Jetzt soll es »Schlag auf Schlag« weitergehen

Bürgermeister, Bauamtsleiter und Kreistagsabgeordnete: Info-Veranstaltung der Telekom zu Breitbandausbau

Bürgermeister, Bauamtsleiter sowie Kreistags­abgeordnete hatten Gelegenheit, sich zum aktuellen Stand zum Thema Breitbandausbau im Landkreis Northeim zu informieren.

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel sprach von einem Tag, an dem sich ein langersehnter Wunsch erfüllt habe: Sie hatte am späten Mittwochnachmittag Bürgermeister und Bauamtsleiter der Städte und Gemeinden des Landkreises sowie Kreistagsmitglieder ins Kreishaus eingeladen, um das Projektmanagement sowie Ausbau- und Ablaufplanung für den Breitbandausbau vorzustellen. Und drei Stunden vorher habe der Bund die endgültige Förderzusage gegeben, freute sie sich. Der Landkreis Northeim investiere 9,6 Millionen Euro in dieses Vorhaben, und 5,8 Millionen Euro kommen als Förderung vom Bund.

Region. Das habe das eine oder andere graue Haar gekostet, aber jetzt könne man diesen weiteren Meilenstein setzen und die gestellten Aufgaben als fast abgearbeitet betrachten, betonte sie. Kurzfristig sei auch die Förderzusage des Landes zu erwarten. Die Vorbereitungszeit sei lang gewesen, zu lang, aber jetzt gehe es daran, die weißen Flecken auf der Karte des schnellen Internets zu beseitigen. Zu viele Institutionen waren einzubinden, damit sei unnötig viel Sand ins Getriebe gekommen. Insgesamt seien die Verzögerungen schwierig zu erklären, zumal eine zeitgemäße Internetverbindung wichtig sei für den ländlichen Raum.

Die jetzt angestrebte FTTC-Technik könne nur ein Zwischenschritt sein auf dem Weg zu einer Gigabit-Abdeckung, die schon als erforderlich erkannt werde. Die Bundesregierung habe angekündigt, das bis 2025 umzusetzen. Dazu müsse das Verfahren aber vereinfacht werden: Eine Stelle mit der fachlichen und rechtlichen Kompetenz, das wäre optimal. Als Landkreis Northeim wolle man gern den Beitrag dafür leisten, wenn es um den weiteren Ausbau gehe. Für den bisherigen Stand dankte sie den Abgeordneten Dr. Roy Kühne und Uwe Schwarz für ihre Unterstützung.

Für die Telekom, die das Vorhaben umsetzen wird, stellten Dieter Schulz, Martin Prescher und Jens Göppert das Projekt vor. Der Breitbandausbau im Landkreis Northeim sei die größte Aufgabe, die die Telekom in Niedersachsen zu bewältigen habe, führte Schulz vom Infrastrukturbetrieb aus Hannover aus, zuständig für den Ausbau in Südniedersachsen: 16.000 Haushalte seien unterversorgt, das wolle man in zwölfmonatiger Bauzeit ändern. Dazu seien etwa 200 Bauten zu setzen, die grauen Verteilerkästen. Mehr als 1.100 Kilometer Glasfaserkabel müssen verlegt werden, die Ladung von zehn Lastwagen.

»Insgesamt werden wir ein  Fußballfeld voller Material benötigen«, so Schulz. Dass das Unternehmen das schaffe, betonte Martin Prescher. Für dieses Jahr liege das Ziel bei 60.000 Kilometern Glasfaserkabel, doppelt so viel wie 2015 und 2016. Das funktioniere nur, wenn man auch auf alternative Ausbaumethoden setze - mit klassischem Tiefbau allein sei diese Menge nicht zu schaffen.

In der Ausschreibung hat der Landkreis Northeim festgelegt, dass 100 Prozent mit mindestens 30 MBit pro Sekunde im Download versorgt werden müssen, mindestens 95 Prozent davon über Vectoring mindestens 50 MBit. In ausgewiesenen Gewerbegebieten soll eine FTTH-Versorgung mit mindestens 100 MBit ermöglicht werden. Realisiert wird das innerhalb von zwölf Monaten nach Vertragsunterzeichnung - auch das, so Schulz, eine Riesenherausforderung. Für nur unwesentlich größere Bereiche habe man immerhin 24 Monate Zeit. »So etwas Großes haben wir noch nicht gehabt in Niedersachsen. Aber wir können das«, zeigten sich die Unternehmensvertreter zuversichtlich.

Unter anderem werden 652 Kilometer Speednetrohrverbände verlegt und 116 Lehrrohre. 1.177 Kilometer Glasfaserkabel sollen eingeblasen werden. Da das Vorhaben zu groß für eine Baufirma sei, habe man zwei Ausbaugebiete – Nord und Süd – gebildet; Firmen könne man allerdings noch nicht benennen.

Im Rahmen des Vectoring-Ausbaus, der schneller und günstiger ist als reiner Glasfaser-Ausbau, wird die Glasfaser bis an die Bordsteinkante gelegt. Ein neues Glasfasernetz wird von der Vermittlungsstelle bis zum Multifunktionsgehäuse am Straßenrand verlegt. Hier werden Signale umgewandelt, und die Daten werden über bestehende (Kupfer-)Leitungen zum Kunden geschickt. Kupfer bleibe unter anderem deshalb, weil man ziemlich schnell ziemlich viel versorgen müsse.

An Verlegetechnologien steht unter anderem das Spülbohr-Verfahren zur Verfügung, das nahezu ohne Tiefbau funktioniert. Oberflächen werden dabei geschont. Es ist allerdings nicht geeignet für Trassen mit zahlreichen Abzweigungen. Weitere Möglichkeiten sind das Kabelpflugverfahren, etwa hinter Leitplanken, oder Trenching: Dabei wird in kleinem Umfang gesägt oder gefräst. Der Vorteil ist hier auch die Schnelligkeit. Strecken von mehreren 100 Metern pro Tag sind damit möglich.

Aktuell braucht die Telekom zum Start noch die Bauvorgabe des Landwirtschaftsministeriums in Hannover. Vor Ort sind die Behörden gefordert, um beispielsweise die Stellen für die Verteilerkästen festzulegen. »Schlanke« Verwaltungsvorgänge sollen dazu beitragen, auch hier Zeit zu gewinnen. Anträge zur Trassen- und Wegesicherung sollten schnell abgearbeitet werden, so das Anliegen der Telekom für das Genehmigungsverfahren für die Standorte, wozu übrigens auch die obligatorischen Baustellenschilder gehören.

Man sehe das als Gemeinschaftsprojekt, machten die Telekom-Vertreter deutlich, die Gespräche mit den Kommunen sollen möglichst schon im Juni/Juli erfolgen. Die nächsten Schritte sind die Einrichtung der Standorte und Trassen zur Genehmigung, die kommunale Beteiligung, Bauantrittsgespräche in den Städten und Gemeinden, Trassenbegehungen, Standortsuche vor Ort, Baustellenbeschilderung und schließlich der Baubeginn unmittelbar nach Erlass der Zuwendungsbescheide - mit dem öffentlichkeitswirksamen ersten Spatenstich.

Wenngleich der CDU-Kreistagsabgeordnete Dirk Ebrecht sein Kritik-Mantra – zu spät, zu langsam, nichts Neues – anbrachte, überwog doch die positive Grundstimmung: »Das ist ein Supertag für den Landkreis, wir haben ein Etappenziel erreicht«, machte Ralf Buberti, Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt, deutlich. Man fange jetzt an mit der Planung, und die sofortige Umsetzung werde folgen; »in Kürze« gehe es los, bestätigte Dieter Schulz.

Wünschenswert für die Bürger sei etwa eine interaktive Karte, mit der deutlich werde, wann sich was tue. Den Ablaufplan, sagte Schulz zu, kenne man in drei bis vier Wochen, und die Erkenntnisse könnten dann auch von den Bürgern abgerufen werden.

Sie sei fest davon überzeugt, dass es jetzt Schlag auf Schlag weitergehe, betonte die Landrätin: Man sei jetzt schon viel weiter als noch vor vier Wochen.ek

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