Ehemalige Betriebe vor den Toren Dassels

Dassel. Die Grünkohlwanderung ist nun schon zum dritten Mal das erste gesellige Ereignis des Jahres für den Förderverein Museum »Grafschaft Dassel«. 35 Teilnehmer konnte der Vorsitzende bei frühlingshaften Temperaturen vor dem Museum begrüßen. Nach dem Motto »warum in die Ferne schweifen, wenn das Interessante doch so nah ist« begann Helmut Sölter mit seinen Erläuterungen gleich auf dem Teichplatz und machte auf den Bau der Blankschmiede nach dem verheerenden Brand aufmerksam, der 1722 in der Stadt Dassel gewütet hatte. Eine für damalige Verhältnisse bewundernswerte Anlage mit Wasserrädern entstand vor dem Unteren Tor an der Spülig. Die Kraft des Wassers offenbarte sich gerade mit tosenden Strömen und schäumenden Fluten, denn Tauwetter und Regen hatten den Spüligbach erheblich anschwellen lassen.

Schon wenige Meter hinter der Brücke wurden an der Bahnhofstraße 35, die damals noch die Untere Straße hieß, auf eine ehemalige Mollenhauerei hingewiesen, die die Familie Gehrmann seit 1937 hier betrieben hatte. Man muss sich den heutigen Garten als Lagerplatz für Pappel- und Weidenholz vorstellen. Die Produkte wie Mollen, Tröge, Schleife und andere Holzschaufeln, die wir heute kaum noch benutzen, waren noch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts vor allem für das Schlachterhandwerk unentbehrlich. Dort, wo es neben dem alten Leichenkeller zum Friedhof hinauf geht, verlief die Lorenbahn des ehemaligen Kalkwerkes, dessen 63 Meter hoher Schornstein noch bis Ende der 1960er Jahre das Stadtbild bestimmte.

An dieser Stelle des Parkplatzes für die Friedhofsbesucher wurde einst Kalk gebrannt. Waggonweise wurde er via Ilmebahn exportiert. Die Ilmebahn war außerdem wichtig für den Transport von Rohstoffen und Produkten der Eisenhütte. Heute erinnern nur noch wenige Gebäudeteile an den Bahnbetrieb. Was wäre geworden, wenn sich die Pläne verwirklicht hätten, die Bahnstrecke von Dassel bis Holzminden zu verlängern? Im Ilmebecken gelangte man gleich an zwei Mühlenstandorte: Die Körbersche Mühle hatte schon 1607 als Schlag- und Ölmühle ihren Betrieb aufgenommen. Aus diesem Hause stammt auch August Deyer, der Eulenspiegel des Sollings. Man kann heute noch die Radkammer für das große Mühlrad erkennen. Erst 1987 wurde hier das Mahlen aufgegeben. Auch die etwa 100 Meter westwärts gelegene Pfeiffersche Mühle hat ihren Ursprung schon im 17. Jahrhundert.

Sie wurde zunächst als Säge- und als Lohmühle betrieben. Doch in Ausnahmesituationen durfte hier auch Mehl gemahlen werden. Vor dem letzten frühindustriellen Standort, der 1690 gegründeten Eisenhütte, machte die Wanderer an der Burgstraße, am Fuße eines Bergsporns Halt. Anne Sölter hatte hier eine kleine Feldstation aufgeschlagen und teilte wärmende Getränke aus. Hiervon beflügelt gelang es den Zuhörern leichter, sich vorzustellen, dass sie sich am Fuße eines wahrhaftigen Burghügels befinden, auf dem sich vor rund 1.000 Jahren die Stammburg der Grafen von Dassel befunden haben mag. Auf dem Rückweg konnte man auf den Ilmewiesen nicht nur den Graureiher sondern auch einen der seltenen Silberreiher beobachten. Alle Teilnehmer waren für diese gelungene Exkursion sehr dankbar. Der Förderverein erhofft sich, mit solchen Veranstaltungen neue Mitglieder zu gewinnen.oh

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