»Mobilis totalis« greift um sich

Klaus Pawlowski präsentiert süffisante »Gereimtheiten«

Mit Wortwitz, Kabarett und Satire begeisterte Klaus Pawlowski erneut die Zuhörer in Dassel. Sie waren fasziniert von seinen dargebotenen »Gereimtheiten«.

Dassel. »Ich lieb ihn, seufzt Katrin aus Dassel. Und bevor ich’s mit Henry vermassel, lieb ich besser auch – sein Tattoo auf dem Bauch und sein dauerndes Fußballgequassel« oder »Die Renate aus Relliehausen fragte mich: ‘Sag mal, gibt es auch Pausen? Denn so scharfe Satiren reizen auch Blasen und Nieren – und da muss ich dann öfter nach draußen’«, nicht nur mit eigens für seinen Dassel-Auftritt erstellten Limericks unterhielt Dr. Klaus Pawlowki bestens die Zuhörer im Café Marhaba, er faszinierte sie mit pointierten Wortspielen und seiner Sicht auf Politik, Kultur, Sport und Begebenheiten des täglichen Lebens.

Rolf-Dieter Spann freute sich, Pawlowski erneut in Dassel begrüßen zu können. Schon oft trat er in der Region auf und begeistert sein Publikum mit Wortwitz und feinsinnigen Schöpfungen. Überregional als Kabarettist und Kolumnist bekannt, präsentierte er seine satirischen Texte seit 30 Jahren nicht nur auf der Bühne, sondern auch seit rund 25 Jahren in der Berliner Tageszeitung (taz).

Pawlowski war im früheren Leben Hochschullehrer – unter anderem von Sigmar Gabriel –, wird regelmäßig als Satiriker auf Kreuzfahrten engagiert, und er gehört seit vielen Jahren der »Neuen Göttinger Gruppe« an.

Sprachkunst und Humor sei sein Lebenselixier, sagte Pawlowski, Anregungen für seine Auftritte und »Gereimtheiten« finde er im täglichen Leben, aber auch oft in der Politik. Sie biete viele schöne Vorlagen.

Robert Gernhardt, 1964 Mitbegründer der Nonsensbeilage »Welt im Spiegel«, war ein Vorbild für Pawlowski. Zu dessen zehntem Todestag 2016 brachte die taz eine Extraseite heraus, immer eingehend auf den Spruch: »Sag mal ein Satz mit ...«. Zu Gernhardt konzipierte Pawlowski »Ihr Frühstücksei isst Edelgard weich, fast ‘ro, Bert gern hardt’«, zu Eidechse »Ach Schatz, mir friern die Füße; ‘ei, dech se’ zu, du Süße« oder zu seinen Auftritten auf Phönix-Kreuzfahrtschiffen »Beim Beseitigen größerer Wasserlachen kann man mit einem ‘Phön nix’ machen«.

Die Technisierung kritisierte der Satiriker. Die »lieben Geräte« seien »stündlich informiert, was täglich so passiert.« Er vermutete, dass zukünftig der Wecker der Kaffeemaschine Blutdruck- und Pulswerte für die richtige Dosierung sende, der Badezimmerspiegel den Gemütszustand erkenne oder der Kühlschrank nach Darmzustand gefüllt sei.

Die Handymanie greife um sich, dauernd piepe und dudele das Ding. Bei so vielen Anwendungen wünschte er sich oft ein »APPstellraum«. Wenn die Fit-APP sage, er solle paar Runden laufen, um seinem APPbild mehr Glanz zu geben«, dann wünschte er sich das Handy in eine große Frauentasche. »Zwickel, Zwiebel, Zimt und Zucker« können sich in ihrer mysterischen Schattenwelt verbergen, aber auch die Urfassung der Heiligen Schrift oder prähistorische Schätze – das »Corpus delicti«, das Telefon, werde oft trotz »spastisch anmaßenden Suchreflexen« nicht gefunden.

Angst hatte »Mediziner« Pawlowski vor der Epidemie »Mobilis totalis«, sie greife immer mehr um sich samt WhatsAppsepilepsie, autistischen Samsunggelose, O2-Ödem oder Hypersmileitis. Die Telefonitis radicalis führe auch oft zur Epilepsie quatscheritis.

Für die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft bereitet er sich schon intensiv vor. Für »Putins Sommershow übte er nicht nur Fußballschlager, sondern begab sich auch ins Trainingslager.« Dank mentaler Konzentration gelinge ihm schon vor dem Fernseher, dass er »blind Gegenstände fasse. Mit der Bierflasche klappt es schon, jetzt kommt die Tasse.«

Das Schiller-Zitat »Der Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb« falle ihm oft schwer. »Statt Gänseschenkel esse ich lieber grüne Stängel«, das treffe auf ihn nicht zu. Wortspiele und eigene Kreationen bereiten ihm Spaß, aber auch Hinterfragungen der deutschen Sprache. Worte ohne vermeintliches Gegenteil arrangierte er im Gedicht. Er sprach von »bändiger Liebe«, dem »säglichen Namen Andrea«, »aussprechlicher Schönheit«, und er rief dazu auf »Seien sie gestüm, dann können wir viel Fug zusammen machen.«

Eine Liebeserklärung richtete er an Duschhauben, er richtet sich bei der Hotelwahl nach ihnen: »Denn Duschhauen sind subtil, beweisen, das Haus hat Qualtität und Stil. Ich stelle mir vor die Kanzlerin, nackt und mit Haube, welch ein Gewinn. Selbst Olaf niedlich, fast kokett; Empfehlung an das Kabinett. Ist wieder ne Klausur in Sicht: Duschhaubenpflicht.«

Zwar sei Frühling in Berlin, so Pawlowski, da ist »Stiefmütterchen um frische Farbe bemüht; doch, ach, die GROküsse sind viel zu rasch verblüht. Kann man noch auf einen schönen Sommer hoffen? Doch was kommt dann, das ist ergebnisoffen.«

Mit viel Wortwitz befasste er sich auch mit Martin Winterkorn, den er nimmt gern aufs Korn, übergewichtige Hunde und Menschen, dem Ausbruch des Eyjafjallajökulls (»Ihm ging es toll, er war bis zum Rande voll«) oder an den Erlkönig angelehnte Reiseberichte und Schnäppchentouren (»Der Sommer wird heiß, alles gibt es zum Einführungspreis«). Kürzlich war er auf Fuerteventura: »Am Strand von Puerto Rosario, da fanden Grit und Marion auf ihre Liegen wahrhaft zwei Ziegen aus Dortmund ..., welch böses Szenario.«

Viel Beifall gab es für den kurzweiligen Auftritt von Klaus Pawlowski in Dassel. Die Zuhörer genossen die Wortspiele und kabarettistischen Einlagen, und sie freuten sich, hoffentlich bald wieder in den Genuss eines Auftritts von ihm zu kommen.mru

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