Wo das Herz schwingt, öffnet sich der Mund

Musik-Gottesdienst »Halt + Los« in St. Laurentius | Mit G:P:S aus Dassel, SOG aus Berlin und »Ephatha«

Gesang, Darbietung, Licht, Atmosphäre: »Vom Ankommen und Aufbrechen« haben Chöre aus Dassel und Berlin gemeinsam beim »Halt + Los«-Gottesdienst in St. Laurentius gesungen.

Dassel. Dassel, Uslar, Berlin, das sind die drei Orte, in denen der Musik-Gottesdienst mit Chor, Band und Gemeinde mit dem Titel »Halt + Los« gefeiert wird. Beim Start in St. Laurentius in Dassel ließen sich die zahlreichen Besucher mitnehmen und begeistern von Stimmen, Farbe und Klang, von meditativen und nachdenklichen, aber auch fröhlichen Einheiten.

Mitgemacht haben etwa 90 Sängerinnen und Sänger vom Ökumenischen Chor SOG Singen ohne Grenzen aus Berlin unter der Leitung von Silvia Marienfeld und vom Gospelprojekt Solling G:P:S Dassel, Leitung Wolfgang Teichmann. Begleitet wurden sie von der Kirchenkreisband »Ephatha«. Die Texte der Lieder stammen von Lothar Teckemeyer, die Musik von Wolfgang Teichmann. Intensiv, harmonisch und schön habe man den Nachmittag über geprobt.

»Gestern kannten wir uns noch nicht«, stellte Pastor Martin Possner in seiner Begrüßung fest. Ausdrücklich bat er die Gottesdienstbesucher, sich mit Applaus zurückzuhalten, gerade im ersten, dem ruhigeren Teil - dann aber so herzlich und intensiv zu klatschen, wie sie das wollten, und diesen Punkt trafen die Zuhörer schließlich ganz genau. Und mitsingen sei ebenfalls willkommen: »Wo Ihr Herz schwingt, könnte sich Ihr Mund öffnen.«

Mit Fragen und Sehnsucht zu Gott zu kommen, aber ebenso mit Hoffnung, danach seien viele Menschen »bedürftig«, hieß es in einem Stück. Hier klang die Musik noch eine Weile nach, während in »Weise uns Gott deinen Weg« auf viel Schwung gesetzt wurde, auch ein musikalisches Aufgreifen von Hoffnung. »Wir preisen dich, Gott«, in einem Hymnus wurde Gott als »Freundin des Lebens« und »Freund aller Dinge« gepriesen.

Von Latin-Rhythmen inspiriert war »Dein Wort komme«, und in diesem Stil, kombiniert mit schwungvollem Gospel, ging es bei »Gott, du berührst mich« und »Ein Segen« weiter -und immer wieder war die Gemeinde zum Mitsingen aufgefordert. Neben dem Gesang wurden Klangröhren als musikalisches Gestaltungsmittel eingesetzt In seiner Ansprache griff Pastor Martin Possner Psalm 86 auf, in dem Gott angerufen wird, den Weg zu weisen.

Er ging auch auf die Formulierung »bedürftig« ein: Das Wort sei selten geworden, häufig lege man es nur materiell aus. Doch es gebe seelische und emotionale Bedürftigkeit. Vielleicht stoße man im (Kirchen-)Raum, der Platz dafür lasse, Fragen an. Manchmal sei es eng im Leben - aber hier sei Raum. Wer oft unter Gottes Himmel unterwegs sei, werde bemerken, dass Dinge sichtbar würden, wenn man ihnen Raum lasse.

Wer bei Gott nach dem Weg frage, könne zu einer neuen Weltsicht kommen. Man werde jetzt nicht als ganz neuer Mensch den Raum verlassen, aber man könne sich verändern und entwickeln. Das Leben sei keine Autobahn, sondern eine Wiese, auf der etwas blühen könne. Im Hymnus »Wir preisen dich« sehe er eine moderne Version von »Großer Gott, wir loben dich«: »Wir preisen etwas, das größer ist als wir.«

Das Lied könne Karriere machen«, vermutete er. Man brauche eine Gegenwelt zu allgegenwärtigen Krisen, und das sei fast ein gesungenes Glaubensbekenntnis. Es könne Gelassenheit ins Herz bringen. Dabei wolle man nicht in einer Wohlfühlreligion landen, sondern das tun, was richtig sei und Unwichtiges lassen. In Ruhe die richtige Entscheidung treffen, darauf komme es an. Das tun, was wichtig sei: Dazu zähle für ihn auch der Aufruf, zur Wahl zu gehen. Gute Demokratie brauche eine gute Basis.

Es sei Christenpflicht, in der Welt zu agieren, auf den Nächsten und die Welt zu achten. »Dein Wort komme«, in den Seligpreisungen nach Matthäus erkenne man, wie schön es sei, Gottes Kind zu sein. Freundlich und sanftmütig auf die zugehen, die es gerade schwer hätten, andere in den Blick nehmen: Das seien wichtige Dinge in einer Zeit, in der über Instagram vor allem Schönes gezeigt werde.

Sei das denn noch ehrlich? Auch hier wirkten das Bewusstsein, dass sich noch etwas ändern könne, und das Wissen, dass man nicht tiefer fallen könne als in Gottes Hand. Mit Dank an alle, die dafür gesorgt hätten, dass dieser Projektablauf so gut geklappt habe, endete der Gottesdienst, aber nicht ohne die Leinen nochmal richtig los zu machen beim stimmgewaltigen »Amen«.

Ein bewegter Nachklang mit »This little light (let it shine)« und »To my Father’s house« sowie ein ruhiger Ausklang mit »Halte uns nah«, bei dem der große Chor sich im Kirchenraum verteilte, sorgten bei den Besuchern für einen nachhaltigen Eindruck, für raumfüllenden Klang von Hoffnung und Zuversicht. »Dieser Abend ging unter die Haut. Er war so, wie sich viele Menschen ihre Kirche wünschen«, berichtete Wolfgang Teichmann von Rückmeldungen der Besucher. Am letzten Mai-Wochenende wollen die Dasseler beim Besuch in Berlin auch die dortigen Gottesdienstbesucher begeistern.ek