukte, Gemüse, Eier, Fleisch- und Milchprodukte, die »große Handelsketten zu Ramschpreisen auf Kosten der Erzeuger anbieten«. Nach Meinung von Cramm stimme das Verhältnis der Lebensmittel zu Preisen für Genussmittel oder Dienstleistungen nicht mehr. Das und »überzogene Gesetze zum vermeintlichen Verbraucherschutz« führten dazu, dass Nahrungsmittel mittlerweile als Wegwerfware behandelt werden.

Massentierhaltung sei in aller Munde genauso wie Chicken Mac Nuggets oder argentinisches Rindersteak in besseren Res taurants. Wie die Argentinier eine gleichbleibende massenhafte Lieferung von Edelteilen des Rindes in aller Welt hinbekommen, werde aber wenig hinterfragt, kritisiert sie.

Cramm gibt zudem zu bedenken, dass die deutschen Bauern es im vergangenen Jahr geschafft hätten, eine Million Menschen mehr zu ernähren – ohne, dass es zu einem Nahrungsmittelengpass gekommen sei. Horst Danne, Vorsitzender des Northeimer Landvolks, hebt eine weitere wichtige Aufgabe der Landwirtschaft hervor: die Pflege und den Erhalt der Kulturlandschaft. Sinkende Preise und steigende bürokratische Auflagen aber machten den Bauern das Leben schwer. »Das Milchfass ist für die Bauern übergelaufen«, betont Cramm und hofft, dass die Landfrauen bei der Erntedankaktion mit vielen interessierten Bürgern über die Situation in der Landwirtschaft werden sprechen können.

Das Erntedankfest ist eines der ältesten Feste überhaupt. Früher lebten über 80 Prozent aller Menschen auf und vom Land. Im Winter waren sie von der eingebrachten Ernte abhängig. Deshalb dankten sie Gott am Ende der Erntezeit für das Gedeihenlassen der Früchte. Das Erntedankfest zeigt, dass das täglich Brot eben gar nicht so alltäglich ist, sondern hart erarbeitet werden muss.

Die Idee des Erntedankfestes geht wahrscheinlich auf vorchristliche Religionen zurück. Schon im Judentum und in römischen Religionen feierte man im Herbst die lebensnotwendigen, reichen Gaben der Erde. Das hier verbreitete Erntedankfest geht vermutlich auf römisches Brauchtum zurück und wird seit dem 3. Jahrhundert nach Christi Geburt gefeiert.Am Erntedankfest bedanken sich die Menschen bei Gott für die Erde und ihre Früchte und für die Fülle an Früchten und Nahrungsmitteln, die es gibt.

Die Landfrauen arbeiten mit dem Niedersächsischen Landvolk-Verband und der Landwirtschaftskammer zusammen und unterstützen sich gegenseitig bei Veranstaltungen, die die Bevölkerung dazu einladen, sich über die nachhaltige Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse vor Ort zu informieren.sts