Im Interview mit dem ehemaligen SVG-Spieler Walter Brieß

Walter Brieß, ein ehemaliger Spieler der SVG Einbeck, sieht im Verein viel Potenzial, das ­geweckt werden sollte.

Einbeck. Der ehemalige Oberligaspieler und Torjäger der SVG Einbeck, Walter Brieß, stellte sich der »EM«-Sportredaktion zu einem Interview, und er berichtete, wie er »seine« ehemalige Mannschaft derzeit sieht.

Hallo Walter, wie geht es dir?

Brieß: Ich fühle mich sehr wohl und glücklich, und freue mich auf die jetzige neue Spielzeit.

Wo wirst du dir Spiele ansehen?

Brieß: Ich werde mir natürlich die Spiele meiner SVG ansehen, denn ich bin ja Einbecker, und wenn der FC Sülbeck ein Heimspiel hat, schaue ich auch dort vorbei.

Dann bist du ja immer unterwegs?

Brieß: Wer so leidenschaftlich und mit Herzblut Fußball gespielt hat wie ich, der wird vom Fußball nicht mehr loskommen.

Wie siehst du den Fußball in der Region?

Brieß: Nun, da ist der FC Northeim, der in der Oberliga spielt, und das kommt nicht von ungefähr. Der Verein hat vor Jahren mit einem langfristigen Konzept auf die Jugend gebaut, und das hat sich auch bezahlt gemacht. Ganz wichtig dabei ist die ehrenamtliche Tätigkeit von Mitgliedern und Gönnern, was ich bei der SVG seit Jahren vermisse.

Wie siehst du die beiden Bezirksligisten mit dem FC Sülbeck/Immensen und dem Aufsteiger SG Dassel/Sievershausen?

Brieß: Wer hier einen richtigen guten Job macht, ist Markus Schnepel, Trainer des FC Sülbeck. Ihm steht ein starker Kader zur Verfügung. Besonders die Jugendspieler, die bei der SVG ausgebildet wurden, sind in einen Verein gewechselt, der die besseren Perspektiven bieten konnte. Es tut mir als Blau-Gelbem weh, dass diese Jugendlichen gegangen sind. Auch Aufsteiger SG Dassel/Sievershausen mit Coach Carsten Dankert hat einen sehr guten Kader, sie werden den Klassenerhalt schaffen.

Was ist mit deiner SVG Einbeck?

Brieß: Leider ist sie nach einem Jahr in der ­Bezirksliga wieder abgestiegen, und auch in der Kreisliga wird es nicht einfach. Ich kann nur hoffen, dass sie schnell wieder auf die Beine kommt.

Was muss anders werden?

Brieß: Es nutzt nichts, alten Zeiten hinterher zu jammern, sondern man sollte versuchen, das Ganze nüchtern zu analysieren. Es liegt so viel Potenzial bei der SVG Einbeck »im Schlaf«, was geweckt werden will, damit die Ergebnisse wieder stimmen.

Was meinst du genau?

Brieß: Ich habe in den letzten zwei Jahren bei den Heimspielen beobachtet, wie hilflos die eigenen Fans und Zuschauer sind. Immer nur meckern geht gar nicht, denn das bringt den Verein und die Mannschaft nicht weiter. Die guten Zeiten können wieder kommen, wenn Mannschaft sowie auch die Vereinsführung mehr Unterstützung bekommen würden. Auch sollte ein klares Konzept gemeinschaftlich erarbeitet werden, und es muss auch schnell umgesetzt werden, das hat absolute Priorität.

Wie siehst du die Vereinsführung?

Brieß: Auch nach außen hin zeigt die SVG große Schwächen – nicht mit bester Führungsqualität in der letzten Zeit, weil jeder etwas zusagen haben möchte. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich dann mitbekomme, wie über meine SVG gelacht wird. Allerdings muss man auch die ehemaligen Spieler, die den Verein schlecht gemacht haben, mit in die Verantwortung ziehen. Auch die Qualität bei Trainern und Übungsleitern ist nicht ausreichend.

Was meinst du mit »schlafendem Potenzial«?

Brieß: Frank Stichnoth, Peter Lüdecke und ich haben vor Wochen darüber diskutiert. Wir haben unsere Bereitschaft gezeigt, bei einem Neuanfang mit zu helfen. Wir drei sind fast bei allen Heimspielen, deshalb wissen wir auch, woran es liegen kann. Ganz wichtig ist etwa die Rückführung von Spielern, die bei anderen Vereinen kicken. Und auch in Sachen Vorstand sollte die Verantwortung in vertraulichen Händen liegen. Dies zu verwirklichen, geht nur mit einer klaren Unterstützung aus der Einbecker Wirtschaft. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich keinem auf die Füße treten möchte, sondern nur einen Weckruf starte. Ich schätze alle Trainer und Vorstandsmitglieder, die ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit ohne Bezahlung nachgehen und bei der SVG Einbeck ihr Bestes geben.

Warum dieser Weckruf ?

Brieß: Ich möchte, dass der Einbecker Fußball wieder dahin kommt, wo er eigentlich hin gehört. Wenn wir alle – auch die Mitglieder sind damit gemeint – Vertrauen aufbauen und über Dinge sprechen, dann glaube ich, dass wir wieder in allen sportlichen Bereichen eine starke Einheit werden, denn die SVG Einbeck ist ein Traditionsverein.

Walter Brieß, wir bedanken uns für das offene Gespräch.pk