Einbecker Erfolgsgeschichte wird exportiert

Projekt des Lions Clubs »3.000 Schritte für mehr Gesundheit« findet bundesweit Anklang

Schüler der Berufsfachschule Altenpflege erhielten ihr »Bewegungsbegleiter«-Zertifikat: Bei der Übergabe dabei waren BBS-Schulleiter Renatus Döring (links), 3.000-Schritte-Organisator und Lions-Club-Mitglied Lutz Voß (Zweiter von links), Kathrin Düvel, Abteilungsleiterin im Bereich der Sozialpädagogik (Dritte von links), Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (Dritte von rechts), Lions-Club-Mitglied Siegfried Sander (Zweiter von rechts) und der Schirmherr der Veranstaltung, Dr. Madan Arora (rechts).

Bewegung ist gut für die Gesundheit, diese Tatsache ist nicht von der Hand zu weisen. Was geschieht jedoch, wenn es keinen Grund gibt, sich regelmäßig körperlichen Aktivitäten zu widmen? Im schlimmsten Fall bleibt man zu Hause auf dem Sofa sitzen und rostet ein. Um dem »Stillstand« entgegenzuwirken, hat der Lions Club Einbeck die Live-Activity »3.000 Schritte für mehr Gesundheit« im April 2017 an den Start gebracht. Seither sind wöchentlich 50 bis 60 Spaziergänger der Alterstufe 60+ im Einbecker Stadtgebiet unterwegs, um in heiterer Gesellschaft »frische Luft zu schnappen« und die abwechslungsreichen Strecken zurückzulegen.

Einbeck. Das Einbecker Lions-Club-Mitglied Lutz Voß begrüßte im Forum der Berufsbildenden Schulen Einbeck die Gäste, die aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren. »Wir wollen keine Mauern bauen, wir wollen Brücken bauen«, verkündete Dr. Madan Arora, District-Governor 111 NH und Schirmherr der Veranstaltung.

»3.000 Schritte« sei ein ausgezeichnetes Beispiel für dieses Motto. Die Teilnehmer gingen nicht nur miteinander spazieren, sie lernten sich dabei kennen, knüpften Kontakte und kämen aus der Einsamkeit heraus. Diese Aktivität habe das Potenzial, nach ganz Deutschland transportiert zu werden.
»Ich habe gehört, von der Nordseeküste bis zum Alpenrand sind heute Gäste da«, freute sich Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Das sei der Vorteil einer Stadt wie Einbeck, so in der Mitte von Deutschland zu liegen und gut für jeden erreichbar zu sein.

»Ich danke den Lions, dem Niedersächsischen Turnerbund und allen weiteren Kooperationspartner«, sagte Michalek, »die dieses Projekt aus der Taufe gehoben haben.« Nach ersten Planungsgesprächen mit dem Lions Club im Herbst 2016 sei bereits am 19. April 2017 die erste Gruppe über Einbecks Wallanlagen gelaufen. »Das war ein wunderbares Erlebnis«, so die Bürgermeisterin. Sie freue sich darüber, dass man heute zusammengefunden habe, um das Projekt auch über Einbecks Grenzen hinaus bekannt zu machen.

»Mehr als zehn Millionen Schritte«, so hatte der Schulleiter der BBS Einbeck, Renatus Döring, kalkuliert, »wurden im Rahmen des Projektes in den vergangenen zwei Jahre rund um die Innenstadt zurückgelegt.« Die BBS, im speziellen  die Abteilungsleiterin im Bereich des Sozialpädagogik, Kathrin Düvel, und Teamleiterin Inge Bantelmann, begleitete das Projekt als Kooperationspartner. »Heute ist der Tag, an dem ‘3.000 Schritte’ weitere Kreise durch die Republik ziehen wird«, erklärte Döring. Die Schüler der Berufsfachschule Altenpflege, die die Aktivität begleiteten, bekamen anschließend ein Zertifikat überreicht, das ihnen bescheinigt, Bewegungsbegleiter zu sein.

Als Gastrednerin trat Professor Dr. Barbara Zimmermann-Michailidis ans Pult. Die Vizepräsidentin der Hochschule 21 in Buxtehude und Leiterin des Fachbereichs Gesundheit referierte über »Bewegung im Alter« und weiterführende »Baustellen« wie die zunehmende Vereinsamung älterer Mitbürger und deren Integration in die Stadtteilarbeit. »Sie machen Mut mit Ihrem Projekt ‘3.000 Schritte’«, erklärte sie, »Mut, neue Wege zu gehen, über Bewegung soziale Brücken zu schlagen, eine bewegte Integration zu leben und nebenbei auch noch Gesundheit anzubieten.« Sie habe Lust, das auch in Buxtehude zu machen.

»Junge, Bewegung ist gesund«, mit diesen Worten, die er stets von seinem Vater zu hören bekam, begann Dr. Christian Kley, Chirurg am Einbecker Bürgerspital, seinen Vortrag. Er beleuchtete wirtschaftliche sowie populationsökonomische Zusammenhänge. »Wir geben jeden Tag mehr als eine Milliarde Euro für Gesundheit aus«, lautete seine erste Feststellung. Dass diese Ausgaben sogar steigen, liege unter anderem daran, dass die medizinische Versorgung für immer mehr Personen immer besser werde. Dazu steige die Lebenserwartung. »Wir leben länger, als wir denken«, so Kley.

Bei Erkrankungen, die einen wesentlichen Anteil an den erwähnten Kosten verursachten, etwa Adipositas (Fettleibigkeit), Bluthochdruck, Diabetes mellitus sowie koronare Herzkrankheiten, sei Bewegungsmangel eine wesentliche Ursache. Durch die »3.000 Schritte« würden nicht nur Muskeln, Gelenke und das Leistungsvermögen insgesamt trainiert, sondern auch die Psyche.

Zum Abschluss des ersten Teils der Veranstaltung erläuterte Rosa Huppert, Kabinettsbeauftragte Senioren im Lions Distrikt 111 NH, den demografischen Wandel und das Distriktprojekt LionsSen »Lebenskonzepte für Senioren«. »Wir wollen mit der Generation 60+ verstärkt Activities durchführen«, berichtete sie. Denn der Seniorenanteil in der Bevölkerung werde weiter stark steigen. Der Bericht über den zweiten Teil der Veranstaltung wird in einer der kommenden Ausgaben veröffentlicht.

Nachmittags wurde zunächst die Entstehung der Activity »3.000 Schritte für mehr Gesundheit« erläutert. Lutz Voß, Siegfried Sander und Herbert Papenberg, vom Lions Club Einbeck präsentierten abwechselnd ihre Herangehensweise: Es wurde zunächst Akzeptanz im Club geschaffen, ein Steuerungsgruppe entwickelte das Projekt bis zur »KickOff«-Veranstaltung und das gemeinsame wöchentliche Spazierengehen mit den älteren Menschen. Einige Höhepunkte aus dieser zweijährigen Erfolgsgeschichte präsentierten die Redner: Unter anderem wurde die Basisroute auf den Wallanlagen und an der Stadtmauer sowie das Treten im Kneippbecken zur Abkühlung während einer heißen Sommertagsroute erwähnt. Auch Gehirnjogging, verknüpft mit kulturellen Erläuterungen zur Stadtgeschichte, zu Stolpersteinen oder der Besuch in der Stadtbücherei mit einigen geselligen Abschlussrunden bei Kaffee und Kuchen, erlebten die etwa 60 Teilnehmer wöchentlich.

Die drei Einbecker Lions, die sich selbst »Streetworker« nennen, luden abschließend zusammen mit den Bewegungsbegleitern der BBS alle Tagungsteilnehmer zu einem besonderen Spaziergang ein. Mit den rosaroten Lions-Westen ging es auf die »Piste«. Diese Live-Activity Premiere »3000 Schritte für mehr Gesundheit« werde als Impuls weiterlaufen, in die anderen Clubs hineingetragen und auch deutschlandweit Anklang finden. Da seien sich die Lions sicher. Abgerundet wurde dieser Lions-Info-Tag mit der Teilnahme am traditionellen Einbecker Bierstadtlauf.kw

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