Vielfalt nicht ohne Strukturreichtum

Exkursion der Ameisenschutzwarte: Artenreiche Wiesen nicht ohne Beweidung

»Biologische Vielfalt nicht ohne Strukturreichtum – artenreiche Wiesen nicht ohne Beweidung« – unter diesem Motto stand die Sommerexkursion der Ameisenschutzwarte Niedersachsen in der Feldmark Ellensen.

Eilensen/Ellensen. »Biologische Vielfalt nicht ohne Strukturreichtum – artenreiche Wiesen nicht ohne Beweidung« – unter diesem Motto lauschten knapp 40 Naturfreunde und Mitglieder der Ameisenschutzwarte Niedersachsen bei einer gelungenen Sommerexkursion durch die Feldmark Ellensen den interessanten und anschaulichen Erläuterungen des Referenten Michael Wolter. Vertieft und gekonnt dargestellt wurde das Thema Beweidung durch die Schäferin Anke Papenberg und Schäfer Reinhard Bode.

Streuobstwiesen als Areal für 3.500 Tierarten

Zunächst führte die Exkursion zu einer Weide, die von Pommern- und Leinegänsen abgeweidet wurde. Letztere ist eine robuste, wetter­harte und belastbare Gänseart, die fast aus­gestorben war und erst durch Zufall in der Hildesheimer Gegend 1990 wiederentdeckt wurde.

Im Ellenser Pastorengarten erläuterte Wolter die besondere Bedeutung strukturreicher, ungedüngter, sowie nicht bearbeiteter Streuobstwiesen alter Obstsorten. Sie sind Teil historisch gewachsener Kulturlandschaften, beherbergen ein Drittel aller heimischen Blütenpflanzen und unglaubliche 3.500 Tierarten, wie Käfer, Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Wiesenameisen, Fledermäuse, Spechte und viele andere. Beim Durchwandern der Fläche sprangen unzählige Grashüpfer um die Beine. Ameisennester, Erdwespen, Mulm- und höhlenreiches Totholz uralter Obstbäume sind nicht Zeichen von Un­ordnung und unterlassener Pflege, sondern bewusste Förderung von Artenreichtum. Die heute gängigen Apfelsorten mit feinpolierter glatter Schale, bis zu 30-mal gespritzt, sind im Geschmack fast alle gleich und überwiegend süß. Mit den sehr unterschiedlichen aromatischen Geschmacksrichtungen alter Sorten, in Jahrhunderten insbesondere für zeitversetzte Verwendungs- und Lagermöglichkeiten gezüchtet, sind sie nicht vergleichbar. Reinhard Bode erklärte die im Pastorengarten geübte traditionelle Beweidung mit Schafen. Sie sorgen mit ihrem Verbiss, ihrem Tritt und als »Samentaxi« für eine naturnahe Kulturlandschaftspflege.

Höher gestellter Balkenmäher schonendere Variante für Tier und Pflanze als das Mulchen

Durch die Feldmark ging es dann mit dem Planwagen zu weiteren Exkursionspunkten. Beim leidigen Thema Wegränder wurde deren große Bedeutung im Biotopverbund, als Lebensraum für Bodenbrüter, für Insekten wie Hummel- und Ameisennester-und für Ackerwildkräuter diskutiert. So sollte berücksichtigt werden, dass eine sachgerechte, versetzte Pflege, zum Beispiel mit höher gestelltem Balkenmähern, die schonendere Variante gegenüber dem Mulchen ist. Die Tötungsrate der Individuen beträgt beim Mulchen etwa 90 Prozent, beim Balkenmäher 25 Prozent der Individuen. Zur Vertiefung des Themas kann eine Broschüre »Artenreiche Wegränder« bei Michael ­Wolter (wolter211@t-online.de) angefragt werden.

Diskussion: Förderung für mehr Arbeitsaufwand

Ein absolutes Highlight und für fast alle Be­sucher ein erstmaliges Erlebnis, war das Zu­treiben der kleinen Walliser Schwarzhals­ziegenherde durch Anke Papenberg im Zusammenspiel mit ihrem Border Collie. Mit Stimme und Pfeiflauten dirigierte sie ihren vierjährigen Hütehund, der die Ziegen aus etwa 400 Meter Entfernung bis unmittelbar vor die Gruppe herantrieb.

Die Exkursionsteilnehmer waren sich einig, dass eine Agrarlandschaft dann unvergleichlich erlebnisreich und schön ist, wenn auch noch Schwarzbunte und Rote Mutterkuhherden, Schafe, Ziegen, Pferde, Gänse und Hühner grasen können. Das ist allerdings nur möglich, wenn der wesentlich höhere Arbeitsaufwand entsprechend staatlich gefördert wird und die Produkte von einer aufgeklärten Bevölkerung nachgefragt werden. Denn nur durch extensive Beweidung können Wiesen auf flachgründigen Standorten, insbesondere in Mittelgebirgslagen, langfristig mit ihrem Artenreichtum erhalten bleiben.oh

Dassel

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