Sehnsucht nach Licht

Ausstellung »Schwestern, vergesst uns nicht« im Alten Rathaus eröffnet

Dr. Dietmar Sedlaczek (Dritter von rechts), Leiter der Gedenkstätte Moringen, führte Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (Vierte von rechts) und zahlreiche Gäste durch die Ausstellung »Schwestern, vergesst und nicht«.

Einbeck. »In Einbeck gibt es keinen Platz für Rassismus und Nazis«, sagte Peter Zarske vom Bündnis »Einbeck ist bunt« bei der Eröffnung der Ausstellung »Schwestern, vergesst uns nicht« im Alten Rathaus. Anlässlich eines geplanten Aufmarsches Rechtsextremer am 14. September konnte die Wanderausstellung der KZ-Gedenkstätte Moringen nach Einbeck geholt werden, um dem »Vergessen« entgegenzutreten.

Schirmherrin der Ausstellung ist Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, die sich bei der Eröffnung deutlich gegen die Nazi-Veranstaltung positionierte: »Wir stellen uns mit kreativen Mitteln gegen diese verblendeten Menschen - aber ohne Hass und Groll.«

Auch sie bekräftigte, dass in Einbeck kein Platz für Rassismus sei. Dr. Dietmar Sedlaczek, Leiter der Gedenkstätte Moringen, führte in die Ausstellung ein, deren Kern aus Zeichnungen und Erfahrungen der Fürther Widerstandskämpferin Hedwig Regnart besteht. »Bleibt kämpferisch«, war laut Sedlaczek ihr Motto, das sich in vielen Teilen der Ausstellung wiederfindet. Die ausdrucksstarken Kohlezeichnungen fertigte die »Künstlerin, die keine sein wollte« an, um das Erlebte zu verarbeiten.

Sie wurde mehrere Male für Monate inhaftiert, wobei sie 1936/37 im Frauen-KZ Moringen untergebracht war. Die Pein, die sie im Verlauf der »Schutzhaft«, also der Gefangennahme ohne Gerichtsurteil und Angaben über die Haftdauer, ertragen musste, spiegelt sich in den Bildern wider, die sie unter anderem von ihren Mitinsassinnen gezeichnet hatte.

In der Ausstellung wird auchdas »Klopfalphabet« thematisiert, das Regnart ihren Leidensgenossinnen beigebracht hatte, um sich heimlich verständigen zu können. Die Isolation in der Einzelhaft und die »Sehnsucht nach Licht« finden in ihren Werken ein emotionales Ventil. Als weiteren Zweck will die Ausstellung den Fokus auf den politischen Widerstand der Frauen im Zweiten Weltkrieg legen, deren Beitrag zur Bekämpfung des Nationalsozialismus lange Zeit zu wenig Beachtung und Anerkennung geschenkt wurde.

Am kommenden Sonnabend, 14. September, gibt es die Möglichkeit an einer Gegendemonstration von »Einbeck ist bunt« teilzunehmen und an einer öffentlichen Führung durch die Ausstellung teilzunehmen. Sie ist noch bis Sonntag, 15. September, in der Halle des Alten Rathauses zu sehen.kw

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