Eine Reise mit Folgen

PG-Schülerinnen besuchen Partnerschule in Kenia | Einzigartige Erlebnisse

Eine Gruppe von sieben Schülern der Paul-Gerhardt-Schule Dassel begab sich unter der Leitung der Lehrkräfte Tanja Dahn und Agnes Wendroth auf die Reise nach Kenia, um die dortige Partnerschule Goibei Girls High School zu besuchen.

Dassel. Die Sonne brennt unerbittlich, Staub wirbelt auf und legt sich wie ein Film auf die Umgebung nieder. Am Straßenrand stehen dicht gedrängt provisorisch wirkende Holzstände, in denen Mango, Ananas, Avocado, getrocknete Fische und Bohnen feilgeboten werden. Lautes Stimmengewirr. Fahrer der sogenannten Piki Pikis, der hiesigen Motorradtaxen, dösen wartend in der Sonne. Eine Gruppe älterer Frauen unterhält sich angeregt auf Kiswahili. Bunt gescheckte Ziegen schieben sich am Straßenrand entlang und suchen nach Essbarem. Kenia – ein Land reich an unbeschreiblich schöner Natur und Menschen, die unbegrenzte Gastfreundschaft und Freundlichkeit auszeichnet. Aber auch ein Land, dessen Armut oft unerträglich scheint.

Eine Gruppe von sieben Schülern der Paul-Gerhardt-Schule Dassel begab sich vom 17. Juni bis 10. Juli unter der Leitung der Lehrkräfte Tanja Dahn und Agnes Wendroth auf die Reise nach Kenia, um die dortige Partnerschule Goibei Girls High School zu besuchen. Bereits im September 2018 hatten sechs kenianische Schülerinnen mit ihrem Lehrer Bonface und der Schulleiterin Linnet die PGS besucht und drei Wochen in Gastfamilien verbracht. Die Erwartungen waren hoch, doch lag vor der Abreise auch Nervosität in der Luft, war es ja eine Reise in ein so unbekanntes Land. Wie sich herausstellen sollte, würden die Erwartungen aber sogar übertroffen werden.

Einen besonderen Höhepunkt erfuhren die PGler gleich zu Beginn der Reise, die sogenannre Masai Mara, eines der größten Naturschutzreservate Afrikas. Die Erlebnisse dort lassen sich kaum in Worte fassen. Dank des unermüdlichen Fahrers Edward fuhren sie über zwölf Stunden lang von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang durch die unendliche Savanne und konnten dabei unglaublich viele beeindruckende Tierarten beobachten: vom kräftigen Löwen, der gerade ein Zebra gerissen hatte bis hin zu riesigen Zebra- und Wasserbüffelherden, die sich in beeindruckenden Massen durch das saftige Grünland schoben. 

Erfüllt von diesen Eindrücken ging es am nächsten Tag Richtung Partnerschule. Dort wurden sie mit großer Freude empfangen. Die hier gelebte Partnerschaft zwischen Kenianern und Deutschen prägte nachhaltig. Zu Gast in zahlreichen Unterrichtsstunden bekamen sie interessante Einblicke in das kenianische Schulsystem, das im Vergleich zu Deutschland als deutlich strenger charakterisiert werden kann. Immer wieder wird den Mädchen im Schulalltag verdeutlicht, dass sie sich eine gute Zukunft nur durch gute Bildung und herausragende Leistungen erarbeiten können. Der Schultag beginnt hier um 4.30 Uhr und endet um 21.30 Uhr – unvorstellbar für die deutschen Schüler.

In Form unterschiedlicher Projekte hatten sie nicht nur Kontakt zu den Austauschschülerinnen, sondern auch zu vielen anderen Gruppen der Schulgemeinschaft. So kauften sie auf dem hiesigen Markt kenianische Stoffe und nähten gemeinsam mit den Schülerinnen an alten Singer-Maschinen gemusterte Einkaufstaschen. Hier bot sich die schöne Gelegenheit, mit vielen Schülerinnen ins Gespräch zu kommen und Einblicke in ihr Leben zu erhalten.

Als besonders intensiv erlebten sie die wöchentlichen Schulgottesdienste: 800 Schülerinnen, die mit lauter Stimme und rhythmischen Bewegungen Kirchenlieder auf Englisch und Kiswahili sangen und die Deutschen mittendrin – Gänsehautfeeling pur.

Die Partnerschaft zwischen den beiden Schulen beruht jedoch nicht nur auf dem kulturellen Austausch, sondern auch auf der Förderung nachhaltiger Umweltprojekte. So wurde eine Müllverbrennungsanlage eingeweiht, die für langfristige Sauberkeit auf dem großen Schulgelände sorgen soll. Sofern die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, wird es zukünftig zwei weitere dieser Verbrennungsanlagen vor Ort geben. Mit starker Unterstützung der Schülerschaft pflanzten sie außerdem mehrere Dutzend Bäume einheimischer Sorten im Schulwald, um den Lebensraum zahlreicher Organismen zu erweitern. Welch tiefe Wirkung der Aufenthalt haben sollte, zeigte sich schließlich kurz vor der Abreise als sich deutsche und kenianische Schüler mit Tränen in den Augen in den Armen lagen. Hier wurden echte Freundschaften geschlossen.

Kenia – ein Land mit seinen Menschen, das prägt und Spuren hinterlässt. Dank gilt Michael Büchting mit der AKB Stiftung sowie der evangelischen Landeskirche für die finanzielle Unterstützung dieses Austauschs. Das Tun und Handeln wird in Zukunft sicherlich das ein oder andere Mal geprägt sein von all den einzigartigen Erlebnissen, von den besonderen Begegnungen und natürlich von dem kenianischen Motto: »Hakuna Matata« (bedeutet wörtlich soviel wie alles in Ordnung!).oh