Vertrauen ist das Maß der Dinge

Erzeugerverband Südniedersachsen setzt Qualitätsausschuss ein

Vorstand und Qualitätsausschuss des Erzeugerverbandes Südniedersachsen: Guido Mönnecke, Christiane Teerling, Jürgen Hoffmann, Margrit Cludius-Brandt, Siegfried Kappey und Karen Pollok (von links) setzen sich für die Wertschätzung regionaler »glaubwürdiger« Produkte ein.

Einbeck. Mehr Bewusstsein und mehr Selbstbewusstsein für heimische Produkte, das wünscht sich der Erzeugerverband Südniedersachsen. Am 1. März dieses Jahres mit 16 Mitgliedern gegründet, sind es inzwischen mehr als 50 Beteiligte, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, regionale Erzeugerstrukturen zusammenzufassen und Regionalität aus Sicht der Verbraucher ehrlich zu definieren. Für »glaubwürdige Produkte aus der Region« ist jetzt ein Qualitätsausschuss gebildet worden. Im November soll erstmals ein Qualitätssiegel an regionale Unternehmen vergeben werden. Mit dabei sind Unternehmen aus den Landkreisen Northeim, Holzminden, Osterode und Göttingen sowie Goslar.

Regionalität, so der Vorsitzende des Verbandes, Siegfried Kappey, Einbeck, sei auch für große Lebensmittelversorger ein Thema – allerdings vor allem so, wie es für sie passend sei. Der Konsument wünsche sich jedoch klare Kriterien und gute Strukturen. Betriebe sollen entsprechend geprüft und zertifiziert werden. Das Projekt bekommt vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium 150.000 Euro Fördermittel für drei Jahre, weitere 86.000 Euro wird die Erzeugergemeinschaft selbst aufbringen. Unter anderem wird dafür eine Mitarbeiterin für die regionale Vermarktung von Produkten sorgen. Mit entsprechender Förderkulisse kann am 11. November in Lütgenrode die erste Zertifizierung stattfinden.

Dem Qualitätsausschuss gehören Margrit Cludius-Brandt, Karen Pollok, Jürgen Hoffmeister, Dr. Ulrike Adrian und Karina Wulf an. Sie sind gespannt auf das, was bei dieser Aufgabe auf sie zukommt. Südniedersachsen biete viele Möglichkeiten, sich für Verbraucher zu positionieren: »Ich finde es gut, wenn es solche Strukturen für Anbieter gibt, das stärkt die Region«, so Karen Pollok aus Northeim.

40 Jahre Erfahrung im Lebensmittelbereich bringt Jürgen Hoffmeister aus Seesen mit, allerdings auf der Seite der industriellen Herstellung. Jetzt gezielt Produkte aus der Region zu unterstützen, das gefällt ihm. Supermärkte definierten häufig Regionalität in eigenem Stil, stimmt er mit Siegfried Kappey überein. Er kocht gern, hat also ein besonderes Interesse an guten Produkten. Margrit Cludius-Brandt aus Vogelbeck sieht in der zertifizierten Regionalität eine Chance für kleinere Betriebe, die allerdings einen übergeordneten Verband brauchen, der strukturelle Aufgaben für sie übernimmt.

Als stellvertretende Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft weiß Christiane Teerling, dass kleine Unternehmen kaum eine Chance haben, in den Supermärkten platziert zu werden. Es sei deshalb wichtig für sie, nicht alles selbst machen zu müssen, sondern alle würden von gegenseitigem Vernetzen profitieren. So könnten sich Strukturen langsam aufbauen. Viele Verbraucher würden am liebsten »Bio« und zudem regional kaufen – im Supermarkt sei das häufig aber nicht möglich. Um so wichtiger sei es auch, sie mit Alternativen wie Regionalläden vertraut zu machen und darauf hinzuweisen, wo es lokale Erzeuger gibt und wie und wo sie vermarkten.

»Fünf große Einkäufer bestimmen über das, was in den Supermarktregalen liegt«, ergänzte Siegfried Kappey. Der Verbraucher nehme das hin. Den Marketing-Botschaften der Märkte fehlte die Erdung.« Und gerade diese Erdung sei das, was der Verbraucher suche – die südniedersächsischen Erzeuger erfüllen diese Wünsche. »Es gilt, die Region unter diesem Aspekt zu entdecken.«

Sein Unternehmen habe es sich schon lange zu eigen gemacht, an offizielle Gäste Erzeugnisse aus der Region zu verschenken – das komme gut an, und die Auswahl sei groß, berichtete der Vorstandsvorsitzende der Kreis-Sparkasse Northeim, Guido Mönnecke. Regionalität sei das Prinzip der Sparkassen seit rund 200 Jahren. Sie sei identitätsstiftend für Südniedersachsen. Wie man ein Bild vor Augen habe von Produkten aus anderen Landstrichen, etwa aus dem Allgäu, sollte auch ein Bild von südniedersächsischen Produkten in den Köpfen der Verbraucher entstehen.

»Kostbares Südniedersachsen« soll die regionale Marke heißen, die im kommenden Monat erstmals vergeben wird. Dafür wird der Qualitätsausschuss die Betriebe begutachten: Herkunft, Verarbeitung, Nachhaltigkeit und Wertschöpfung im ländlichen Raum sind Aspekte, die dabei zum Tragen kommen. Transparenz ist wichtig: »Ehrlichkeit und Vertrauen sind das Maß aller Dinge«, so Siegfried Kappey.ek