PGS-Schüler Bundessieger bei »Jugend forscht«

Constantin Tilman Schott gewinnt in Mathematik/Informatik | Bundespräsident ehrt Nachwuchwissenschaftler

Constantin Tilman Schott hat bei »Jugend forscht« den ersten Preis im Bereich Mathematik/Informatik auf Bundesebene errungen.

Dassel. Die Siegerinnen und Sieger des 54. Bundeswettbewerbs von »Jugend forscht« ­stehen fest. Deutschlands beste Nachwuchs­wissenschaftler wurden am Sonntag in An­wesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und dem Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft, Professor Dr. Reimund Neugebauer, in Chemnitz ausgezeichnet. Das Bundesfinale, an dem 190 junge MINT-Talente mit 111 innovativen Forschungsprojekten teilnahmen, wurde gemeinsam ausgerichtet vom Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU als Bundespateninstitution und der Stiftung »Jugend forscht«. Premiumpartner des Bundeswettbewerbs 2019 war die Siemens AG. Als Unterstützer engagierten sich der Freistaat Sachsen, die Stadt Chemnitz und Volkswagen. Unter den Preisträgern war auch Constantin Tilman Schott aus Holzminden, der die Paul-Gerhardt-Schule in Dassel besucht.

Den Preis des Bundespräsidenten für eine außergewöhnliche Arbeit erhielten Jakob Rehberger (17) und Jonas Münz (16) aus Baden-Württemberg. Die beiden entwickelten eine neuartige Maschine, mit der sich scharfe Kanten und kleinste Verunreinigungen an den Titanschrauben von Knochenimplantaten entfernen lassen. Anton Fehnker (17) und Simon Raschke (17) aus Nordrhein-Westfalen wurden mit dem Preis der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit ausgezeichnet. Sie untersuchten mit einem findigen Versuchsaufbau, auf welche Weise die wellenartigen Oberflächenmuster, sogenannte Rippel, im Sand entstehen.

Den Preis der Bundesbildungsministerin für die beste interdisziplinäre Arbeit gewannen Milena Wiegand (18), Max Asenow (18) und Tina Munkewitz (18) aus Thüringen. Sie synthetisierten zwei neue Fluoreszenzfarbstoffe.

Constantin Tilman Schott (16) aus Holzminden, Schüler der PGS in Dassel, konnte sich im Fachgebiet Mathematik/Informatik durchsetzen. Er programmierte eine innovative Software, mit der sich in der Röntgendiagnostik wichtige Bezugspunkte auf der Schädelbasis vermessen lassen. Sein Programm nutzt künstliche Intelligenz und erzielt so eine sehr hohe Treffgenauigkeit. Bisweilen müssen Mediziner den Schädel eines Patienten genau vermessen, etwa für chirurgische Eingriffe am Kiefer. Zu diesem Zweck fertigen sie Röntgenbilder des Kopfes an. Früher wurden diese Aufnahmen zumeist manuell ausgewertet.

Mittlerweile erfolgt dieser Arbeitsschritt immer häufiger automatisiert per Computer. Um die Analyse der Röntgenbilder weiter zu  vereinfachen, entwickelte Constantin Tilman Schott eine innovative Software, die einen wichtigen Bezugspunkt auf der Schädelbasis, die Sella turcica, mittels künstlicher Intelligenz (KI) identifiziert. Sein Programm nutzt dafür selbstlernende Algorithmen. Versorgt man es mit ausreichend vielen Daten, kann es den Sella-Punkt mit großer Treffsicherheit berechnen, im Durchschnitt bis auf einen halben Millimeter genau.

Die Jury überzeugte insbesondere, dass der Jungforscher nicht nur gängige Fachliteratur nutzte, sondern sich systematisch in das Forschungsgebiet einarbeitete. Er testete viele Varianten, modifizierte die Topologie des neuronalen Netzes und schuf damit eine neuartige und hochwertige Lösung des Problems.

Damit erlangte er nicht nur den mit 2.500 Euro dotierten ersten Preis der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung, sondern als Sonderpreis eine Einladung zum European Union Contest for Young Scientists European Commission und den Europa-Preis für Teilnehmer am European Union Contest for Young Scientists Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Bundessiegerin im Fachgebiet Arbeitswelt wurde Tara Moghiseh (17) aus Rheinland-Pfalz. Sie nutzte künstliche Intelligenz, um die verschiedenen Typen weißer Blutkörperchen etwa von Leukämiekranken automatisch identifizieren zu können. Die Biologie-Bundessieger Tobias Stadelmann (19) und Leon Stadelmann (17) aus Baden-Württemberg befassten sich mit einem neuen Ansatz zur Regulierung des Proteins PAD4, das möglicherweise eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Rheuma spielt. Paul Kunisch (17) und Thomas Derra (16) aus Bayern errangen den Bundessieg im Fachgebiet Chemie. Sie entwickelten ein neuartiges, kostengünstiges Bindemittel zur Bekämpfung von Ölteppichen auf Gewässern.

Im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften errangen Till Felix Weismann (17) und Mohamad Al Farhan (20) aus Niedersachsen den Bundessieg. Die Jungforscher befassten sich mit der sogenannten Scutum-Wolke, einer sehr hellen Region der Milchstraße.

Der X-Zylo ist ein dünnwandiger Hohlzylinder. Nils Wagner (20) aus Bayern erforschte das Flugverhalten dieses speziellen Wurfgeräts mithilfe einer eigenen Software. Er siegte im Fachgebiet Physik. In Technik überzeugten Felix Sewing (18) und Alex Korocencev (18) aus Baden-Württemberg die Jury. Sie konstruierten ein spezielles Gefährt, das über dem Boden schwebt. Technische Basis sind vier rotierende Scheiben, die auf einer darunter liegenden Metallplatte ein kräftiges, abstoßendes Magnetfeld erzeugen.oh