Starkes Votum für Silberborn, aber nicht stark genug

Beteiligung landkreisweit bei 23,13 Prozent | 22.189 Stimmen – 506 zu wenig, um Schließung zu verhindern

Karl-Heinz Leuschner, Patrick Steinbrenner und Lars Engelke (von links), die Nachmittags-Besetzung im Abstimmungslokal Teichenwegschule, berichtete, dass die Abstimmung hier erst im Lauf des Tages an Fahrt aufgenommen habe.

Region. Die Abstimmungsbeteiligung war ausreichend hoch, die Zustimmung war groß, aber nicht groß genug: Der Bürgerentscheid zur Zukunft des Jugendfreizeitheims Silberborn ist nicht im Sinne des Initiativkreises für den Erhalt ausgegangen. Das Haus wird, wie vom Kreistag im Sommer geplant, geschlossen. Um 18.53 Uhr stand das Landkreis-Gesamtergebnis fest mit dem Resultat, dass zwar die erforderliche Beteiligung von 20 Prozent erreicht wurde, aber nicht die notwendige Stimmenzahl.

»Sind Sie dafür, dass der Betrieb der kommunalen Einrichtung «Jugendfreizeitheim Silberborn” in der Trägerschaft des Landkreises Northeim über den 31.12.2018 hinaus fortgesetzt wird?«, zur Abstimmung über diese Frage waren die Bürger im Landkreis Northeim am gestrigen Sonntag aufgerufen. Gefordert war eine Beteiligung von 20 Prozent der 111.917 stimmberechtigten Bürger. Das ist mit einer Abstimmungsbeteiligung von 23,13 Prozent erreicht worden. 25.884 Einwohner haben ihre Stimme abgegeben. 49 Stimmen waren un­gültig.

Als gültige Simmen wurden 25.835 ge­wertet.

Davon stimmten 22.189 mit »Ja«, das machte einen Anteil von 85,89 Prozent aus. Für eine Schließung waren 3.646 Teilnehmer der Abstimmung, das waren 14,11 Prozent.

Die eigentliche Hürde lag aber bei 22.695 Stimmen: Sie hätte man erreichen müssen, um eine Schließung des Hauses abzuwenden. Die Zahl entspricht 20 Prozent der Wahlberechtigten bei der jüngsten Kommunalwahl (im September 2016). Und diese Zahl haben die Befürworter einigermaßen knapp verfehlt: um 506 Stimmen.

In Einbeck lag die Abstimmungsbeteiligung bei 26,61 Prozent. 26.042 Einwohner waren zur Abstimmung aufgerufen, 6.930 haben sich beteiligt, 13 Stimmen waren ungültig, 6.917 Stimmen konnten ausgezählt werden. Mit »Ja« stimmten hier 87,74 Prozent beziehungsweise, 6.069 Bürger, mit »Nein«, also für die Beibehaltung des Schließungsbeschlusses, 12,26 Prozent beziehungsweise 848 Bürger.

Beeindruckt vom Ergebnis war Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. »Ich ziehe meinen Hut vor allen, die sich so ins Zeug gelegt haben«, sagte sie gestern Abend. Dem Unterstützerkreis sei es gelungen, viele zu bewegen, zur Abstimmung zu gehen. Die Beteiligung habe sie in dieser Höhe nicht erwartet. Das sei eine basisdemokratische Entscheidung, und es zeige, dass das System funktioniere. Die große Zahl der Bürger, die zur Abstimmung gegangen seien, habe sie beeindruckt. Je dichter dran, desto höher sei die Abstimmungsbeteiligung gewesen, das habe man beim Blick auf die Ergebnisse der einzelnen Kommunen festgestellt. Teilweise habe sie mehr als 30 Prozent betragen.

Für die Kreisverwaltung bedeute das Ergebnis, dass man das Jugendfreizeitheim einer guten Nachnutzung im Sinne der vor allem jungen Benutzer zuführen werde.

»Wir können es schaffen«, das habe er stets gesagt, und tatsächlich sei man auch dicht dran gewesen, stellte Heinz-Willi Elter als einer der Initiatoren des Bürgerentscheids fest, übrigens des ersten auf Landkreisebene. Er habe die spannende Auszählung direkt im Northeimer Kreishaus verfolgt. Da knappe Ergebnis zeige, dass jede Stimme wichtig sei – schon Konrad Adenauer sei ja von seiner eigenen Stimme abhängig gewesen bei seiner Wahl zum Bundeskanzler.

Elter dankte allen, die tatsächlich in die Abstimmungslokale gegangen seien. Wenn rechnerisch nur drei Bürger mehr in jedes Lokal gegangen wären, hätte man die erforderliche Stimmenzahl erreicht. So habe es leider nicht ganz geklappt. Elter zeigte sich aber als Sportsmann: Da kenne er knappe Ergebnisse, manchmal komme es schon auf einen Zehntelpunkt an: »Damit muss man leben«. Er hoffe, dass Politik und Verwaltung dieses Ergebnis nun richtig interpretierten.

Immerhin habe der Unterstützerkreis gegen starken Widerstand kämpfen müssen, gegen große Fraktionen und gegen die Kreisverwaltung, und auch vor diesem Hintergrund sei das ein gutes Ergebnis. »Wir hätten es schaffen können«, davon war er auch gestern Abend überzeugt. Ärgern müssten sich nun vor allem diejenigen, denen das Haus auch am Herzen liege, die aber zuhause geblieben seien, weil sie ihre einzelne Stimme für nicht so wichtig hielten.

Nach einem Zwischenbericht der Kreisverwaltung ging es mit der Abstimmung zunächst nur schleppend voran. Um 8 Uhr hatten die Abstimmungslokale geöffnet, und bis 13 Uhr hatten in den Abstimmungslokalen kreisweit etwa 7.323 Bürger und somit erst 6,55 Prozent der Abstimmungsberechtigten ihre Stimme abgegeben. Von der Möglichkeit der Briefabstimmung hatten im Vorfeld rund 3.188 Personen Gebrauch gemacht, was einer Quote von unter drei Prozent entsprach.ek

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