Ein amerikanisches Familientreffen in Einbeck

»Zurück zu den Wurzeln« in Einbeck: Familie Fiene macht auf Rundreise Station / Sehenswürdigkeiten der Stadt gezeigt

Vor kurzem machte die Familie Fiene aus Amerika, die ihre Wurzeln unter anderem in Einbeck hat und sich derzeit auf einer Rundreise durch Deutschland befindet, in der Stadt Station. Unter der Leitung von Pastor John W. Fiene von der »Advent Evangelical Lutheran Church of Zionsville« im US-amerikanischen Bundesstaat Indiana besuchten 38 Familienmitglieder die Stadt, in der ihre Vorfahren gelebt haben. Die Fienes stammen von der Familie Brauer (lateinisch Braxator) ab, die vor fast 700 Jahren in Einbeck gelebt hat.

Einbeck. Am 6. Juni 1355 bezeugte der Rat der Stadt Einbeck, dass Olgard, die Witwe des Heinrich Braxator (Brauer), eine Mark Rente aus ihrem Hause an der Judenstraße an die Stiftskirche St. Alexandri für 15 Mark wiederkäuflich verkauft hat. Weitere schriftliche Erwähnungen der Familie Brauer in Einbeck finden sich für die Jahre 1430, 1455 und 1459. Die Familie besaß drei Häuser in der Tiedexer Straße und zwei Häuser »bei den Horden« – die Häuser Nummer 2 und 11 (heute heißt die Straße Hören).

Nach den Angaben von Reverend John W. Fiene wurde das bekannte »Cromesche Haus« in der Baustraße 24 im Jahr 1680 von Barthold Brauer erbaut. So ergeben sich verwandtschaftliche Verhältnisse zur Familie Crome, die vor einigen Tagen ebenfalls ein Familientreffen in Einbeck veranstaltet hat. Ein anderer Barthold Brauer soll als Einbecker Stadtrat an der Gründung der Einbecker Schule, von der heute noch das Portal zwischen Brauerei und Amtsgericht vorhanden ist, beteiligt gewesen sein.

Im 17. Jahrhundert zog ein Teil der Familie nach Northeim. Einer der ersten »Auswanderer« war Jobst Brauer. Als Sechsjähriger zog er mit seiner verwitweten Mutter nach Northeim. Sie hatte sich dort mit Dietrich Hallensen wiederverheiratet. Der Northeimer Familienzweig stammt von Pastor August Friedrich Ellissen ab, 1732 geboren. Er war der Sohn von Jakob Christoph Ellissen, der von 1685 bis 1768 in Einbeck lebte und dort wahrscheinlich als Schönfärber tätig war. Danach verstreute sich die Familie in verschiedenen Zweigen über das Land. Heidi Wirchow, eine geborene Brauer, die heute in Detmold lebt, erzählte, dass sich die Familie mittlerweile in verschiedene Äste verzweigt: unter anderem in Amerika, in Oldenburg und im Badischen. Pastor Fiene hat Einbeck schon einmal vor sieben Jahren besucht, aber das letzte große Familientreffen der Brauers in Einbeck liegt schon sehr lange zurück: Es fand in den 1960er Jahren statt. Der Ausrichter war damals der Einbecker Rudolf Brauer, der Vater von Heidi Wirchow. Danach gab es aufgrund der weiten Verzweigung der Familie Treffen in Wien, Bad Gastein und Northeim.Seit einigen Tagen ist der amerikanische Zweig der Familie in Deutschland unterwegs. Nach Stationen in Lübeck, Schwerin, Ribnitz, Göttingen und Osterode reisten die Familienmitglieder nach Einbeck.

Der Kontakt nach Einbeck kam über Ulrich Hoppe zustande, bei dem Christian Fiene, Sohn von Reverend John W. Fiene, vor zwei Jahren gewohnt hat. In zwei Gruppen aufgeteilt, wurden die amerikanischen Gäste durch die Stadt geführt. Inge Hüttig und Hellmut Hainski erklärten den Amerikanern auf englisch die Sehenswürdigkeiten der Stadt und führten sie an die Wirkungsstätten ihrer Vorfahren. Keiner kennt die Einbecker Geschichte so gut wie Hellmut Hainski – und so erfuhren die Gäste so manches Detail aus der Stadtgeschichte, das selbst vielen Einbeckern noch unbekannt ist. Interessiert nahmen die Fienes an den Führungen teil, und beim Gang durch die Tiedexer Straße hörte man erstaunte Ausrufe beim Anblick der Bürgerhäuser aus dem 16. Jahrhundert. Nachdem die Familie die Stadt ihrer Vorfahren ausgiebig erkundet hatte, ging es in ein Ausflugslokal am Fuße der Hube, von dem sich beim mittlerweile aufgekommenen Sonnenschein ein herrlicher Blick über die Stadt bot.wk

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