Der Arbeitsmarkt macht Sommerpause

Saisonaler Anstieg der Arbeitslosigkeit in Südniedersachsen im Juli | Nachfrage hoch | Einbeck bei 5,8 Prozent

Region. Mit dem erwarteten saisonalen Anstieg der Arbeitslosenzahl geht der Juli im Bezirk der Agentur für Arbeit Göttingen zu Ende. Gegenüber Juni waren 624 Menschen mehr auf Arbeitsuche (plus 4,7 Prozent), die Zahl stieg somit auf insgesamt 13.821 Arbeitslose in den Landkreisen Göttingen und Northeim. Die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hält nichtsdestotrotz an, wie der Blick auf die Juli-Werte von 2017 bestätigt. Denn gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Zahl der Arbeitslosen um 512 (3,6 Prozent). Die Arbeitslosenquote beträgt derzeit 5,7 Prozent, sie liegt damit 0,3 Prozentpunkte unter dem Juli-Ergebnis 2017. Für den Geschäftsstellenbezirk Einbeck ergab sich ein Wert von 5,8 Prozent.

»Neben dem Januar ist der Juli klassischerweise unsere zweite Spitze im Jahresverlauf, wenn es um die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen geht«, erläutert Klaus-Dieter Gläser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göttingen, die aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt in der Region. »Im Juni und Juli melden sich viele Absolventinnen und Absolventen schulischer und außerbetrieblicher Ausbildungen bei der Arbeitsagentur und den Jobcentern arbeitslos.

Daher steigt die Zahl junger Arbeitsloser unter 25 in dieser Zeit immer sprunghaft an.« Im Juli stieg die Zahl der Arbeitslosen zwischen 15 und 25 Jahren um 24,4 Prozent (322) auf 1.641. »Allerdings wird der Großteil dieser jungen Fachkräfte schon bald den ersten Arbeitsvertrag unterschreiben, denn viele Betriebe suchen dringend gut ausgebildetes Personal«, prophezeit der Arbeitsmarktexperte.

Diese Prognose unterstützen auch die Meldungen, die aus den Betrieben kommen. Nach wie vor bewegt sich der gemeldete Bedarf an Arbeitskräften auf einem sehr hohen Niveau. Im Juli gaben Wirtschaft und Verwaltung 1.429 neue Anzeigen bei der Agentur für Arbeit auf, 53 mehr als im Juni. Der gegenüber Juli 2017 starke Rückgang der neu gemeldeten Stellen ist einem ungewöhnlich nachfragestarken Vorjahresmonat geschuldet.

Der Bestand offener Stellen wächst demgegenüber stetig an: Im zurückliegenden Monat warteten 4.602 Arbeitsofferten im Bestand auf Bewerber. Damit lag das Angebot mit 71 Stellen über dem Juni- und mit 189 über dem Juli-Wert 2017.

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Hier werden neben den Arbeitslosen zusätzlich die Personen ausgewiesen, die nicht als arbeitslos gelten, die aber beispielsweise im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden.

Die Unterbeschäftigung betrug nach vorläufigen Angaben im Juli 18.137. Der Wert sank damit um 1.022 beziehungsweise 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Wenn am heutigen Mittwoch die ersten Auszubildenden des Jahrgangs 2018 in den Betrieben Einzug halten, ist der Lehrstellenmarkt längst nicht zur Ruhe gekommen. Im Juli waren in Südniedersachsen noch 913 Ausbildungsstellen und 666 Ausbildungsplatzbewerber gemeldet. Allein im Landkreis Northeim waren es 321 Ausbildungsplätze und 215 unversorgte Bewerber.

Agenturchef Gläser wirbt dafür, dass Ausbildungsplatzbewerber ohne konkrete Perspektive sich schnellstmöglich bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit melden sollten. »Das geht am besten über unsere offene Feriensprechstunde in Göttingen, die wir am 7. August von 13.30 bis 15.30 Uhr im Berufsinformationszentrum der Göttinger Arbeitsagentur anbieten. Selbst wenn es mit einem Ausbildungsplatz nicht mehr klappen sollte, haben wir Angebote, um den Berufsstart im nächsten Jahr zu unterstützen.«

Sowohl im Landkreis Göttingen als auch im Landkreis Northeim stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Juni an, in beiden Landkreisen sank allerdings die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Nach den Rekordwerten der vergangenen Monate waren im Landkreis Northeim erstmals wieder mehr Arbeitslose bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter gemeldet als im Vormonat. Im Juli waren hier 3.868 Menschen arbeitslos, 194 (5,3 Prozent) mehr als im Juni. Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Zahl der Jobsuchenden allerdings um 252 (6,1 Prozent). Die aktuelle Arbeitslosenquote im Landkreis Northeim liegt bei 5,5 Prozent und damit 0,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert.

Im Geschäftsstellenbezirk Einbeck ist die Arbeitslosigkeit von Juni auf Juli um 32 auf 1.249 Personen gestiegen. Das waren 134 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug im Juli 5,8 Prozent; vor einem Jahr hatte sie bei 6,5 Prozent gelegen. Dabei meldeten sich 319 Personen neu oder erneut arbeitslos, 21 weniger als vor einem Jahr. Gleichzeitig beendeten 286 Personen ihre Arbeitslosigkeit, ein Rückgang um 36. Seit Jahresbeginn gab es insgesamt 1.950 Arbeitslosmeldungen, das war ein Minus von 209 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dem standen 2.008 Abmeldungen von Arbeitslosen gegenüber, ein Minus von 153.

Der Bestand an Arbeitsstellen ist im Juli um 60 auf 485 Stellen gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 190 Arbeitsstellen mehr. Arbeitgeber meldeten im Juli 151 neue Arbeitsstellen, 65 mehr als vor einem Jahr. Seit Januar gingen 868 Arbeitsstellen ein; gegenüber dem Vorjahreszeitraum war das ein Zuwachs von 214.

Die Statistik weist 664 Männer und 585 Frauen als arbeitslos aus; der Männeranteil lag somit bei 53,2 Prozent. 139 Personen oder 11,1 Prozent waren 15 bis unter 25 Jahre alt, 39 davon 15 bis unter 20 Jahre. 453 Personen waren 50 Jahre und älter, der Anteil an der Gesamtarbeitslosenzahl lag bei 36,3 Prozent. Davon waren 300 Personen 55 Jahre und älter. Bei 41 Prozent beziehungsweise 512 Personen lag der Anteil der Langzeitarbeitslosen. 59 Arbeitslose wurden als schwerbehindert geführt, 203 waren Ausländer. Den Weg in die Arbeitslosigkeit traten 319 Personen an, 109 davon aus Erwerbstätigkeit, 113 aus einer Ausbildung oder einer Maßnahme. Seit Jahresbeginn waren es insgesamt 1.950. 286 Personen konnten sich aus der Arbeitslosigkeit abmelden. 77 davon nahmen eine Erwerbstätigkeit auf, 72 gingen in eine Ausbildung oder eine sonstige Maßnahme.

Die Arbeitslosigkeit im Rechtskreis Sozialgesetzbuch III (Arbeitsförderung) ist von Juni auf Juli um 43 auf 392 Personen gestiegen; das waren 67 Arbeitslose weniger als im Vorjahresmonat. Im Rechtskreis Sozialgesetzbuch II (Grundsicherung) hat sich die Arbeitslosigkeit von Juni auf Juli um elf auf 857 Personen verringert. Das waren 67 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr.ek/oh