Ausschuss für Soziales und Gesundheit des Landkreises

Seit zwei Jahren in der Pandemie-Bekämpfung

Situation und Weiterentwicklung der Gesundheitsdienste dargestellt | Lageabhängige Planung

Mit der Situation und der Weiterentwicklung der Gesundheitsdienste im Landkreis Northeim hat sich der Ausschuss für Soziales und Gesundheit des Landkreises Northeim bei der jüngsten Sitzung beschäftigt. Dabei stellte die Bewältigung der Corona-Pandemie den Schwerpunkt des Berichts dar.

Landkreis. Man habe hier, so Dezernent Jan-Christopher Linck, einen Bericht über zwei Jahre Pandemie-Bekämpfung vorliegen. Diese Zeit habe unter anderem gezeigt, dass viele Anforderungen sich tagesaktuell ändern würden. Mit Blick darauf, was vielleicht noch kommen könne, sei ein Konzept derzeit schwierig. Der Landkreis Northeim, betonte er, sei dabei nicht mit dem Faxgerät unterwegs, wie es in der öffentlichen Diskussion oft dargestellt werde, sondern man sei »fast vollständig digital«. Positiv sei zu erwähnen dass die amtsärztliche Besetzung sich inzwischen auf zwei Kräfte verdoppelt habe, und demnächst seien es drei Mediziner. Es sei ein guter und breit aufgestellter Gesundheitsdienst im Landkreis etabliert, betonte er.

Mitarbeiterzahl von 36 auf 79 erhöht

Die Landrätin war Ende 2022 beauftragt worden, ein Konzept für den Öffentlichen Gesundheitsdienst unter Beachtung des Paktes von Bund und Ländern zu erarbeiten und vorzulegen. Dabei sollten Personal- und Raumbedarf, Personalgewinnung, Aufgabenstellung und -erfüllung sowie der weitere Ausbau der Digitalisierung dargestellt werden. Die weitere Ausgestaltung eines Konzepts betreffe vor allem die Zeit nach der Corona-Pandemie – das befinde sich derzeit noch im Aufbau. Mit der angespannten Infektionslage, dem Aufbau mobiler Impfteams und der Bewältigung der originären Aufgaben der Gesundheitsdienste in realisierbarem Umfang seien die Kapazitäten ausgereizt.

Im Januar 2019 hatten die Gesundheitsdienste 36 Mitarbeiter; im Dezember 2021 lag diese Zahl bei 79. Das Stammpersonal wurde durch die Einstellung von zwölf Personen für die Kontaktnachverfolgung sowie Personal für neue Aufgaben aufgestockt: für die Erteilung von Absonderungsbescheiden, auf die Ausstellung von Genesenennachweisen, die Beauftragung und Überwachung von Testzentren und die Bereitstellung mobiler Impfteams. Auch aus anderen Bereichen der Kreisverwaltung haben Mitarbeiter die Gesundheitsdienste zeitweilig unterstützt. Zehn Bundeswehrsoldaten sind ebenfalls dazu im Einsatz gewesen. Die Zahl der Resturlaubstage ist auf fast 500 angewachsen. Die Raumplanung orientierte sich am Personalbedarf; derzeit werden Räume im Kreisschulungszentrum der Feuerwehrtechnischen zentrale genutzt, weil die Räume am Wolfshof nicht ausreichen. Im Zuge der rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante sei nicht damit zu rechnen, dass das Corona-Management zum 31. März zu beenden wäre, hieß es weiter.

Von Mitte Oktober bis Mitte Januar 25.659 Impfungen durch mobile Teams

Seit Oktober waren zwei mobile Impfteams im Landkreis unterwegs, zwei weitere Teams wurden im Dezember eingesetzt. Inzwischen sind seit Januar sechs Teams im Landkreis aktiv. Dadurch wurden niedrigschwellige lokale Angebote aufgebaut. In den Impfstationen in Wolbrechtshausen, Einbeck und Northeim werden Impfangebote auch für Kinder ab fünf sowie Boosterimpfungen angeboten.

Von Mitte Oktober bis Mitte Januar haben die mobilen Impfteams von Arbeiter Samariter-Bund und Johanniter-Unfallhilfe im Landkreis 25.659 Impfungen durchgeführt.

Im März 2021 wurden die kostenfreien ­Bürgertests eingeführt. Seitdem wurden im Landkreis 206.731 Antigen-Schnelltests durchgeführt, unter anderem 23.775 bei den Johannitern in Einbeck.

»Hut ab, Sie haben alle einen guten Job gemacht«

Eine sinnvolle Planung zur Zukunft der Gesundheitsdienste sei von verschiedenen Faktoren abhängig, so der Ausblick. Die Konzeption hänge auch von der selbst nach zwei Jahren Pandemie-Erfahrung immer noch ungewissen Entwicklung ab. Solange die Pandemie in der aktuellen Form anhalte, seien die von den Gesundheitsdiensten wahrgenommenen Aufgaben kaum mehr mit denen in »Friedenszeiten« vergleichbar. Es werde sicherlich ein »neues Normal« im Öffentlichen Gesundheitswesen geben, dessen Ausgestaltung noch ungewiss sei. Insbesondere sei eine Neuausrichtung des Infektionsschutzes und der damit einhergehenende Tätigkeiten der Gesundheitsdienste zu erwarten, möglicherweise auch eine vollständige Umstrukturierung. Sobald es die Rahmenbedingungen zulassen würden, werde eine Organisationsuntersuchung vorgenommen. Bis dahin sei eine ständige, lageabhängige Fortentwicklung operativer Teilbereiche der einzige verfügbare Handlungsweg.

Dies sei eine gute Gelegenheit, den Gesundheitsdiensten einmal Dank zu sagen, betonte Beatrix Tappe-Rostalski, CDU. Sie hätten gar nicht ahnen können, was auf sie zukomme. »Hut ab, Sie haben alle einen guten Job gemacht«, sagte sie.
Auf die Nachfrage von Hans-Dietmar Kreitz, CDU, zu weiteren Überstunden der Beschäftigten führte Jan-Christopher Linck aus, dass die Aufgaben bei einer Verdoppelung der Infektionszahlen innerhalb kurzer Zeit nur mit Mehrarbeit zu bewältigen seien.

Corona habe die Öffentlichen Gesundheitsdienste ruckartig aus dem Schattendasein geholt, stellte Uwe Schwarz, SPD, fest. Er fragte, warum es am Wochenende keine aktuellen Zahlen zum Infektionsgeschehen gebe, am Dienstag/Mittwoch dagegen dann in der Regel hohe Anstiege zu sehen seien. Das sei derzeit nicht unbedingt ein Problem, könne aber dazu werden, wenn das Land die Warnstufe 3 wieder verlasse und auf der Basis von Landkreis-Daten agiert werde. Weiter fragte er nach der Vorbereitung auf eine Kontrolle der Impfpflicht in bestimmten Bereichen ab März.

Technische Lösung zu Wochenenddiensten

Zu den Wochenenden führte Linck aus, dass die Gesundheitsdienste sehr lange auch Wochenenddienste übernommen hätten. Im Zusammenhang mit dem Abflachen der Infektionszahlen im Sommer sei das eingestellt worden. Man wolle aber wieder dabei mitmachen und arbeite an einer technischen Lösung, die schnell funktioniere, vermutlich ab dem kommenden Wochenende. Das größte Problem sei derzeit, dass es keine eigene Impfstatistik für den Landkreis mehr gebe. »Wir kennen nur noch unsere eigenen Zahlen«, so Linck. Es wäre wünschenswert, dass diese Werte wieder erhoben würden. Zur Kontrolle der Impfpflicht seien Maßnahmen in Vorbereitung. Es müsse aber auch klar sein, dass umfassende Kontrollen über die Belastungsgrenzen der Gesundheitsdienste hinausgehen würden.ek

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