In der »Molli«: Obst ernten und lernen

Band 9 der »Zeitspuren aus Dassel« erschienen: Team Bartels-Schnepel erinnert an »Molli«

»Dassel – Einbeck-Mitte und zurück« – bis 1975 konnten Reisende dieses Schild an Waggons der Ilmebahn lesen. Dann wurde der Personenverkehr eingestellt. Auf 60 Seiten mit fast ebenso vielen Fotos widmen sich Anneliese Bartels und Manfred Schnepel dieses Mal dem Thema der Eisenbahngeschichte zwischen Einbeck und Dassel. Zehn Monate wurde an Band neun der »Zeitspuren« gearbeitet – lebhaft wird eine Ära dargestellt.«

Dassel. Seit 1852 »kämpfte« man in Dassel um eine Zuganbindung und die Verhinderung des Plans, Schienenverkehr von Salzderhelden nach Stadtoldendorf einzurichten. Man wies auf den wachsenden Güter-Transport hin »durch die gewichtigen Produkte des Sollings«. Erst, als die Strecke Salzderhelden-Einbeck geplant wurde, ging es mit dem Projekt Einbeck-Dassel voran. Die Finanzierung wurde durch 1.833 Aktien à 300 Mark sichergestellt. Robert Klügel, 37 Jahre Dasseler Bürgermeister, bemühte sich um das Vorhaben, ebenso wie Ludwig Creydt (Bürgermeister von 1900 bis 1919). Beide arbeiteten auch als Ilmebahn-Direktoren. Am 19. Dezember 1883 fuhr die letzte Postkutsche, am 20. Dezember begrüßte Klügel die erste Dampflok am Dasseler Bahnhof. Die Dasseler Begeisterung zeigte sich auch in dem neuen Namen »Bahnhofstraße«. Nicht nur die Urkunde der Konzessionserteilung von Wilhelm I. ist im Buch abgedruckt, auch die ersten Bilanzen. Selbstverständlich ist auch das »Molli-Lied« nachzulesen.

Schlechtes Wachstum von Steckrüben und häufigeres Kalben von Kühen als sonst – Volkes Stimme machte hierfür »natürlich« die neue Erfindung verantwortlich, »…ohne Päre to föhren« (ohne Pferde zu fahren). Anneliese Bartels steuert manche Begebenheit und Anekdote bei, auch die vom Briefträger Deppe, der täglich die Post der Hahnemühle zum Dasseler Zug zu bringen hatte, meist auf den letzten Drücker die Post einlud, so dass er eines Tages bis Eilensen mitfahren und wütend zu Fuß zurück marschieren musste. Ebenso erinnern die Autoren an einige tragische Eisenbahnereignisse.
Am Bahnhof befand man sich »5,5 KM von Markoldendorf« – ein Schild am Haus wies darauf hin. Oben wohnte der Bahnhofsvorsteher. Unten befanden sich Fahrkartenschalter und Gaststätte. Zu allen Personengruppen und Sachverhalten im Zusammenhang mit Gebäuden und Bahn nehmen der Stadtarchivar und Anneliese Bartels gern weitere Informationen und Fotos entgegen (Fotos gibt es zurück).

Ein ganzes Kapitel befasst sich mit dem Schicksal des historischen Lokschuppens, von der Erweiterung 1924 bis zu den Plänen einer Jugend-Begegnungsstätte mit Werkstatt. Jedoch fehlte das notwendige Geld. Es folgten Abriss und Schienenrückbau. In Manövern wurde der Bahnhof seiner über 100 Meter langen Verladerampe wegen früher gern von der Bundeswehr genutzt. Ausführlich berichtet das Buch von der Feier zum 50. Jubiläum der Strecke sowie der Sonderfahrt zum 100. Bestehen der Ilmebahn, 1983.

Besondere Bedeutung hatte Mollis Fahrzeit für die Bildung Dasseler Schüler, die zur Goetheschule fuhren: Der Fahrplan mit den Stationen Eilensen – Markoldendorf – Julius-Mühle – Einbeck sowie häufiges Rangieren ließ genügend Zeit für die morgendlichen Hausaufgaben. Mit Unterstützung von Gertrud Weißkittel und Margret Düker wurde Caesars »Gallischer Krieg« übersetzt. Davon erzählt Dr. Reinhold Henze, heute Hamburg, Schüler kurz vor dem Krieg, der sich auch an das Ernten von Äpfeln aus dem Fenster heraus, erinnert. Günther Hagemann aus Weinheim berichtet von PGS-Schülern, die mit dem Sohn des Stationsvorstehers eine Lok abkoppelten: Diese machte sich dann einige hundert Meter weit selbstständig.

Dem Stadtarchiv Dassel, berichtet Manfred Schnepel, steht in der Blankschmiede ein zweiter Raum zur Verfügung. Hier will er im Frühjahr eine Dauerausstellung einrichten zur Dasseler Eisenbahngeschichte: Ein Modell des Dasseler Bahnhofs, gebaut von Christian Gabriel von der Ilmebahn sowie Alltagsgeschichte in Form von Uniformen, Stellwerkhebeln und Paketwaage werden, mit den entsprechenden Erläuterungen, hier zu sehen sein. Aus dem Fotoarchiv der Firma wurden bereits zahlreiche Fotos im Band abgedruckt.

Das Buch »Es war einmal: Unsere alte ›Molli‹ – nach fast 100 Jahren endete die Personenbeförderung zwischen Dassel und Einbeck« gibt es in der Bücherstube Sprink sowie im Museum »Grafschaft Dassel« zu erwerben – ebenso noch einige andere Bände aus der Reihe »Zeitspuren«.des