Dr. Wilhelm Priesmeier:

Erst der Teller, dann der Tank

Markoldendorf. »Über 60 Prozent der Deutschen lehnen es nach der neuesten Umfrage von Infratest-dimap ab, Sprit aus Pflanzen zu gewinnen. Sie glauben, dass dadurch Nahrung weltweit knapper und teurer werden könnte. Die Kommunikationspolitik seitens der Bundesregierung bei der Einführung von E10 hat ihr Ziel vollkommen verfehlt. Drei Minister stehen aktuell ziemlich ratlos, einfallslos und ziellos da«, teilt der agrarpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Wilhelm Priesmeier angesichts der Einführung von E10 mit.

Einer nur mäßigen Umweltbilanz stünden hohe volkswirtschaftliche Kosten entgegen, erklärt Priesmeier, der dem »E10-Einführungs-Chaos der Bundesregierung« aber auch etwas Positives abgewinnen kann. »Jetzt können wir intensiv über die negativen Folgen der bisherigen Bio-Sprit-Strategie diskutieren. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass E10 gegenüber dem herkömmlichen Sprit einen gewissen Umweltvorteil aufweist, aber E10 im Automotor zu verbrennen, ist nicht gerade der effizienteste und vor allem auch nicht der einzige Weg zur Biomasse-Nutzung«, erläutert Wilhelm Priesmeier.

Jetzt müsse eine Diskussion in Gang gesetzt werden, wie man den Umstieg auf eine umweltverträglichere Mobilität umsetzen will. »Dazu müssen der Bund und die Industrie ihre Forschungsanstrengungen erheblich erhöhen, damit wir zu einer besseren und vor allem effizienteren Nutzung der Biomasse kommen. Denn eines ist klar: Dauerhaft müssen wir uns von der Ölabhängigkeit lösen, aber auch die bisherige Biosprit-Strategie muss hinterfragt werden.« Die Produktion von Nahrungsmitteln habe immer Vorrang. Bezüglich der E10-Verwirrung bei den Verbrauchern fordert Wilhelm Priesmeier die Autohersteller auf, unverzüglich und auf eigene Rechnung Garantieerklärungen an die Autobesitzer zu versenden, um so größeren Schaden abzuwenden.oh