Mit Emotionen begeistern

Rainer Guse beim Gildentag: Führung muss Digitalisierung gestalten

Mit einem Präsentkorb mit regionalen Leckereien bedankte sich Kreishandwerksmeister Ulrich Schonlau (links) bei Rainer Guse, dem Festredner des Gildentages.

Northeim. Mit Digitalisierung hat sich der Festredner des Gildentags der Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck, Rainer Guse, in der Northeimer Stadthalle beschäftigt. Der Inhaber der GEDANKENtanken-Akademie hat sich die Schulung und Weiterentwicklung von Führungskräften zum Ziel gesetzt, denn: Führungskraft hat man in der Regel nicht gelernt, und umso wichtiger ist das Wissen zum richtigen Umgang mit Mitarbeitern, gerade auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung.

Er arbeite, so Rainer Guse, der in Dassel zuhause ist, branchenunabhängig: »Führung ist überall das gleiche.« In den Betrieben gebe es einen Schnitt durch die Generationen, zwischen On- und Offlinern. Die Babyboomer seien mit anderen Regeln aufgewachsen als die sogenannten Generationen Y oder Z. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, Verständnis zwischen Alt und Jung zu schaffen, wenn komplett unterschiedliche Werte gelebt würden. Zudem gebe es unterschiedliche »Typen«, etwa ziel-, erlebnis- oder beziehungsorientierte Menschen sowie rationale Denker. »Und dann kommt noch die Digitalisierung dazu.«

Eine Führungskraft, so Guse, müsse Menschen mögen, man müsse sie im Herzen erreichen. Ein Schlüssel dabei sei, wie sehr jemand mit seinem Unternehmen emotional verbunden sei. Bei den Teilnehmern des Gildentags gehe er davon aus, dass sie zu den 15 Prozent der Engagierten gehörten. 71 Prozent der Beschäftigten seien, so eine Studie, nur »wenig« verbunden, sie kämen in »freizeitorientierter Schonhaltung« zur Arbeit. Und 14 Prozent identifizierten sich gar nicht mit dem Betrieb. »Das können wir uns nicht mehr erlauben, denn eine wesentliche Wachstumshürde ist derzeit mangelndes Personal.« Das Handwerk solle den sprichwörtlichen goldenen Boden behalten, und so gebe es einen Kampf um Talente auf einem Arbeitnehmer-Markt. Auch Digitalisierung werde die Arbeit verändern, und Aufgabe der Führung sei es, diese Veränderung zu gestalten. Ein Arbeitgeber müsse attraktiv sein – in einer Zeit, in der Meister den Auszubildenden hinterherlaufen würden. Menschen mit Emotionen zu begeistern, sei dabei wichtig.

Arbeitsplätze, die der Computer in den nächsten Jahren nicht übernehmen werde, seien die, in denen es auf Sympathie, Empathie und soziale Kompetenzen ankomme. Bei aller Digitalisierung sollte man bewährte Methoden nicht vergessen, etwa Klarheit und Lob und Anerkennung, wobei man vieles richtig, aber auch einiges falsch machen könne.

Vernünftiger Einsatz von Digitalisierung mache es möglich, dass die Handwerker, insbesondere die Führungskräfte, nicht mehr nur in, sondern an ihrem Unternehmen arbeiten könnten. Allerdings sei es beim Vorankommen in dieser Technik nicht 5 vor 12, sondern 10 nach halb eins, mahnte er.ek