Eine Zeit, die uns bis heute prägt

Gottesdienst am Volkstrauertag in St. Alexandri | Kranzniederlegung am Mahnmal

Einbeck. Es ist ein Tag um inne zu halten, sich zu erinnern und im stillen Gedenken an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen zu trauern. Der Volkstrauertag wird seit 1952 zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen. Der Ortsverband Einbeck des Volksbundes Deutsche Kriegsgräbervorsorge hatte zu einem Gedenkgottesdienst in die Münsterkirche St. Alexandri geladen, den Pastorin Anne Schrader begleitete.

»Es ist ein Mahntag für den Frieden«, beschrieb sie den Volkstrauertag. Man gedenke der Toten und denen die den Krieg nie wieder vergessen werden. Mit einer kurzen Geschichte verdeutlichte sie, wie Vergebung, Hoffnung und Ehrlichkeit den Menschen zum Frieden führen könne.

»Frieda hatte sich mit Max geprügelt«, begann sie. Es sei unklar gewesen, wer den Streit begonnen hatte, weshalb die beiden Streithähne eine Strafaufgabe erledigen mussten: Sie sollten ein Bild von Frieden malen. Friedas Blatt Papier blieb weiß.

Als sie am Folgetag aus der Klasse flüchtete, weil sie den Blicken nicht mehr standhalten konnte, beichtete sie ihrer Mutter: »Ich war es, ich habe Max geschubst und geschlagen.« Durch diese Erkenntnis und Ehrlichkeit begann die Heilung – Frieda und Max wurden Freunde.

»... Sie gehen langsam, mit schlurfenden Schritten, sehr langsam, ins Land Nirgendwo, in die Stadt Niemand, am Fluss Niemals«, mit diesen Zeilen des Gedichts »Flüchtlinge« von Schriftsteller Adam Zagajekwski eröffnete Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek ihre Ansprache. Sie übermittelte die Grüße von Rat und Verwaltung und wagte einen Blick in die Vergangenheit.

»Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen«, mit diesen Worten Hitlers begann am 1. September 1939 der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen, erinnerte sie, und damit der zweite Weltkrieg. Am Ende dieser Katastrophe standen mehr als 55 Millionen Tote. »Wer sich diese Geschehnisse vor Augen hält, versteht, warum die Wunden bis heute so tief gehen«, erklärt sie. Deswegen gedenke man am diesjährigen Volkstrauertag insbesondere des Leids, das unsere Vorfahren über das Nachbarland Polen brachten.

»Nie wieder dürfen Hass, Gewalt und Krieg zum Mittel der Politik in Europa werden«, ergänzte sie, weckte jedoch bedenken und mahnte vor aktuellen Gefahren, die diesen Wunsch bedrohten. Viele Menschen schätzten heute in Europa nationale Interessen höher als Frieden, Freiheit und Versöhnung. Um dem zu begegnen, müsse man aufeinander zugehen und miteinander sprechen – nicht übereinander. »Wir alle tragen Verantwortung für die Zukunft – für Freiheit, für eine starke Demokratie, für eine friedliche und menschliche Welt.«

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von Goetheschülern unter der Leitung von Annett Steinberg.

Im Anschluss folgte die Kranzniederlegung am Mahnmal. Vertreter von DRK, THW, Feuerwehr und Stadtverwaltung sowie Politiker und Bürger waren zur Gedenkfeier gekommen.

Zur Musik der Bläsergemeinschaft Kuventhal-Einbeck und einfühlsamen Worten von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek wurden Kränze der Stadt Einbeck und des Volksbunds zum Gedenken niedergelegt.kw

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