Familie Brandes heißt Schwalben willkommen

Mehl- und Rauchschwalben fühlen sich in Krimmensen wohl | Rund 75 Nester auf dem Hof

Auf dem Hof Brandes in Krimmensen finden sich mehr als 70 Schwalbennester. Für das fröhliche Schwalbengezwitscher nimmt die Familie kleine Einschränkungen und vor allem die Beseitigung des Kots gerne auf sich.

Krimmensen. Jahrhunderte lang gehörten sie ganz selbstverständlich in jedes Dorf, auf jeden Bauernhof und auch in jede Stadt. Als Kulturfolger haben sich Mehl- und Rauchschwalben an eine vom Menschen geprägte Umgebung angepasst. Doch trotz ihrer Anpassung gehen die Schwalbenbestände seit Jahren zurück.

Bei Familie Brandes in Krimmensen sind die Flugkünstler willkommen - sehr sogar. Und sie scheinen sich dort wohl zu fühlen. Jutta Brandes hat die Nester gezählt: Allein am Stall haben Mehlschwalben 55 Nester gebaut, 15 weitere finden sich am Haus. Die selteneren Rauchschwalben haben sich in den Stall zurückgezogen und sind hier in fünf Nestern heimisch. Jochen Brandes erfreut sich an den Tieren, die munter umherliegen - »wunderbar« findet er das, zumal die Schwalben auch die Insekten wegfangen. Großsohn Julian sorgt dafür, dass die Vögel Wasser bekommen.

Jutta Brandes erfreut sich ebenfalls an den Vögeln - auch wenn sie nun darauf verzichten muss, ihre Wäsche am gewohnten Platz im Freien zu trocknen. Autos sollten in der Nähe der Nester auch nicht parken, da der aggressive Kot der Tiere nicht gut für den Lack ist, sagt Brandes. Die Familie hat sich mit den Schwalben arrangiert, schränkt sich etwas ein und freut sich an den Flugkünstlern.

Es fehlen Nistmöglichkeiten für sie Schwalben, ist Brandes sicher. Fasziniert ist er ebenso wie sein Enkel vom Nestbau: »Das sind wahre Baumeister«, stellt er fest, und Julian ergänzt, dass die Vögel »richtige Hochhäuser« bauen. Wer sich das Nest einer Mehlschwalbe einmal etwas genauer anschaut, kann auch erkennen, welche enorme Arbeitsleistung hierfür erforderlich ist: Diese kleinen Kunstwerke werden aus rund 700 bis 1.500 Erdklümpchen zusammengebaut Das Vogelgezwitscher ist weit zu hören.

Am lautesten sei es, wenn Turmfalke, Eichelhäher oder Elster kämen, um die Jungen zu stibitzen. »Dann ist das Geflattere groß.« Der NABU hat den Hof der Familie Brandes bereits als schwalbenfreundlich ausgezeichnet. Das mitgebrachte Schwalbennest hat Familie Brandes allerdings nicht angebaut - angesichts der Vielzahl der »echten« Nester schien das nicht notwendig.

Ende September werden die Schwalben fort sein, dann werden die mit dem Vogelkot beschmutzten Wände auf dem Hof ordentlich gereinigt. Brandes hoffen, dass die Schwalben auch im nächsten Jahr wieder zahlreich bei ihnen vorbeischauen und ihre Jungen aufziehen. Jochen Brandes wird wieder Buch führen, wann die erste Schwalbe auftaucht. Als Hauseigentümer darf man Schwalbennester nicht einfach entfernen oder zerstören, sie sind gesetzlich geschützt, erklärte der NABU Niedersachsen.

Zahlreiche Gerichtsurteile belegen, dass Schwalbennester nur in begründeten Ausnahmefällen entfernt werden dürfen. Nester der Mehlschwalbe unterliegen besonderen Schutz, der im Bundesnaturschutzgesetz geregelt ist. Wer Schwalbennester zerstört, kann mit einer Geldbuße bestraft werden.

Früher galten Schwalben als Boten des Glücks, die das Haus vor Feuer und Blitz sowie das Vieh im Stall vor Krankheiten bewahrten.In Niedersachsen werden inzwischen alle drei heimischen Schwalbenarten (Mehl-, Rauch- und Uferschwalbe) auf der Roten Liste der gefährdeten Brutvogelarten geführt.sts

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