Lebenswert und nachhaltig in die kommenden Jahre

Auftaktveranstaltung: LEADER-Förderperiode | Entwicklungskonzept fortschreiben | Bürgerideen gefragt

Zu den Projekten, die in der zu Ende gehenden Förder­periode finanziert wurden, gehört unter anderem der Bewegungsparcours der Harz-Weser-Werke in Dassel, der 2019 eröffnet wurde.

Region. Weitere innovative Projekte umsetzen in der LEADER-Region Harzweserland, dem Landkreis Northeim, und dafür Fördermittel für die nächsten Jahre sichern: Dazu hat es jetzt eine Auftaktveranstaltung gegeben. In der kommenden Förderperiode ab 2023 stehen 3,9 Millionen Euro zur Verfügung. Voraussetzung ist, dass bis zum 30. April dieses Jahres eine Fortschreibung des Regionalen Entwicklungskonzepts (REK) beim Land eingereicht wird. Die ersten Schritte sind dazu mit Erfolg eingeleitet worden; die Bürger vor Ort sind aber weiter zur Beteiligung aufgerufen, um die Vorhaben auf eine breite Basis zu stellen.

»Liaisons entre actions de développement de l`économie rurale«, »Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft«, dafür steht das europäische Förderprogramm LEADER. Vereinfacht heißt das: »Landbewohner stärken ihre Region«. Die Menschen vor Ort wissen am besten, was ihrer Region gut tut – und dafür bekommen sie Unterstützung von der EU-Kommission. Bereits seit 2014 profitiert der Landkreis Northeim als Förderregion Harzweserland davon. Jetzt geht es darum, Chancen und Mehrwert weiter zu steigern. »Wir wollen die Region mit Ihren Anregungen stärken und sie zukunftsfähig und nachhaltig aufstellen«, sagte Julia Gottlieb, Vorsitzende der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) der LEADER-Region und Dezernatsleiterin Bauen und Umwelt des Landkreises Northeim, zum Online-Auftakt. Die große Zahl von mehr als 80 Teilnehmern zeige, dass diese Idee aufgegriffen werde. »Nur gemeinsam können wir es schaffen, uns für die Zukunft aufzustellen.«

Austausch, Vernetzung und Kooperation sind erforderlich, die Heimatregion zu stärken. Auf diese Weise werde aus eins und eins mehr als zwei, stellte Stephanie Rahlf von KoRiS, dem mit der Fortschreibung des REK beauftragten Büro aus Hannover, fest. Die Förderquote liege bei bis zu 80 Prozent. Antragsberechtigt seien alle Personen und Zusammenschlüsse, und es gebe positive Neuerungen: dass Startprojekte ins REK aufgenommen würden, man also schnell Erfolge sehen könne, und dass jetzt auch die Städte Teil der LEADER-Region seien; bislang seien Orte ab 10.000 Einwohner davon ausgenommen. Es seigut, die Städte mitzunehmen, denn so könne man auch Quartiere in den Blick nehmen.

Bisher wurden die Querschnittsthemen Mobilität und Daseinsvorsorge, Tourismus und Freizeit, Umwelt, Energie, Land- und Forstwirtschaft sowie Wirtschaft, Bildung Arbeitsmarkt behandelt. Das soll, allerdings mit Anpassungen, fortgeführt werden.

In einer Talk-Runde haben zum Auftaktabend bisherige Mitwirkende über ihre Erwartungen, resultierend aus den bisherigen Erfahrungen, berichtet. Ländliche Entwicklung, da waren sie einig, sei eine Daueraufgabe. Die Herausforderungen blieben bestehen, wenngleich die Region vorangekommen sei. Als neue Herausforderung zeichne sich Klimaschutz immer stärker ab, und auch Mobilität strahle in viele Bereiche. Von der Pandemie habe der ländliche Raum durchaus profitieren können: Arbeiten auf dem Land sei durch Homeoffice-Möglichkeiten attraktiver. Man könne hier gut leben, wohnen und arbeiten, und LEADER helfe dabei, die Voraussetzungen dafür zu verbessern. Dass eine gute Struktur bereits vorhanden sei, mache es für die nächste Förderphase einfacher. Auch die Stärkung von gemeinsamschaftlichem und ehrenamtlichem Engagement habe sich durch verschiedene Projekte verbessert, hieß es weiter. Potenzial gebe es beispielsweise noch bei der Stärkung von Wertschöpfungsketten: aus dem Solling statt als Import. Mit dem, was man bisher angefasst habe, sei man jedoch noch nicht fertig – und weitere gute Themen würden hinzu kommen.

Dabei nützt das beste Konzept nichts, wenn die Akteure vor Ort nicht eingebunden sind. Das gilt beispielsweise, wenn man neue Aspekte wie Klimaziele einbezieht. Neu zu bedenken, ergänzte die LAG, seien auch die Coronafolgen, die Pandemie habe beispielsweise bei der Kultur tiefe Einschnitte hinterlassen – wie werde man damit umgehen, welche Chancen könnten sich für das Harzweserland ergeben? LEADER, da war man einig, habe interessante Entwicklungen in Gang gesetzt.

Geht es um Visionen für 2030, haben die Akteure ein Interesse, dass bis dahin vielfältige Projekte umgesetzt werden und die Region modellhaft vermarktet werden kann, dass sie innovativ, vernetzt, lebenswert und nachhaltig aufgestellt ist. Bedarfsgerechte alternative Mobilität ist verfügbar, und das Bewusstsein ist gestärkt. Wichtig ist ebenfalls eine voll digitalisierte Infrastruktur.

»Was schwirrt Ihnen da im Kopf herum?«, auf diese Frage hin formierte sich aus den Gedanken der Teilnehmer eine »Wortwolke«. »Nachhaltig«, »lebenswert«, »digital«, »klimaneutral«, »attraktiv« »sozial gerecht« oder »innovativ« standen dabei an zentraler Stelle.

In Arbeitsgruppen sind die Querschnittsthemen bereits beleuchtet worden – mit Stärken, Schwächen und künftigen Ideen. In sogenannten Padlets, die noch bis zum 18. Januar, 22 Uhr, für Interessierte geöffnet sind, kann man die Ergebnisse anschauen und sie um weitere Vorschläge ergänzen, erreichbar unter padlet.com/Ko­RiSHan­nover/­REK_HWL. Anregungen würden so nicht verloren gehen: Je mehr Ideen, desto besser, hieß es.

»Das fortgeschriebene REK wird vielfältig«, das sei für sie nach der angeregten ersten Diskussion klar, freute sich Julia Gottlieb. »Das Konzept wird unsere Bibel, daraus entsteht unser Förderkonzept.« Das Besondere an LEADER sei, dass man viele Ideen einbringen könne. So hab man das denkbar breiteste Spektrum an Förderung. Zudem seien die Möglichkeiten der Antragstellung weit offen: Privatleute, Kommunen, Vereine, alle könnten Anträge stellen und sich somit im Konzept wiederfinden. Man habe zwar einen ehrgeizigen Zeitplan, aber auch ein erfahrenes Büro als Projektpartner. »Sie haben das Wissen, wir sind die Akteure«, wandte sie sich an interessierte Bürger, sich unbedingt weiter einzubringen. Die Projektwerkstatt dazu wird am 22. Februar ab 18 Uhr digital laufen.sts

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