Kreistag

Teilnahme an »Fridays for Future« statt Schule

Northeimer Kreistag begrüßt Engagement der Schüler | Landrätin bietet Schulen Diskussionen im Kreishaus an

Northeim. Mit »Fridays for Future« beziehungsweise mit dem Thema »Keine Freitagsdemonstrationen statt Schule« hat sich der Northeimer Kreistag bei seiner jüngsten Sitzung befasst.

Anlass war ein Antrag der AfD, die die Teilnehmer von Schülern an einer Demonstration, ganz gleich, um welches Thema es sich handele, während der Unterrichtszeiten nicht billigen möchte. Die Schulleitungen sollen aufgefordert werden, betroffene Schüler den versäumten Unterricht nachholen zu lassen und das mutwillige unentschuldigte Fehlen mit voller Härte zu bestrafen. Wie Maik Schmitz, AfD, ausführte, halte eine »schwedische Autistin« die Kinder zum Schwänzen an. Ob das die »Mächtigen« jucke, sei dahingestellt. Nachteil sei der Unterrichtsausfall.

Die kreiseigenen Schulen sollten rigoros durchgreifen. »Mit dem Einwegbecher« zur Demo zu gehen, erscheine lockerer als zwei Stunden Latein oder Chemie. »Fridays for Future« sei seiner Ansicht nach eine große Inszenierung. Greta Thunberg habe nicht die Welt, sondern das Internet gerockt, und er frage sich, ob die Teilnahme auch an einem Sonnabend oder Sonntag so groß wäre und ob man die Demonstrationen auch so toll finden würde, wenn sie für geschlossene Grenzen und gegen den Euro wären. Der Ausschuss für Schule und Sport habe den ursprünglichen Antrag seiner Fraktion allerdings so modifiziert, dass er ihn, so Schmitz, nicht mittragen könne. Die Debatte müsse versachlicht werden, den Schülern sei die Tragweite ihres Handelns gar nicht bewusst.

Die jeweiligen Schulleitungen und auch die Eltern seien für den Schulbesuch der Kinder verantwortlich, betonte Werner Thiele, CDU. Es sei schön, dass die lange beklagte Politikverdrossenheit bei den Jugendlichen vorbei sei. Die CDU werde dem modifizierten Beschlussvorschlag zustimmen.

Im Ausschuss sei sachlich und unaufgeregt diskutiert worden, im Kreisausschuss ebenfalls, erinnerte Dr. Hermann Weinreis, SPD; der AfD-Antrag sei in Wortlaut und Tendenz verändert worden. Keine Schulleitung habe disziplinarische Maßnahmen vorgesehen. Die Würdigung sollte man ihnen auch überlassen, dort sei das Thema in guten Händen. Es gebe keinen Anlass zum Eingreifen seitens der Kreisverwaltung. Was die AfD zu Qualifikation von Lehrern und Unterricht sage, sei eine Unterstellung. Jugendlichen, die sich für effektiveren Klimaschutz einsetzten, sollte man Mut machen, statt die disziplinarische Keule zu schwingen. Den Einsatz für solche Menschheitsziele sollte man unterstützen, nicht ablehnen.

Auch Christian Grascha, FDP, begrüßte es, dass das politische Interesse bei Jugendlichen vorhanden sei und sich organisiere. Dass, wie von Maik Schmitz erwähnt, die FDP-Kultusministerin in Nordrhein-Westfalen dazu keinen Beifall klatsche, könne er verstehen. Es sei aber nicht Aufgabe des Kreistages, da tätig zu werden. Die Anliegen der Jugendlichen sollte man vielmehr ernst nehmen und in einen Dialog und Diskurs darüber eintreten, wie man die Ziele auf dem besten Weg erreichen könnte. Dirigistische Eingriffe und Verbote seien da eher hinderlich. Interessant, so Grascha, sei die AfD-Begründung des Antrags, in der es heiße, es würden ohne Kenntnisse Sprüche gebrüllt – sei das möglicherweise ein Erfahrungsbericht aus der eigenen Arbeit? Er halte den Antrag für ein rein politisches Manöver, er wäre nämlich gar nicht erst gestellt worden, wenn es um ein anderes (Demonstrations-)Thema ginge.

Sie sei jedes Mal mehr entsetzt über das Demokratieverständnis der AfD, sagte Karoline Otte, Grüne. »Fridays for Future« den politischen Ansatz abzusprechen, sei unverschämt. Die Grünen würden die Aktivitäten ausdrücklich begrüßen. Sie seien ein Weg, der Politik »Feuer unterm Hintern« zu machen für echten Klimaschutz. Das gelte auch für Kreistagsentscheidungen zu diesem Thema, die – zu lange – aufgeschoben würden.

Dass es »die Mächtigen nicht juckt«, was das passiere, das sehe sie anders, sagte Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. »Fridays for Future« sei auch ein Hilferuf, Jugendliche einzubeziehen und ernst zu nehmen. Sie habe Schulen eine Diskussion mit Fachleuten im Kreishaus angeboten, um über Klimaschutz zu sprechen. Die Experten stelle die Kreisverwaltung gern zur Verfügung. Über Ergebnisse werde sie informieren. Es gebe sicherlich Handlungsbedarf, vieles sei aber auch schon umgesetzt.

In dem mit breiter Mehrheit – gegen die AfD-Stimme – beschlossenen Antrag heißt es, dass der Kreistag das Engagement von Schülern begrüße, die ihre Zukunft aktiv mitgestalten wollen. soweit dies nicht mit unentschuldigtem Fehlen vom Unterricht verbunden sei.ek

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