Der Wunsch: die erneute Qualifikation für Hawaii

Rückbesinnung auf den Iron-Man, aber weitere Teilnahmen an schwierigen Hindernisläufen

Den Ironman in Roth abslovierte der Einbecker Sportler in diesem Jahr in 9.32 Stunden. 2022 folgen weitere Triathlons über die Langdistanz.

Einbeck. Vor mehr als 20 Jahren war der Einbecker Chris Lemke fasziniert von der Tour de France, er wollte den Sportlern nacheifern. Er bekam von seiner Oma ein Rennrad geschenkt und »leckte Blut« an sportlichen Dauerbelastungen über mehrere Stunden. Schon 2002 startete er bei seinem ersten Ironman in Frankfurt. Die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen absolvierte er in rund 13 Stunden.

Bis 2009 »bezwang« er weitere lange Triathlons. In Malaysia qualifizierte er sich 2006 sogar für den Höhepunkt des Jahres, die Weltmeisterschaft auf Hawaii. Aus mehreren Gründen war die Reise nicht möglich, leider musste er den Start absagen. Sein Ziel ist, die Qualifikation noch einmal zu schaffen und beim ältesten und begehrtesten Triathlon der Welt zu starten.

In den vergangenen Jahren spezialisierte sich Lemke auf schwierige Hindernisläufe, die eine besondere Faszination ausüben. Klettern, springen und krabbeln – wie er es bei Wettkämpfen bis hin zu Weltmeisterschaften absolviert –, das lieben auch Kinder, betont der Einbecker Sportler. Durch die Pandemie fielen viele Veranstaltungen aus. Teilnahmen an Weltmeisterschaften – auf die er hin trainierte – waren nicht möglich.

In den USA sollte es in Telluride (Colorado) auf 2.667 Höhenmetern einen Wettkampf über 24 Stunden geben; aber nur amerikanische Sportler durften starten. Alle anderen bekamen keine Einreiseerlaubnis. Wärme und raue Natur wären in Sparta in Griechenland über fünf, zehn und 21,1 Kilometer lange Strecken angesagt gewesen, die Veranstaltung wurde komplett abgesagt. Trotzdem reiste Lemke mit seiner Freundin nach Athen, genoss vor Ort die Zeit und trainierte im antiken Olympiastadion.

Eine Weltmeisterschafts-Option gebe es noch in diesem Jahr; in Abu Dhabi bei großer Hitze über 21,1 Kilometer durch immens hohe Sanddünen, erklärte der Einbecker Extremsportler, der sich freut, dass seine Profi-Lizenz für die Extrem-Hindernisläufe der Spartan-Serie verlängert wurde. Gern würde er sich mit den »Besten der Besten« wieder messen, doch ist die Teilnahmemöglichkeit durch starke berufliche Eingebundenheit sehr ungewiss.

Trotz der fehlenden Wettbewerbe ist er gut in Form. Intensives Training und Arbeit könne er gut vereinbaren, betonte er, dafür dankte er Gerhard Mandalka und seinen Kollegen aus dem Paulsbad. Hier vor Ort und in der Region gebe es so viele Ecken und Stellen, die es kennenzulernen gelte. Ob Hube, Polder, Solling oder Harz – Variationen der Touren seien nahezu unendlich möglich – zum Bewegen rief er auf.

Der Fachsportlehrer für Fitness-Gesundheit und lizenzierter A-Trainer arbeitet seit 2007 im Einbecker Paulsbad. Als Trainer coacht er auch Sportler auf Europameisterschafts- und Weltmeisterschaftsniveau. Er vermittelt gern Lust und Freude an Bewegung und Hindernisläufen. 2019 organisierte er ein Trainingscamp zusammen mit Hans-Martin Grigoleit im Borntal. Eine Wiederholung sei angedacht, hieß es.

Mit seinem Trainer Manfred Vollmer arbeitet er schon viele Jahre erfolgreich zusammen. Mehrmals am Tag sei Training angesagt. Zu seinem Team gehören zahlreiche erfahrene Personen wie ein Leistungsdiagnostiker in Halle. Zahlreiche Unterstützer und Sponsoren begleiten ihn schon seit vielen Jahren. Mit vielen Athleten in Europa und in der Welt steht er regelmäßig in Kontakt und tauscht sich aus. Zum Ausgleich ist er gern in der Natur oder angelt.
Die Menschen wollen gefordert werden, so Lemke. Vor allem nach Corona sei das Verlangen nach Bewegung groß. Man müsse etwas für jede Person anbieten.

Eine größere Sportfreundlichkeit wünschte er sich von der Stadt Einbeck. Diese sollte auch mal auf erfolgreiche Sportler zugehen und sie unterstützen – und sie nicht vergessen. Seit rund 20 Jahren betreibe er Leistungssport, nahm an unzähligen Weltmeisterschaften und Ironmans teil, erreichte dort auch vordere Platzierungen und wurde bei der vergangenen Sportlerehrung vergessen. Keine Einladung erhielt er, obwohl er auch international 2021 wieder erfolgreich war, das überraschte und erzürnte Lemke. Von der Stadtverwaltung zu seiner Arbeitsstelle sei es nur ein paar Meter, man sollte doch mal auf ihn oder andere Spitzensportler zugehen, gemeinsam könnte man viel für eine bessere Sportfreundlichkeit in Einbeck leisten. Spaß und Lust an Bewegung seien groß, sie müsse man fördern, so Lemke.

Auf sein erfolgreiches Jahr will er weiter aufbauen. Neben zahlreichen Siegen bei spektakulären Hindernisrennen absolvierte er auch den Ironman in Roth mit teilweise neuen Bestzeiten in den Teildisziplinen. Nach 9.32 Stunden kam er ins Ziel und platzierte sich weit vorn im Feld. Schwimmen, Radfahren und Laufen trainiere gut die Ausdauer und das Herz-Kreislaufsystem. Jeden Tag seien Anreize möglich. Mit Struktur könne man gut Arbeit und Training verbinden. Er will immer besser werden und fügt oft neue Impulse, Akzente und Reize ein.

2022 fährt er wieder zweigleisig mit Hindernisläufen und Triathlon. Ende November fliegt er nach Teneriffa, um sich über 50 Kilometer Hindernisrennen für die Weltmeisterschaften im Spartan Race im kommenden Jahr zu qualifizieren.

Über 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen geht es im März auf Lanzarote. Am 3. April und im Juni stehen Ironmans in Südafrika und in Frankfurt an. Dort will er sich die Qualifikation für Hawaii in seiner Altersklasse sichern. Das werde nicht leicht, sagte der Einbecker. In seinem Altersspektrum wollen das 300 bis 400 Athleten, nur jeweils zehn erhalten die begehrten Tickets.

Lemke ist aber optimistisch. Seine Form will er langsam weiter aufbauen, dass er bei den anstehenden Wettkämpfen richtig »Gas« geben kann, seine Ziele erreicht und seinen Wunsch erfüllt, auf Hawaii beim Ironman an den Start gehen zu können.oh/mru

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