Kreistag

Große Zustimmung für Verkauf

Allgemeiner Rettungsverband Südniedersachsen erwirbt Jugendfreizeitheim Silberborn

Dem Verkauf des Jugendfreizeitheims Silberborn an den Allgemeinen Rettungsverband Südniedersachsen stimmte der Kreistag mehrheitlich zu.

Northeim. Das Jugendfreizeitheim Silberborn wird für einen Euro an den Allgemeinen Rettungsverband Südniedersachsen (ARSV) verkauft, dem stimmte der Kreistag bei seiner Sitzung in der Northeimer Stadthalle mehrheitlich zu. Im Vertrag steht eine Regelung, die sicherstellt, dass im Fall einer Weiterveräußerung innerhalb von sieben Jahren 50 Prozent des Unterschiedsbetrages zwischen dem aktuellen und dem zukünftigen Verkaufspreis an den Landkreis Northeim geht. Im selben Zeitraum erhalten Vereine und Verbände aus dem Landkreis zehn Prozent Nachlass bei Aufenthalten in Silberborn.

In der Sitzung am 8. Juni 2018 entschied der Kreistag, den Betrieb einzustellen. Nachdem ein dagegen durchgeführter Bürgerentscheid keinen Erfolg hatte, wurde die Einrichtung zum 1. Februar 2019 geschlossen. Kaufangebote, die darauf abzielen, die Liegenschaft konzeptionell als Einrichtung der Jugendhilfe zu führen, hatten bessere Chancen.

Am 7. Mai 2019 wurde das Exposé für die Liegenschaft auf der Internetplattform Immobilienscout24.de veröffentlicht sowie in zahlreichen Medien darauf hingewiesen. 1.306 Exposé-Aufrufe gab es. Parallel wurden vereinzelte potenzielle Interessenten direkt auf die Ausschreibung hingewiesen.
Aus der Summe der Bemühungen ergaben sich sechs Anfragen, die zu zwei Angeboten führten. Es handelte sich dabei um welche des Allgemeinen Rettungsverbandes Südniedersachsen (ARSV) und des Ferienwerks Kurhessen. Beide Bieter stellten ihre Organisation und ihr geplantes Konzept im Jugendhilfeausschuss vor und beantworteten Fragen.

Die Anzahl der Angebote fiel bedauerlicherweise nur gering aus, so Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. Auch nach Rücksprache mit Fachleuten im Bereich der Immobilienvermarktung hielt sie es nicht für zielführend, von einer Zuschlagserteilung abzusehen und weitere Vermarktungsversuche durchzuführen. Der Jugendhilfeausschuss entschied sich für den Verkauf an den ARSV, der neben Eigennutzung mit Sanitiäts- oder Katastrophenschutzkursen auch die Weiterführung der Vermietung wie im bisherigen Umfang plant.

Christina Münder, SPD, Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, monierte, dass seit der Präsentation der Kaufinteressenten verschieden Akteure – unter anderem vom Turnkreis Northeim-Einbeck, der mit den Bürgerentscheid 2019 initiierte –, jetzt versuchten, das Thema wie einen »Eintopf aufzukochen« und Stimmung zu machen. Das von ihnen erwartete Echo der Bürger blieb aber aus.

Der ARSV will zukünftig das Objekt zweigleisig nutzen; für eigene Belange sowie als Jugendfreizeitheim im bisherigen Sinn, so Münder. In den ersten Jahren erfolgen schon Investitionen von mehr als 300.000 Euro. Das teilweise unverständlich titulierte »Filetstück« habe einen hohen Sanierungsbedarf, Brandschutzmängel und keine Barrierefreiheit.

Vor dem Hintergrund hat der Jugendhilfeausschuss mehrheitlich empfohlen, das Objekt an den ARSV zu veräußern. Silberborn werde nicht für »einen Euro verschleudert«, dies zu behaupten, sei unredlich und unverschämt.

In den vergangenen Jahren gab es sechsstellige Defizite, die es aufzufangen galt. Der Preis regele sich aus Angebot und Nachfrage. Es existierten keine »Heerscharen« von Interessenten für das angebliche »Filetstück«, das man mit dem Sanierungsbedarf eher als solides »Kotelett« bezeichnen müsste. Für Turnkreis oder BUND bestand die Möglichkeit, auch Angebote abzugeben; das sei nicht erfolgt, so Münder. Jetzt auf die guten Zahlen des Haushalts 2018 zu verweisen, um einen Verkauf zu verhindern, erachtete sie als unverständlich. Durch die Corona-Pandemie stehen schwierige Zeiten bevor. Erfreulich sei, dass es dennoch Interessenten wie den ARSV gebe, die Silberborn erwerben wollen. Dafür sei zu stimmen, betonte Münder.

Aus der Einrichtung wieder »Leuchtturm« machen

Gegen die Veräußerung an den ARSV sprach sich Lothar Baumelt von der Gruppe Die Linke/Northeim 21 aus. Er wünschte eine erneute Ausschreibung. Das wurde mehrheitlich abgelehnt. Sein Vorschlag, in den Vertrag aufzunehmen, dass das Jugendfreizeitheim an keine religiöse und politische Gruppe, die im Konflikt mit dem Verfassungsschutz stehe, verkauft werden darf, fand große Zustimmung.

Gegen den Verkauf war Karen Pollock, Grüne. Die Aufgabe der Jugendhilfe liege beim Landkreis, mit Silberborn könnte man weiter gute Möglichkeiten bieten. Das Jugendfreizeitheim im Solling sei nicht aus der Mode gekommen, betonte sie. Gewünscht werde, es weiter in kommunaler Hand zu belassen.

Durch den Verkauf gebe es die Chance, so Hans-Dieter Kreitz, CDU, aus der Einrichtung wieder einen »Leuchtturm« zu machen, der auch für Gruppen aus dem Landkreis interessant ist. In den kommenden Jahren gebe es Rabatte für Aufenthalte von Vereinen und Verbänden. Ein gutes Konzept wurde vom ARSV präsentiert.

Ähnlich sah es Marc Hainski, GfE. Als Landkreis habe man eine Verantwortung für die Bürger. Schwer sei, die defizitäre Einrichtung offenzuhalten. Mit dem ARSV habe man einen guten Nachnutzer gefunden. Dem stimmte Irnfried Rabe, FDP, zu. Es gebe kaum noch Objekte in kommunaler Trägerschaft. Jugendlichen kommt nichts abhanden, sie können weiter nach Silberborn fahren.

Mit großer Mehrheit bei nur vier Enthaltungen und vier Gegenstimmen, beschloss der Kreistag den Verkauf des Jugendfreizeitheims an den ARSV.mru

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