»Die Menschen müssen auch einsteigen«

Paul-Gerhardt-Schüler beteiligen sich mit verschiedenen Aktionen am globalen Klimastreik

Klimaneutral: Die höheren Jahrgangsstufen der Paul-Gerhardt-Schule wanderten zu Fuß von Dassel nach Einbeck zur Klimademo.

Dassel. Bisher hat die Paul-Gerhardt-Schule sich nicht an »Fridays for Future« beteiligt, lediglich Projekte im Unterricht umgesetzt. Jetzt aber gingen die Schüler am Tag des globalen Klimastreiks gegen den mangelhaften Klimaschutz protestieren.

Die Jahrgänge acht bis zwölf hatte die Schülervertretung aufgerufen, sich klimaneutral – also zu Fuß – auf zur etwa 15 Kilometer entfernten Demo auf dem Einbecker Marktplatz zu machen. Wie Schülersprecher Kai Beddies berichtete, sei die Schülervertretung im Vorfeld in die Klassen gegangen und habe mit den Schülern diskutiert – über Inhalte und die Verantwortung für die eigene Zukunft und die des Planeten. Mit der großen Beteiligung am Klima-Spaziergang fühlte sich die PGS gut repräsentiert, meinte Beddies.

Für die jüngeren Schüler war der Weg kürzer: Die Jahrgänge fünf bis sieben zogen vor das Dasseler Rathaus. »Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die ­Zukunft klaut«, skandierten die Schüler. Mit Transparenten wie »Weniger Plastik« oder »Wenn das Eis schmil­zt, ha­ben wir ein Problem« begrüßten sie den Bürgermeister. Gerhard Melching stellte sich den Fragen der Schüler.

Konkret fragten sie, was in Dassel für den Klimaschutz getan werde. Melching verwies auf den Neubau des Rathaus und die Neuanschaffung von PCs. Die Straßenbeleuchtung sei auf LED umgestellt worden, zudem lösche man um 24 Uhr das Licht, was wiederum auch den Insekten zugute komme. 10.000 Euro stehen jährlich für energetische Sanierungen an Gebäuden im Haushalt. Im Dasseler Stadtgebiet gebe es mehrere Biogasanlagen, eine davon versorgt zwei Ortschaften mit Fernwärme. Allerdings habe dies auch eine Kehrseite, denn die Biogasanlagen führten zur Vermaisung der Landschaft, was wiederum bei Starkregenereignissen zu Problemen in den Ortschaften führen könne.

Mehr Radwege war ein Stichwort, bei dem die Schüler offene Türen einrannten. Gerade aktuell sind 50.000 Euro für ein Radwegekonzept in den Haushalt eingeschrieben. Zu überlegen sei, ob man auf Gemeindeverbindungsstraßen wie zwischen Krimmensen und Dassel dem Fahrrad Vorrang gewähre.

Der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs liegt nicht in der Hand der Stadt, sondern beim Zweckverband Verkehrsverbund Südniedersachsen, in den der Landkreis Northeim eingebunden ist. Die Strecke Einbeck Dassel müsse besser getaktet werden, wünschte sich der Bürgermeister, Zubringer zu diesen Linien seien notwendig. Der ÖPNV müsse so gut werden wie in Ballungsgebieten – allerdings: »Die Menschen müssen auch einsteigen«.

Der ländliche Raum dürfe keinesfalls vergessen werden. Kurzlebige Förderprogramme seien nicht zielführend, vielmehr wünschte er sich, dass die Kommunen regelmäßig mit Finanzmitteln ausgestattet werden, um langfristig Energieeinsparmahmen umzusetzen. Persönlich setzte Melching auf das Sparen beim Energieverbrauch – im Haus wie auch bei der Mobilität. »Tempo 80 spart CO2«. Er setzt auf sinnvolle Maßnahmen, die aber dann auch alle betreffen sollten. Klimaschonung bedeute Verzicht, ist Melching sicher. Es gehe aber wohl kein Weg daran vorbei, die »wachstums- und renditeorientierte Gesellschaft hinter uns zu lassen«.

Bei der »Fridays for Future«-Bewegung gefällt ihm, dass sich junge Menschen interes­sieren und engagieren. Er hoffte, dass sie ihr politisches Engagement später auch in die Kommunal-, Landes- oder Bundespolitik einbringen.sts