Die Schließung war der richtige Schritt

Friseur-Obermeister Erkert: Risiken der Corona-Ansteckung vermeiden | Innung hilft Mitgliedern bei Regularien

Die Kunden müssen aushalten und abwarten oder selbst Hand anlegen, was möglicherweise mit dem Tragen einer Mütze endet: Die Friseursalons haben aufgrund der Corona-Krise derzeit und mindestens noch bis zum 19. April geschlossen. Die Betriebe erhalten, sofern sie Mitglied der Innung sind, Informationen dazu, wie sie beispielsweise mit Kurzarbeitergeld durch diese wirtschaftlich kritische Phase kommen.

Region. Wohl dem, der die ersten März-Wochen noch für einen Friseurbesuch genutzt hat. Inzwischen sind die Salons, die von der ersten Schließungsanordnung der Landesregierung ausdrücklich ausgenommen waren, jedoch auch »dicht«. Die Betriebe, in denen kurz vor diesen Feiertagen traditionell Hochbetrieb beim Kreieren von Frühlingsfrisuren herrschen sollte, sind schlagartig ausgebremst worden. Was das bedeutet, darüber hat die Einbecker Morgenpost mit Hans-Jürgen Erkert gesprochen, Obermeister der Friseur-Innung Northeim-Einbeck in der Kreishandwerkerschaft.

Der Hardegser Friseurmeister betont, alle Innungsmitglieder würden mit den notwendigen Informationen zum richtigen Verhalten in der Corona-Krise gut versorgt, sowohl über die Innung beziehungsweise den Landesinnungsverband, als auch über die Kreishandwerkerschaft. Alle erforderlichen Formulare, etwa zum Kurzarbeitergeld, seien per Email übermittelt worden. Das sei bestens organisiert und eine wichtige Hilfe, um gut über diese Zeit zu kommen.

Er sei, berichtet der Friseur-Obermeister, schon seit Beginn der Corona-Infektionswelle ein Verfechter für die Schließung der Salons gewesen. Er habe kein Verständnis dafür gehabt, dass in der Branche, in der man den gebotenen Abstand zum Kunden gar nicht einhalten könne, so lange geöffnet bleiben durfte. Zudem habe es auch einen Flickenteppich gegeben: Während im Landkreis Northeim schon niemand mehr arbeiten durfte, seien die Geschäfte im Landkreis Göttingen, wo die entsprechende Verordnung später veröffentlicht wurde, noch geöffnet gewesen. Inzwischen sei man aber einheitlich zu einer Schließung gekommen, und er finde es richtig, jetzt auch »die Füße still zu halten.«

Alternativen gebe es dazu ja nicht, sagt Hans-Jürgen Erkert. Eindringlich warnt er davor, Hausbesuche zu machen: »Wer erwischt wird, ist dran wegen des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz, und da gibt es keine Ausnahme.« Diese Regeln würden für alle gelten, und da dürfe man kein Risiko eingehen. Es könne doch niemand wollen, dass jemand angesteckt werde – mit den entsprechenden möglicherweise lebensgefährlichen Folgen.

In der Friseurbranche sei, wie in vielen anderen Berufen, die finanzielle Decke dünn, die Probleme würden sich ähneln. Aber auch angesichts dieser Situation sei er nicht dafür, die derzeitigen Verbote vorzeitig zu lockern.

Und für die Zeit nach den Kontakteinschränkungen, wenn die Salons wieder öffnen dürfen? »Dann ist ein Berg Haare wegzumachen«, lacht er. Bis dahin müsse man zusammenrücken und sich bewusst machen: »Wir sehen über die Zeit eben alle nicht besser aus.«

Nicht jeder wird sich trauen, jetzt selbst die Schere anzusetzen, sondern stattdessen beispielsweise damit leben, die Haare etwas wachsen zu lassen, sie zusammenzubinden oder sich mit Mütze oder Tuch zu behelfen.

In der Corona-Krise sieht der Obermeister eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Katastrophe. Vielleicht könne diese schwere Zeit auch die Bedeutung der Innungen unterstreichen, von denen es Informationen und Hilfen gebe, die sich andere Betriebe nur mühsam beschaffen könnten; denn das gelte nicht nur in dieser Zeit, sondern die Mitglieder könnten sich da gut versorgt fühlen.

»Wir machen das ja nicht aus Jux und Tollerei«, unterstreicht er die Notwendigkeit der Schließung, welche die richtige Vorsichtsmaßnahme sei. Wenn es sich dennoch herausstellen sollte, dass man falsch gelegen habe, lasse er sich aber gern belehren. Bis dahin ist es ihm wichtig, auf Nummer sicher zu gehen.ek

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